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Modell (Wirtschaftsinformatik)
Modellierung: Dies umfasst Aktivitäten wie Systemanalyse, Anforderungsanalyse, Softwareentwurf, Spezifikation, Systementwicklung sowie die Erstellung und …
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Grundidee und Bedeutung
Ein Modell in der Wirtschaftsinformatik dient vor allem dazu, reale und soziotechnische Systeme zu beschreiben. Soziotechnische Systeme sind Systeme, in denen Menschen, Organisationen und Technik zusammenwirken. Modelle sind meist abstrakte und reduzierte Darstellungen eines Originals; sie können aber auch konkrete Sachverhalte oder komplexe Zusammenhänge beschreiben.
Wirtschaftsinformatik-Modelle unterscheiden sich von vielen Modellen der Informatik: Sie beziehen sich nicht hauptsächlich auf das formale System einer Software, sondern auf reale betriebliche oder verwaltungsbezogene Prozesse, Objekte, Organisationen und Organisationseinheiten. Besonders wichtig sind höhere Abstraktionsebenen, zum Beispiel Architekturen. Weil die Realwelt nicht ohne die subjektive Leistung des Betrachters erfasst werden kann, werden Modelle der Wirtschaftsinformatik häufig nicht als reine Abbilder, sondern als Konstruktionsergebnis verstanden.
Modellierung in der Systementwicklung
In der Wirtschaftsinformatik bezeichnet der Begriff Modell vor allem verschiedene Modellarten, die den Prozess der Systementwicklung unterstützen. Ein Modell kann das Endziel eines Modellierungsprozesses sein oder als Zwischenprodukt auf dem Weg zur Softwareentwicklung dienen.
Vier Hauptbereiche sind wichtig: Modellierung, Modellierungsmethoden, Modellierungsansätze und Modellierungswerkzeuge. Modellierung umfasst Tätigkeiten wie Systemanalyse, Anforderungsanalyse, Softwareentwurf, Spezifikation, Systementwicklung sowie die Erstellung und Verwendung eines Referenzmodells. Modellierungsmethoden sind Ansätze, Verfahren und Techniken zur Modellbildung, einschließlich Entwurfsmethoden. Modellierungsansätze umfassen Entwurfsprinzipien und Entwurfsstrategien. Modellierungswerkzeuge sind unterstützende Softwaretools, zum Beispiel CASE-Tools.
Modelle helfen dabei, Entwicklungsprozesse zu strukturieren, Anforderungen zu erfassen, Entwürfe zu erstellen und daraus Softwarelösungen zu entwickeln.
Sprache und Darstellung
Die Elemente eines Modells werden mit Begriffen aus der jeweiligen Fachsprache des Anwendungskontexts bezeichnet. Um ein Modell zu verstehen, braucht man daher nicht nur Kenntnisse der Modellierungssprache, also des formalen Aspekts, sondern auch Kenntnisse der Fachsprache, also des natürlichsprachlichen Aspekts. Deshalb spricht man in der Wirtschaftsinformatik häufig von semiformalen Modellierungssprachen und semiformalen Modellen.
Auch Modellklassen sind wichtig. Sie repräsentieren verschiedene Arten von Objekten oder Konzepten innerhalb eines Modells und werden oft mit Begriffen aus dem jeweiligen Anwendungsbereich benannt.
Der Begriff Modell kann in der Wirtschaftsinformatik sowohl das gesamte aufgestellte System einschließlich seiner Semantik meinen als auch die grafische Darstellung eines konkreten Sachverhalts mit definierten Modellelementen. Weitere Bezeichnungen sind Informationsmodell, Organisationsmodell oder fachkonzeptionelles Modell.
Merkmale nach Stachowiak
Herbert Stachowiak stellte 1973 eine Modelltheorie auf. Danach hat ein Modell drei Hauptmerkmale: Abbildungsmerkmal, Verkürzungsmerkmal und pragmatisches Merkmal.
Das Abbildungsmerkmal bedeutet: Modelle sind Modelle von etwas. Sie sind Abbildungen oder Repräsentationen natürlicher oder künstlicher Originale. Dabei können Modell-Attribute Original-Attributen zugeordnet werden; Grundlage ist der mathematische Abbildungsbegriff.
Das Verkürzungsmerkmal bedeutet: Modelle erfassen nicht alle Attribute des Originals, sondern nur diejenigen, die bei der Erschaffung und Benutzung des Modells relevant erscheinen. Ein Modell ist also bewusst reduziert.
Das pragmatische Merkmal bedeutet: Modelle sind ihren Originalen nicht eindeutig zugeordnet. Sie ersetzen ein Original für jemanden, erfüllen ihre Funktion in einer bestimmten Zeit und werden zu einem bestimmten Zweck erstellt. Für das Verständnis eines Modells ist daher wichtig zu fragen: Für wen, wann und wofür wurde es erstellt?
Typische Beispiele
Konkrete Modelltypen für die Unternehmensmodellierung sind zum Beispiel Organigramm, Funktionszuordnungsdiagramm (FZD), Funktionsbaum, Wertschöpfungskettendiagramm (WKD) und Entity-Relationship-Modell (ERM).
Für Geschäftsprozessmodelle, also eine Sicht der Unternehmensmodellierung, nennt der Artikel mehrere Modellierungssprachen: Business Process Model and Notation (BPMN), Petri-Netze, Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK), Aktivitätsdiagramm, Unified Modeling Language (UML), Systems Modeling Language (SysML) und Specification and Description Language (SDL).