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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Neue Sachlichkeit (Fotografie)

Die Bildsprache der Neuen Sachlichkeit zeichnet sich durch ein hohes Maß an objektiv kühlem Realismus des Fotografen gegenüber seinem Sujet aus.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernidee
  2. 2. Entstehung
  3. 3. Bildsprache und Arbeitsweise
  4. 4. Abgrenzung zu anderen Künsten
  5. 5. Fotografen und Kritik

Kernidee

Die Neue Sachlichkeit ist eine Stilrichtung der Fotografie. Sie will Gegenstände und Menschen mit objektiv kühlem Realismus zeigen: nüchtern, zurückhaltend und möglichst ohne sichtbare persönliche Deutung durch den Fotografen. Wichtig ist dabei nicht eine völlig neue Darstellung des Gegenstands, sondern die genaue Fixierung von Struktur, Form und Mentalität.

Für Schülerinnen und Schüler ist besonders wichtig: Die Neue Sachlichkeit versteht Fotografie als Medium, das die exakte Form der Dinge wiedergeben kann. Dadurch erhält sie einen dokumentarischen Charakter und steht in der Nähe einer wissenschaftlichen Fotografie.

Entstehung

Der Begriff Neue Sachlichkeit wurde 1923 von G. F. Hartlaub geprägt, dem damaligen Direktor der Mannheimer Kunsthalle. Er verwendete ihn bei der Planung einer Ausstellung mit dem Titel Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus, die erst zwei Jahre später stattfand.

In der Fotografie entwickelte sich die Neue Sachlichkeit aus dem Wunsch, künstlerischen Tendenzen wie dem Piktorialismus eine streng objektive Bildsprache entgegenzusetzen. Der Piktorialismus war eine fotografische Richtung, die Fotografie stärker wie Malerei oder Kunst wirken lassen wollte.

Bildsprache und Arbeitsweise

Das erklärte Ziel der Neuen Sachlichkeit in der Fotografie der Weimarer Republik war, Dinge in ihrer Einfachheit und Schönheit darzustellen. Dafür sollte der Fotograf Abstand zum Sujet wahren. Sujet bedeutet hier der Gegenstand oder das Motiv einer Aufnahme.

Die Bildsprache sollte sehr nüchtern und zurückhaltend sein. Praktisch bedeutete das eine besonders sorgfältige Arbeit: Die Fotografien sollten durch perfekt ausgearbeitete Abzüge und genaueste Formwiedergabe überzeugen. Damit grenzte sich die Neue Sachlichkeit von experimentellen Ansätzen der zeitgenössischen Fotografie ab.

Der Fotograf sollte klar die Referenz zum Sujet zeigen, ohne auf sich selbst als Autor zu verweisen. Gewünscht war Dokumentation anstelle eines sichtbaren Kunstwollens. In diesem Sinn ging es eher um Inventarisierung und genaue Wiedergabe als um persönliche Gestaltung.

Abgrenzung zu anderen Künsten

Der ästhetische Ansatz der Neuen Sachlichkeit in der Fotografie unterscheidet sich deutlich von dem in der Malerei. In der Fotografie und auch in der Filmsprache wurde versucht, Sachlichkeit durch ästhetische Nüchternheit zu erreichen.

In der Malerei war Realismus dagegen vor allem Ziel, aber nicht unbedingt das ästhetische Mittel. George Grosz beschrieb sein Anliegen damit, „das Weltbild von den übernatürlichen Kräften, von Gott und den Engeln zu reinigen, um dem Menschen den Blick zu schärfen für sein reales Verhältnis zur Umwelt.“

Fotografen und Kritik

Als wichtige und häufig genannte Fotografen der Neuen Sachlichkeit gelten Albert Renger-Patzsch, August Sander, Karl Blossfeldt, Hans Finsler, Hein Gorny, Max Baur sowie Bernd und Hilla Becher.

Walter Benjamin kritisierte die Neue Sachlichkeit deutlich. Er sprach ihr aus den genannten Gründen die Zugehörigkeit zur Bildenden Kunst ab. In ihrer Konzeption erkenne er keinen Willen, „etwas künstlerisches auf[zu]bauen“. Außerdem meinte er, die Neue Sachlichkeit verkläre die Realität, lasse dem Betrachter durch ihre Darstellung der Dinge kaum Deutungsspielräume und vermindere so den Erkenntnisgewinn. Nach Benjamin könne die bloße Wiedergabe der Realität weniger denn je etwas über die Realität aussagen.

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