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Lycée Français de Vienne
Das Lycée français de Vienne (LFV) ist eine französische Auslandsschule in Wien und wurde 1946 von Général Béthouart gegründet. Es ist eine Privatschule mit …
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Überblick
Das Lycée français de Vienne (LFV) ist eine französische Auslandsschule in Wien. Es wurde 1946 von Général Béthouart gegründet und ist eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht. Träger ist Frankreich; die Schule gehört zum Netzwerk der Agence pour l’enseignement français à l’étranger (AEFE), das 494 Schulen verbindet.
Die Schule umfasst eine französischsprachige Vorschule, Volksschule und ein Gymnasium. Sie hat die Schulnummer 909036 und befindet sich mit Hauptgebäuden in der Liechtensteinstraße 37A in Wien. Im Schuljahr 2025/26 besuchten 1.771 Schüler das Lycée. Die Leitung hatte Sophie Maraux, die Zahl der Lehrkräfte lag bei zirka 180. Mit dem Theresianum teilt sich das Lycée ein Internat.
Entstehung und Entwicklung
Die Schule wurde am 11. Mai 1946 mit 77 Schülern in provisorischen Räumlichkeiten eröffnet. Später zog sie in ein Schulgebäude im Park des Palais Clam-Gallas zwischen Liechtensteinstraße und Währinger Straße im 9. Wiener Gemeindebezirk. Dieses Gebäude wurde unter Mitplanung von Karl Kupsky (1906–1984) errichtet und am 8. Mai 1954 feierlich freigegeben.
Von Beginn an war die Schule gemischt und nahm österreichische, internationale und französische Schüler auf. Auch das „Studio Molière“, das frühere „Fliegerkino“, gehört zu den Räumlichkeiten der Schule.
Am 15. März 1947 schlossen Österreich und Frankreich einen ersten Vertrag, der die Zusammenarbeit in Erziehung, Ausbildung, Universität sowie auf literarischem, wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiet fördern sollte. Ein weiterer Vertrag vom 22. Februar 1952 regelte das Verhältnis zwischen österreichischer Matura und französischem Baccalauréat sowie den Stellenwert des österreichischen und französischen Unterrichts. Dieser Vertrag wurde 1960, 1962, 1968 und zuletzt am 27. Jänner 1983 aktualisiert.
Die Schule wuchs schnell: 1950 hatte sie bereits 500 Schüler, 1953 waren es 1350. Schon damals waren 20 % der Schüler französischer Herkunft. Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchten auch viele jüdische Schüler das Lyzeum, weil die Israelitische Kultusgemeinde Wien zahlreiche jüdische Einrichtungen, darunter Schulen, geschlossen hatte.
Schulstufen und Unterricht
Das Lycée français de Vienne ist nach dem französischen Schulsystem aufgebaut. Dazu gehören die École Maternelle für Kinder im Kindergartenalter mit Standort in Grinzing, die École Élémentaire als Volks- beziehungsweise Grundschule mit Hauptstandort im 9. Bezirk, das Collège als vierjährige Mittelschule und das Lycée als dreijähriges Gymnasium. Collège und Lycée befinden sich ebenfalls im Hauptgebäude im 9. Bezirk.
Die Schule wird wie in Frankreich als Ganztagsschule geführt. Unterrichtssprache ist Französisch. Für österreichische Schüler ist Zusatzunterricht auf Deutsch vom Kindergarten bis zur Matura verpflichtend. Nichtösterreichischen Schülern wird Deutsch ab dem Kindergarten als erste lebende Fremdsprache angeboten. Für englischsprachige Schüler gibt es besonderen Unterricht, der den Besuch einer englischsprachigen Universität ermöglichen soll.
Wer den Zusatzunterricht auf Deutsch belegt, erhält am Ende sowohl das französische Baccalauréat als auch die österreichische Matura. Das Baccalauréat ist der französische Schulabschluss am Ende der Oberstufe, die Matura der entsprechende österreichische Abschluss. Weitere angebotene Sprachen sind Spanisch, Arabisch und Latein.
Fast seit den Anfängen kamen etwa 70 % der Schüler aus Österreich, 20 % aus Frankreich und 10 % aus über 50 anderen Ländern. In jüngerer Vergangenheit stieg der Anteil der Nichtösterreicher auf etwa 40 %.
Aufnahme und Schulalltag
Wegen des großen Andrangs gilt der Besuch des Kindergartens als sicherste Möglichkeit, später einen Platz an der Schule zu bekommen. Für nicht-französischsprachige Kinder wird dieser frühe Einstieg empfohlen und ist ab dem dritten Lebensjahr möglich. Die Einschreibung muss in jedem Fall vor dem zehnten Geburtstag erfolgen.
Für nicht-französischsprachige Kinder zwischen sechs und zehn Jahren, also von der 1. Jahrgangsstufe Volksschule bis zur 1. Jahrgangsstufe AHS, gibt es eine Einstiegsklasse mit höchstens zwanzig Kindern. Dort werden die Voraussetzungen geschaffen, damit die Kinder in den normalen Schulbetrieb eingegliedert werden können. Die Schüler bleiben in ihrer Stammklasse, werden aber nach einem festen Zeitplan für sechs Unterrichtseinheiten pro Woche aus dem Klassenverband geholt.
Der Unterricht beginnt um 8:25 Uhr. Der Vormittagsunterricht dauert bis 12:30 Uhr, der Nachmittagsunterricht beginnt um 13:30 Uhr und kann bis 18:25 Uhr dauern. Eine Unterrichtseinheit umfasst ungefähr 55 Minuten. Vormittags und nachmittags gibt es jeweils eine Pause von 10 Minuten. Am Samstag ist schulfrei.
Durch zusätzlichen deutschsprachigen Unterricht soll auch sichergestellt werden, dass bei Problemen ein Wechsel in eine österreichische Schule möglich bleibt. In einer Bewertung des Magazins Gewinn erreichte die Schule den vierten Platz hinter BG Parhamerplatz, BG Rahlgasse und dem Theresianum.
Schülerzahlen und Standorte
Im Schuljahr 2025/26 besuchten 1.771 Schüler das Lycée français de Vienne. Davon waren 249 im Kindergarten, 649 in der Volksschule und 873 in der Unter- und Oberstufe des Gymnasiums.
Heute befindet sich der Kindergarten in Döbling. Die Volksschule sowie die Unter- und Oberstufe des Gymnasiums sind in den Gebäuden in der Liechtensteinstraße untergebracht.
Bekannte ehemalige Schüler
Zu den bekannten Absolventen des Lycée français de Vienne zählen Personen aus Journalismus, Kultur, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Sport. Im Artikel genannt werden unter anderem Ronald Barazon, Timna Brauer, Arabella Kiesbauer, Ariel Muzicant, Marjane Satrapi, Ben Segenreich, Zoë Straub, Toto Wolff, Jan Marsalek und Marlene Engelhorn.
Die Liste zeigt, dass die Schule viele später öffentlich bekannte Persönlichkeiten hervorgebracht hat. Für das Verständnis der Schule wichtiger als die einzelnen Lebensläufe ist dabei, dass das Lycée langfristig eine bedeutende internationale Bildungseinrichtung in Wien war und ist.