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Mise en Scène (Film)

In der Filmanalyse bezeichnet Mise en Scène den kalkulierten Aufbau eines Bildes und teilweise auch die Innere Montage. Wesentlich ist dabei die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Gestaltung des Filmbildes
  3. 3. Bazin: Realismus durch Bildaufbau
  4. 4. Verhältnis von Raum und Zeit
  5. 5. Kluges Kritik am einfachen Abbild

Begriff und Funktion

Mise en Scène bezeichnet im französischen Theater und Kino die Regie. In der Filmanalyse meint der Begriff vor allem den kalkulierten Aufbau eines Filmbildes und teilweise auch die Innere Montage. Entscheidend ist die räumliche Anordnung von Figuren und Gegenständen innerhalb des Bildes. Damit unterscheidet sich die Mise en Scène von der Montage, die Bilder vor allem zeitlich anordnet.

Die Mise en Scène bestimmt, was im Bild sichtbar ist, wo es erscheint und wie die einzelnen Bildelemente miteinander zusammenhängen. Sie kann dadurch die Handlung verständlich machen, Bedeutungen erzeugen und die Wahrnehmung des Publikums lenken.

Gestaltung des Filmbildes

Das Grundprinzip besteht in einem besonders sorgfältigen optischen Bildaufbau nach spieldramaturgischen Kriterien. Das Szenenbild wird dabei beinahe wie ein Gemälde gestaltet. Häufig ist der Bildraum in Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund gestaffelt. Diese räumliche Tiefe wird sowohl für das Erzählen als auch zur Erzeugung von Bedeutung genutzt.

Zur Mise en Scène gehört das gesamte Bildarrangement. Dazu zählen insbesondere:

  • die räumliche Position von Figuren und Dingen,
  • die Farbkomposition und Lichtgestaltung,
  • die Ausstattung des Schauplatzes,
  • Kostüme und Maske,
  • die Führung der Schauspielerinnen und Schauspieler.

Ein Beispiel ist Orson Welles’ Film „Citizen Kane“ (1941). In einer Rückprojektion erscheinen die tödliche Medizin und die Selbstmörderin sowie im Hintergrund eine Tür, durch die der Ehemann das Zimmer betritt. Mehrere für die Handlung wichtige Elemente werden somit gleichzeitig in verschiedenen Tiefenebenen des Bildes angeordnet.

Bazin: Realismus durch Bildaufbau

André Bazin prägte den Begriff der „mise en scène“ in den 1940er und 1950er Jahren für die Filmanalyse. Er stellte dieses Gestaltungsprinzip der in Hollywood etablierten Montage gegenüber. Für Bazin sollte Film eine Wirklichkeitsillusion schaffen; darin sah er den filmischen Realismus.

Die Formalisten des russischen Revolutionsfilms hatten den Filmschnitt als Herzstück realistischen Filmschaffens betrachtet. Bazin verortete den Realitätsanspruch dagegen im Aufbau des einzelnen Bildes. Er bevorzugte lange, in sich gegliederte Einstellungen. Der dramatische Konflikt sollte sich in der Komposition des Filmbildes entfalten, beispielsweise durch eine fließende Kamerabewegung und eine damit koordinierte, ebenfalls flüssige Inszenierung der Handlung. Eine entsprechend lange, zusammenhängende Aufnahme wird als Plansequenz bezeichnet.

Bei der traditionellen Montage wird eine Szene dagegen in eine Kette einzelner Einstellungen „aufgelöst“. Das Publikum muss diese Einstellungen bei der Wahrnehmung wieder zu einer zusammenhängenden „Realität“ zusammensetzen.

Verhältnis von Raum und Zeit

Bazin ordnete die Mise en Scène dem Realismus und die Montage dem Expressionismus zu. Mit Expressionismus meinte er hier nicht die gleichnamige Filmepoche. Seine Begründung war, dass die Montage Zusammenhänge zwischen einzelnen Abbildern herstellt und diese Verknüpfungen als persönlicher Ausdruck des Filmemachers verstanden werden können.

Jean-Luc Godard vertrat eine andere Auffassung. Für ihn war die Montage eine Teilmenge der Mise en Scène: „Montage macht nur das in der Zeit, was die Mise en Scène im Raum macht. Beide sind Organisationsprinzipien.“ Eine Szene zu schaffen bedeute demnach, sowohl Zeit als auch Raum zu organisieren. Mise en Scène ordnet hauptsächlich innerhalb des Raumes, Montage hauptsächlich innerhalb der Zeit. Beide Verfahren können sowohl Aspekte der Realität als auch expressionistische Aspekte darstellen. Die Nouvelle Vague wurde gerade dafür bekannt, Realismus und Expressionismus im einzelnen Bild sowie in der Montage miteinander zu verbinden.

Kluges Kritik am einfachen Abbild

Der Neue Deutsche Film führte diese Überlegungen weiter, besonders durch Alexander Kluge. In seinem Buch „Gelegenheitsarbeit einer Sklavin“ stellte Kluge den Wirklichkeitsgehalt des einfachen filmischen Abbildes infrage. Nach seiner Auffassung erschweren mindestens drei Aspekte die Darstellung von Realität durch Mise en Scène:

  • Das unmittelbare Erleben einer Situation unterscheidet sich grundsätzlich vom Betrachten ihres filmischen Abbildes.
  • Jede gewählte Kameraeinstellung zeigt bestimmte Dinge, blendet dadurch aber zwangsläufig alles andere aus.
  • Etablierte Erzählmuster des Mediums führen dazu, dass das Publikum ein Abbild einseitig und vorhersehbar interpretiert.

Kluge bezeichnete dies als „gegenständliche Situation“ des Materials und erklärte: „Man kann […] nicht einfach sagen, dass der Dokumentarfilm Tatsachen abbildet.“ Um Wirklichkeit darzustellen, sollten einzelne Einstellungen deshalb zu „Formen authentischer Beobachtung“ montiert werden. Damit widersprach Kluge Bazins Systematik: Er betrachtete die Mise en Scène als Ausdrucksmittel und zeigte zugleich, dass auch Montage realistische Möglichkeiten besitzt.

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