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Mutter Courage und ihre Kinder (1955)
Mutter Courage und ihre Kinder ist ein unvollendeter DEFA-Film von Wolfgang Staudte von 1955, der in Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht nach dessen …
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Film und zentrale Handlung
Mutter Courage und ihre Kinder ist ein 1955 begonnener, unvollendeter DEFA-Film von Wolfgang Staudte. Er sollte in Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht dessen gleichnamiges Drama verfilmen. Die Produktion entstand in deutscher Originalsprache in der DDR und in Schweden; beteiligt waren das DEFA-Studio für Spielfilme und die schwedische Pandora Film Stockholm. Erhalten sind nur 21 Minuten als Fragment.
Im Mittelpunkt steht die Marketenderin Anna Fierling, die Mutter Courage genannt wird. Sie zieht ab 1624 während des Dreißigjährigen Krieges mit ihrem Wagen und ihren drei Kindern mit den schwedischen Truppen durch Finnland und Polen. Als Marketenderin versucht sie, den Krieg für gute Geschäfte zu nutzen. Im weiteren Verlauf verliert sie jedoch zwei ihrer Söhne. Zu den zentralen Darstellern gehörten Helene Weigel als Mutter Courage, Ekkehard Schall als ihr Sohn Eilif, Simone Signoret als Lagerhure Yvette, Bernard Blier als Feldkoch, Erwin Geschonneck als Feldprediger und Sigrid Roth als Kattrin.
Vorgeschichte der Produktion
Bertolt Brecht plante seit 1948 eine Verfilmung seines Dramas Mutter Courage und ihre Kinder. Das Stück war 1938/39 geschrieben und 1941 uraufgeführt worden. Mehrere Versuche mit dem Regisseur Erich Engel scheiterten; Engel zog sich schließlich Mitte 1954 zurück.
Danach wandte sich die DEFA-Studioleitung an Wolfgang Staudte. Er war durch Die Mörder sind unter uns und Der Untertan international bekannt geworden. Staudte war zunächst überrascht, weil er von der engen Verbindung zwischen Engel und Brecht wusste, sagte der Aufgabe aber zu.
Im November 1954 wurden die Verträge mit der DEFA geschlossen. Der Film war die zweite Koproduktion der DEFA mit Pandora Film Stockholm. Die Produktionskosten wurden auf drei Millionen DM veranschlagt. Für die Produktion wurden die bekannten französischen Schauspieler Simone Signoret und Bernard Blier engagiert; Signoret sollte Yvette spielen, Blier eine Nebenrolle. Auch die Kostümentwürfe stammten aus Frankreich. Die Hauptrollen wurden wie in der Brecht-Inszenierung am Theater am Schiffbauerdamm besetzt: Helene Weigel, Brechts Ehefrau, spielte Mutter Courage, Ekkehard Schall ihren Sohn Eilif. Das Drehbuch verfassten Bertolt Brecht und Emil Burri; die Musik komponierte Paul Dessau, die Kamera führte Robert Baberske.
Dreharbeiten und Abbruch
Die Dreharbeiten begannen am 18. August 1955. Schon bald entstanden erhebliche Konflikte zwischen Wolfgang Staudte und Bertolt Brecht über die künstlerische Gestaltung des Films. Staudte wollte eine opulente, publikumswirksame Verfilmung in Farbe schaffen. Brecht bestand dagegen auf seinem kargen Theaterkonzept und auf einer Gestaltung in Schwarzweiß.
Anfang September wurden die Dreharbeiten abgebrochen. Am 8. September erläuterte Staudte seine Sichtweise noch einmal schriftlich. Am 21. September 1955 zog er sich offiziell aus dem Projekt zurück. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1,4 Millionen DM ausgegeben worden. Darin enthalten waren unter anderem ein Honorar von 120.000 DM für Simone Signoret und 80.000 DM für Bernard Blier. Insgesamt lagen 21 gedrehte Minuten vor. Auch Vermittlungsversuche, an denen sich das Politbüro beteiligte, konnten den Konflikt nicht lösen.
Weitere Verfilmungen und Erhalt der Aufnahmen
Nach dem Abbruch blieben weitere Versuche, das Drama zu verfilmen, bis zu Brechts Tod 1956 erfolglos. 1957 wurde eine Fernsehaufzeichnung der Inszenierung am Theater am Schiffbauerdamm hergestellt. Eine DEFA-Verfilmung gelang schließlich 1961 mit Manfred Wekwerth und Peter Palitzsch.
Die Filmaufnahmen aus dem Jahr 1955 wurden bis in die 1960er Jahre an der Filmhochschule Babelsberg als Anschauungsmaterial gezeigt. Danach verschwanden sie. Gegenwärtig sind nur noch einige Szenenfotos, die Drehbücher sowie farbige Szenenbild- und Kostümentwürfe erhalten. Die Entwürfe für Szenenbild und Kostüme wurden um 2020 im Filmmuseum Potsdam ausgestellt.