Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Personalisierung (Politik)
Personalisierung in der Politik bezeichnet ein Bestreben von Parteien und Politikern, in ihrer politischen Werbung, vor allem in ihren Wahlkämpfen, …
Inhalt4 Abschnitte
Begriff und Bedeutung
Personalisierung in der Politik bedeutet, dass Parteien und Politiker in Werbung und besonders in Wahlkämpfen einzelne Personen sowie deren persönliche Eigenschaften stark hervorheben. Politische Entscheidungen und Verantwortung werden in der öffentlichen Wahrnehmung diesen Personen zugeschrieben. Dadurch rücken Spitzenkandidaten stärker in den Mittelpunkt als Parteien, Programme oder Sachfragen.
Entwicklung in Deutschland
Als beispielhafte Durchbrüche eines neuen, stark personalisierten Politikstils gelten in Deutschland die von Gerhard Schröder geprägten Bundestagswahlkämpfe der SPD 1998 und 2002. Auch die Reaktion des CDU/CSU-Kandidaten Edmund Stoiber und seines Wahlkampfteams 2002 wird dazu gerechnet.
Die Politologin Christina Holtz-Bacha erklärt die Entwicklung mit dem wachsenden Anteil von Wählern, die sich erst sehr kurzfristig vor einer Wahl für eine Partei entscheiden. Anhänger der Personalisierung nehmen an, dass solche Entscheidungen spontan und emotional erfolgen. Persönliche Sympathien und Antipathien gegenüber Spitzenkandidaten könnten deshalb die Wahlentscheidung stark beeinflussen.
Formen der Personalisierung
Ein Merkmal ist das häufige Auftreten von Politikern als Prominente in Talkshows und ähnlichen Fernsehformaten. Dabei stehen oft nicht politische Streitfragen im Vordergrund, sondern persönliche Eigenschaften, Vorlieben und Charakterzüge. Auch Ehepartner, Kinder und andere Angehörige von Kandidaten treten öffentlich auf und werden Teil der politischen Darstellung.
Folgen für Demokratie und politische Kultur
Die Auswirkungen der Personalisierung auf Demokratie und politische Kultur sind umstritten. Befürworter meinen, sie könne Menschen, die Politik sonst fernstehen, politische Fragen näherbringen. Außerdem hätten Wähler das Recht, mehr über die Persönlichkeit der Kandidaten zu erfahren.
Kritiker befürchten dagegen, dass allgemeinpolitische Sach- und Streitfragen durch unpolitische Themen wie Familienleben oder Hobbys verdrängt werden. Carsten Brosda warnt vor der „Gefahr, dass Politik nicht mehr argumentativ und problemorientiert, sondern verstärkt emotional und wirkungszentriert vermittelt wird“.