Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Napoleon (1955)
Napoleon ist ein französisch-italienischer Monumentalfilm aus dem Jahre 1954 über die wichtigsten Lebensstationen Napoleon Bonapartes.
Inhalt5 Abschnitte
Überblick
Napoleon ist ein französisch-italienischer Monumentalfilm über wichtige Lebensstationen Napoleon Bonapartes. Der Film entstand unter der Regie von Sacha Guitry, der auch das Drehbuch schrieb und als Staatsminister Talleyrand auftritt. Produzent war Clément Duhour, die Musik stammt von Jean Françaix, die Kamera führte Pierre Montazel, den Schnitt übernahm Raymond Lamy.
Der Film erschien 1955, wurde auf Französisch gedreht und hat in der Originalfassung eine Länge von 182 Minuten; die deutsche Fassung wurde auf 105 Minuten gekürzt. In Deutschland ist der Film ab FSK 6 freigegeben. Die Produktion war als großes historisches Panorama angelegt und versammelte eine außergewöhnlich umfangreiche Besetzung mit vielen bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern, darunter Raymond Pellegrin als Kaiser Napoléon Bonaparte, Daniel Gélin als junger Bonaparte, Michèle Morgan als Joséphine de Beauharnais, Maria Schell als Marie-Louise von Österreich, Jean Marais als Marquis de Montholon, Jean Gabin als Marschall Lannes, Yves Montand als Marschall Lefebvre, Orson Welles als Sir Hudson Lowe und Sacha Guitry als Talleyrand.
Inhalt
Die Handlung beginnt mit der Nachricht „Napoleon ist gestorben!“, die sich schnell in Paris verbreitet. Der alte Staatsmann Talleyrand, der viele Herrscher Frankreichs erlebt und Napoleon aus der Nähe gekannt hat, erzählt rückblickend von Napoleon als machthungrigem und skrupellosem Gewaltherrscher. Der Film zeigt danach Napoleons Leben wie in einem Bilderbogen: von seiner Geburt 1769 auf Korsika bis zu seinem Tod 1821 als Gefangener der britischen Krone auf St. Helena.
Gezeigt werden Napoleons Kindheit, seine Ausbildung an der Militärakademie von Brienne, seine Verlobung in Toulon mit Désirée Clary und seine erste Ankunft in Paris. Dort begegnet er Joséphine de Beauharnais, die 1796 seine Ehefrau wird. Im selben Jahr beweist er sich in der Schlacht bei Arcole gegen die Österreicher als taktisch geschickter Feldherr. Seine erfolgreichen Feldzüge in Ägypten steigern seinen Ruhm und machen ihn in Frankreich zum Nationalhelden.
Mit der Ernennung zum Ersten Konsul der Republik gewinnt Napoleon faktisch die Alleinherrschaft über Frankreich. Im Dezember 1804 lässt er sich zum Kaiser der Franzosen krönen. Danach folgen zahlreiche Schlachten und Siege, darunter Ulm, Austerlitz, Preußisch Eylau, Wagram und Aspern. Neben der politischen und militärischen Laufbahn zeigt der Film auch Napoleons Beziehungen: Marie-Louise von Österreich wird seine zweite Ehefrau, Éléonore Denuelle seine Geliebte, und aus einer Beziehung mit der polnischen Gräfin Maria Walewska geht ein Kind hervor. Walewskas Hoffnung, Napoleon werde Polen staatliche Unabhängigkeit bringen, erfüllt sich jedoch nicht.
Nach dem verlustreichen Russlandfeldzug wendet sich Napoleons Kriegsglück. Sein Heer erleidet in Russland und beim Rückzug durch Preußen schwere Verluste. Napoleon wird zunächst auf die Insel Elba verbannt. Danach kehrt er nach Frankreich zurück und versucht während der Herrschaft der Hundert Tage erneut, die Kontrolle zu gewinnen. In der Schlacht bei Waterloo wird er endgültig besiegt. Die Briten verbannen ihn nach St. Helena, wo er einsam und verbittert stirbt.
Entstehung
Gedreht wurde Napoleon vom 14. Juni bis zum 30. Oktober 1954. Die Uraufführung fand am 25. März 1955 statt; in Deutschland lief der Film ab dem 30. März 1956. Für die deutsche Veröffentlichung wurde das ursprünglich über dreistündige Werk stark auf 105 Minuten gekürzt.
Sacha Guitry knüpfte mit dieser Großproduktion an seinen Film Versailles – Könige und Frauen von 1953 an, der ebenfalls ein schauprächtiger Bilderbogen über französische Geschichte war. Mit Napoleon wollte Guitry diese frühere Produktion in Umfang und optischer Wirkung noch übertreffen.
Viele Aufnahmen entstanden an historischen Originalschauplätzen, vor allem in Frankreich. Genannt werden Schloss Malmaison, Schloss Fontainebleau und Schloss Versailles. Auch die Schlachtfelder von Austerlitz und Waterloo sollen Drehorte gewesen sein. Ghislain Cloquet assistierte dem Chefkameramann Pierre Montazel. René Renoux entwarf die Filmbauten; Monique Dunan, Paulette Coquatrix und Jacques Cottin gestalteten die zahlreichen historischen Kostüme.
