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Papierrecycling

Als Papierrecycling wird die Auflösung und Aufbereitung von Altpapier, gebrauchtem Karton und Pappe in Anlagen der Papierindustrie mit dem Ziel bezeichnet, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip und Bedeutung
  2. 2. Produkte, Qualitäten und Grenzen
  3. 3. Sammlung und Sortierung
  4. 4. Aufbereitung in der Papierfabrik
  5. 5. Entwicklung des Recyclingkreislaufs
  6. 6. Historische Anfänge

Grundprinzip und Bedeutung

Papierrecycling bezeichnet die Auflösung und Aufbereitung von Altpapier sowie gebrauchtem Karton und gebrauchter Pappe in Anlagen der Papierindustrie. Ziel ist es, daraus wieder neues Papier, neuen Karton und neue Pappe herzustellen. In geringem Umfang entsteht zunächst Altpapierstoff als Halbstoff, der erst später zur Papierherstellung verwendet wird.

Altpapier ist mengenmäßig der wichtigste Rohstoff der deutschen Zellstoff- und Papierindustrie und deckt rund zwei Drittel ihres Rohstoffbedarfs. Sein Einsatz verringert die benötigte Menge an Holz beziehungsweise Zellstoff deutlich. Auch der Energie- und Wasseraufwand ist bei der Herstellung von Recyclingpapier in der Regel geringer als bei Papier aus Primärfasern wie Holz oder Zellstoff.

2019 produzierte Deutschland rund 22 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe. Dafür wurden mehr als 17 Millionen Tonnen Altpapier eingesetzt; der Altpapierverbrauch wird für dieses Jahr mit 17,2 Millionen Tonnen angegeben. Die Altpapiereinsatzquote, also der Anteil von Altpapier an den in der Papierindustrie eingesetzten Rohstoffen, stieg von 30 % im Jahr 1950 auf 78 % im Jahr 2019.

Produkte, Qualitäten und Grenzen

Verpackungspapiere und Karton können bis zu 100 % aus Altpapier bestehen. Auch die meisten Tageszeitungen werden auf Papier aus 100 % Altpapier gedruckt. Weitere Erzeugnisse sind Hygienepapiere wie Toilettenpapier, Papierhandtücher und Küchentücher sowie ungestrichene Papiere, beispielsweise Kopier- und Zeitungsdruckpapier. Aufwendig hergestellte Recycling-Kopierpapiere können bei der Verarbeitung mit Frischfaserpapier vergleichbar sein und sich im Weißgrad nur noch minimal davon unterscheiden. Recycelte Fasern werden außerdem für höherwertige Papiere wie Zeitschriftenpapier verwendet.

Bei Hygienepapier und Zeitungsdruckpapier lässt sich der Altpapieranteil kaum noch steigern. Um insgesamt höhere Verwertungsquoten zu erreichen, wird deshalb zunehmend Altpapier für Zeitschriften und Magazine eingesetzt.

Papierfasern können jedoch nicht unbegrenzt wiederverwendet werden: Bei jedem Recycling werden sie kürzer und müssen schließlich aus dem Kreislauf entfernt werden. Daher müssen ständig frische Fasern in den Kreislauf gelangen, etwa durch Holzschliff in Zeitschriften und durch Zellstoff. Das verhindert einen sogenannten „Recyclingkollaps“.

Die europäische Norm EN 643:2014-05 beschreibt in der „Liste der Europäischen Standardsorten und ihre Qualitäten“ 95 Altpapiersorten nach Zusammensetzung und Qualität. Die Zahl der standardisierten Sorten nimmt zu, weil Papierfabriken neue Techniken entwickeln, mit denen sich zuvor ungeeignete Qualitäten verarbeiten lassen.

Sammlung und Sortierung

Die Altpapiersammlung in Deutschland wird durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz geregelt. Private und kommunale Unternehmen wirken dabei in einem Hol- und Bringsystem zusammen.

Beim Holsystem werfen Verbraucher das Altpapier an den Anfallstellen in bereitgestellte Tonnen, Container oder Säcke. Entsorgungsfahrzeuge holen es ab; anschließend gelangt es in Sortieranlagen. Beim Bringsystem, das auch alternatives Erfassungssystem heißt, sammeln und sortieren die Verbraucher das Papier vor und bringen es zu Recyclinghöfen oder Altpapierankaufstellen. Altpapierankaufstellen sind gewerbliche Entsorgungsträger, die für abgegebenes Altpapier Bargeld zahlen. Da das Material bereits vorsortiert wird, benötigt die Erzeugung sortenreinen Altpapiers beim Bringsystem weniger Energie als beim Holsystem. Beim Holsystem ist die Sortierqualität geringer.

