Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Performative Spiele
Das Konzept performativer Spiele ist ein Sprachförderungsmodell für Schüler mit Migrationshintergrund. Die klassische Lehr- und Lernpalette wird dabei durch …
Inhalt3 Abschnitte
Kern und Entwicklung
Performative Spiele sind ein Sprachförderungsmodell für Schüler mit Migrationshintergrund. Die klassische Lehr- und Lernpalette wird durch performative Spiele erweitert. Ziel ist es, neben der sprachlichen Entwicklung auch kommunikative, soziale und interkulturelle Kompetenzen aller Schüler zu fördern.
Das Konzept wurde im Rahmen eines Modellversuchs an der Universität Bremen in Zusammenarbeit mit Bremer Schulen für den Unterricht entwickelt, erprobt und evaluiert. Es richtet sich an Schüler der Sekundarstufe I und beruht auf Bewegung und Handlung vor Zuschauern aus der eigenen Klasse oder Gruppe.
„Performativ“ bezeichnet in diesem Zusammenhang Handlungen, bei denen ein Thema nicht nur bearbeitet, sondern zugleich körperlich und sprachlich aufgeführt wird. Unterrichts- und Lernthemen werden in bewegungs- und handlungsorientierten Spielen bearbeitet, ausgeführt und präsentiert. Lernen soll dadurch nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Körper und seinen Sinnen stattfinden. Die zentrale These lautet, dass die dabei angeregten kognitiven Fähigkeiten – insbesondere Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen, Merkfähigkeit und Kreativität – den Sprachentwicklungsprozess positiv beeinflussen können.
Theorie des Konzepts
Die Besonderheit des Modells besteht darin, dass Sprache in sozialen und interkulturellen Handlungskontexten gespielt und unmittelbar in kooperative sowie kommunikative Handlungen eingebunden wird. Damit mehrere Sinne beteiligt sind, müssen die Schüler während des Spiels gleichzeitig auf unterschiedliche Dinge achten. Das Sprachenlernen steht nicht vordergründig im Mittelpunkt, sondern findet möglichst „beiläufig“ statt. Diese Ausrichtung soll besonders Schüler unterstützen, die Sprache häufig als Barriere erleben.
Im Mittelpunkt stehen die jeweilige Situation, Erfolgserlebnisse und positive Spracherfahrungen. Der Ansatz richtet den Blick darauf, was Schüler bereits können, etwa mehrere Sprachen sprechen, und soll ihnen ermöglichen, emotionale Bindungen zur deutschen Sprache aufzubauen. Lernen wird mit positiven Emotionen verbunden. Nach der im Artikel dargestellten neuropsychologischen Begründung können dabei schnelle biochemische und langfristige strukturelle Veränderungen der Informationskanäle, also der Synapsen, im Gehirn entstehen. Diese Veränderungen können Hirnfunktionen optimieren und Lernbereitschaft sowie Lernleistung anregen.
Performative Spiele ersetzen den herkömmlichen Deutsch- oder Förderunterricht mit seinen „expliziten Lernprozessen“ nicht. Sie sind vielmehr ein methodisch-didaktisches Instrument, das sprachliche und soziale Lehr- und Lernprozesse spielerisch unterstützen soll. Das im Spiel erworbene Wissen über Sprache kann die spätere explizite Aneignung sprachlicher Regelsysteme fördern. Besonders wirksam ist das Wechselspiel zwischen herkömmlicher Arbeitsweise und performativem Spiel.
Durch Spiele und Präsentationen vor zuschauenden und zuhörenden Mitschülern können Schüler mit Migrationshintergrund einen Zugang zur Sprache erhalten, Sprachbarrieren abbauen und prozedurales Wissen erwerben, also Wissen darüber, wie etwas praktisch ausgeführt wird. Dafür ist eine andere Arbeitsweise und Lernform erforderlich. Zugleich können Lehrkräfte Stärken und Schwächen ihrer Schüler besser erkennen und in den Lernprozess einbeziehen.
Praktische Umsetzung
Der Ansatz besteht vor allem aus gruppendynamischen Kooperations- und Interaktionseinheiten. Die Lehrkraft organisiert sie im Unterricht und passt sie an die jeweiligen Lernaufgaben und Unterrichtsthemen an. Die Rolle der Lehrkraft umfasst dabei Spielanleitung, Spielteilnahme und Spielmoderation. Die Schüler wechseln zwischen der Rolle der Handelnden und der Zuschauenden.
Als Anregungen dienen unter anderem Spiel- und Inszenierungsformen der „szenischen Künste“. Sie sollen jedoch nicht unabhängig von den Lerninhalten eingesetzt werden, sondern mit den Unterrichtsthemen verbunden und an die Bedingungen des jeweiligen Unterrichts angepasst werden. Zu berücksichtigen sind beispielsweise Gruppengröße, Altersstufe, Lernklima und Lernstand.
Eine positive und vertrauensvolle Lernatmosphäre gehört zu den zentralen Voraussetzungen für das Gelingen und die Wirksamkeit der Spiele. Insgesamt verbinden performative Spiele Bewegung, Handlung, Sprache, Kooperation und Präsentation. Dadurch entsteht ein flexibles Instrument, das sowohl Sprachförderung als auch soziale und kommunikative Lernprozesse unterstützt und Lehrkräften ein ganzheitlicheres Bild ihrer Schüler ermöglicht.