Einige Besetzungs- und Produktionsdetails werden besonders hervorgehoben: Der 17-jährige Sami Frey gab in einer sehr kleinen Rolle sein Filmdebüt. Guitry spielte erneut Talleyrand, den er bereits 1948 in Der hinkende Teufel dargestellt hatte. O. W. Fischer und Maria Schell standen beide vor der Kamera, hatten aber keine gemeinsame Szene. Lana Marconi, Darstellerin der Maria Walewska, war damals Guitrys Ehefrau. Außerdem fielen Szenen mit weiteren bekannten Mitwirkenden der Kürzung zum Opfer, unter ihnen Françoise Arnoul, Eleonora Rossi Drago, Raymond Bussières, Corinne Calvet, Fernand Ledoux, Gaby Morlay und Silvana Pampanini.
Deutsche Fassungen
Für den deutschen Sprachraum gab es zwei Synchronfassungen. Die erste deutsche Synchronisation wurde 1956 von Wolfgang Wehrum hergestellt. In dieser Fassung sprach Arno Assmann sowohl Napoleon, gespielt von Raymond Pellegrin, als auch den jungen Bonaparte, gespielt von Daniel Gélin. Weitere Stimmen waren unter anderem Walter Holten für Talleyrand, Eleonore Noelle für Joséphine de Beauharnais, Maria Schell für ihre eigene Rolle Marie-Louise von Österreich, Eva Maria Meineke für Éléonore Denuelle, John Pauls-Harding für Graf von Montholon und Werner Lieven für Barras.
Eine zweite Synchronisation entstand 1971 unter Werner Uschkurat. Hier sprach Hans-Michael Rehberg sowohl Napoleon als auch Bonaparte. Robert Klupp sprach Talleyrand, Eva Pflug Joséphine de Beauharnais, Maria Schell erneut Marie-Louise von Österreich, Karin Kernke Éléonore Denuelle, Gudrun Vaupel Désirée Clary, Horst Naumann Graf von Montholon, Harald Juhnke Marschall Lefebvre und Walter Reichelt Hudson Lowe. Die erste Fernsehausstrahlung dieser Fassung lief am Ostermontag, dem 12. April 1971, um 20.15 Uhr in der ARD.
Bewertungen
Die Kritiken beschrieben den Film vor allem als sehr großes, aufwendig ausgestattetes Geschichtspanorama, bewerteten ihn aber unterschiedlich kritisch. Der Spiegel nannte Guitrys Napoleon-Biographie „patriotisch wie trotzig“, aber kaum geistreich oder unterhaltend. Hervorgehoben wurden Originalschauplätze, nachgeahmte berühmte Gemälde in Eastman-Color und viele Weltstars in sehr kleinen Rollen. Kritisiert wurde, dass vor allem Napoleons Siege gezeigt würden und seine Niederlagen nur von der heroischen Seite. Auch der Wechsel der Hauptrolle vom jungen Bonaparte Daniel Gélin zu Raymond Pellegrin wurde als misslungen beurteilt, weil beide Schauspieler ähnlich alt, aber äußerlich sehr verschieden seien.
Das Lexikon des Internationalen Films bezeichnete den Film als „gewaltiges Fresko“ und als Superproduktion mit vielen damals bedeutenden französischen Schauspielern. Zugleich wurde er als bunt, überlang und stellenweise unfreiwillig komisch beschrieben; für die Originalfassung wird dort eine Länge von 183 Minuten genannt, während die Filmdaten 182 Minuten angeben.
Kay Weniger ordnete Napoleon zusammen mit Versailles – Könige und Frauen in Guitrys historische Bilderbögen der 1950er Jahre ein. Diese Filme seien prachtvoll inszeniert, hätten hohen Schauwert, feierten aber kritiklos Frankreichs Glanz, Glorie und den französischen Imperialismus des 17. bis 19. Jahrhunderts. Jean Loup Passek beschrieb Napoléon ebenfalls als Teil von Guitrys offiziellen Ruhmeswerken jener Zeit, aber auch als schwere, mit vielen Schauspielern besetzte Produktion, die stellenweise an Langeweile grenze.
Lernvideos zu Napoleon (1955)
10:15
Napoleon Bonaparte I Der Aufstieg I musstewissen Geschichte
MrWissen2go Geschichte | Terra X · 1,3 Mio. Aufrufe
6:40
Napoleon und die Deutschen I musstewissen Geschichte
MrWissen2go Geschichte | Terra X · 1 Mio. Aufrufe
18:54
Unbekannter Napoleon - 6 Fakten | Terra X
Terra X History · 998.369 Aufrufe
5:14
Wiener Kongress 1815 - Ziele, Napoleon und die deutsche Märzrevolution
Geschichte - simpleclub · 787.009 Aufrufe