Die Altpapiersortierung kann manuell, teilautomatisiert oder vollautomatisiert erfolgen. Sie richtet sich nach Standards, die die zulässigen Qualitäten festlegen: dem europäischen CEN-Standard EN 643 sowie Standards des Institute of Scrap Recycling Industries Inc. und des Paper Recycling Promotion Center für Europa, Nordamerika und Japan. Die Sortierung soll den Papierfabriken einen hochwertigen Sekundärrohstoff liefern. Ein Sekundärrohstoff ist ein aus bereits verwendeten Materialien zurückgewonnener Rohstoff, der hier zur Herstellung von Recyclingpapier dient.

Aufbereitung in der Papierfabrik

Für die Papierproduktion wird das Altpapier in Wasser aufgelöst und von Fremdstoffen gereinigt. Der größte Teil wird zu Verpackungspapieren verarbeitet, beispielsweise zu Wellpappenrohpapier oder Maschinenkarton. Auch graphische Papiere sowie Zeitungs- und Magazindruckpapier bestehen vollständig oder teilweise aus Altpapier. Dafür eignen sich besonders Sorten, die überwiegend gebrauchte Zeitungen und Zeitschriften enthalten.

Der Schlüsselprozess bei graphischen Recyclingpapieren ist das Deinking. Dabei werden Druckfarben von den Altpapierfasern abgelöst. Weiße Füllstoffe wie Calciumcarbonat oder Kaolin und das zusätzliche Streichen der Oberfläche mit weißer Streichfarbe können anschließend den Weißegrad erhöhen.

Normale Offset- und Tiefdruckfarben bereiten beim Deinking keine Probleme. Flexodruck-Farben und UV-Druck sind dagegen erheblich schwieriger zu entfernen. Auch Inkjet-Tinten und Flüssigtoner behindern den Vorgang. Besonders problematisch wird dies, wenn große Mengen entsprechend bedruckten Papiers aus Werbesendungen oder digital gedruckten Zeitungen ins Altpapier gelangen.

Entwicklung des Recyclingkreislaufs

Deutschland verfügt über ein seit vielen Jahren bewährtes System aus getrennter Erfassung, Bereitstellung durch Kommunen oder Entsorgungsunternehmen und Recycling in Papierfabriken. Seine Grundlage ist eine hohe Altpapierqualität. Die Qualitätszuordnung erfolgt nach der europäischen Altpapiersortenliste DIN EN 643.

Die Altpapierrücklaufquote bezeichnet den Anteil des verbrauchten Papiers, der wieder als Altpapier erfasst wird. Sie betrug 1985 rund 43 %, liegt seit Mitte der 1990er Jahre ständig über 70 % und erreichte 2019 ebenfalls 78 %. Der deutsche Papierkreislauf gilt als Vorbild für weitere EU-Staaten und für andere Bereiche der Kreislaufwirtschaft.

Deutschland war 2019 mit einem Nettoimport von 2,4 Millionen Tonnen der größte Nettoimporteur von Altpapier in Europa und zugleich der wichtigste europäische Altpapiermarkt. Mit insgesamt 4,9 Millionen Tonnen eingeführtem Altpapier gehörte es zu den zehn größten Einfuhrländern weltweit und lag nach China und Indien auf Platz 3.

Historische Anfänge

Die Wiederverwendung von Papiermaterial ist bereits aus dem Alten Ägypten bekannt. In der Ersten Zwischenzeit wurden gebrauchte Papyri zu Kartonagen für Totenmasken verarbeitet. Der Archäologe Flinders Petrie entdeckte solche Stücke 1907 bei Ausgrabungen in Rifeh. Archibald Henry Sayce schloss daraus, dass die Hersteller ganze Sammlungen nicht mehr benötigter Papyri aufkauften. Später verwendeten etwa Buchbinder bereits benutztes Papier, das aus Holz oder Hanf hergestellt worden war, zur Stabilisierung von Buchdeckeln und Buchrücken.

Für die Zeit um 1775 ist erstmals eine Verarbeitung gebrauchten Papiers zu neuem, wieder bedruckbarem Papier belegt. Christian Friedrich Daniel Schubart berichtete, Justus Claproth in Göttingen habe ein Verfahren entwickelt, gedrucktes Papier zu reinigen. Wilhelm Heinrich Sebastian Buchholz setzte es in Weimar mithilfe des Papiermachers Wieser praktisch ein. Dabei wurden Druckfarben unter anderem mit Walkererde beziehungsweise weißem Ton und Pottasche entfernt. Auf dem so gewonnenen Papier wurde das 21. Stück der „Erfurter gelehrten Zeitung“ gedruckt.

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