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Litauisches Alphabet

Das litauische Alphabet basiert auf dem lateinischen Alphabet und enthält zusätzliche diakritische Zeichen. Es ist ein weitgehend phonetisches Alphabet, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlage und Zweck
  2. 2. Buchstaben und Aussprache
  3. 3. Alphabetische Ordnung
  4. 4. Diakritische Zeichen
  5. 5. Töne und Betonung
  6. 6. Schreibung und Grammatik

Grundlage und Zweck

Das litauische Alphabet basiert auf dem lateinischen Alphabet und enthält zusätzliche diakritische Zeichen. Es wird ausschließlich zur Schreibung der litauischen Hochsprache verwendet. Für die schemaitische Mundart gibt es eine abgewandelte Form.

Das Alphabet ist weitgehend phonetisch: Die Schreibung orientiert sich also stark an der Aussprache. Trotzdem werden auch grammatische Zusammenhänge und die Verwandtschaft zwischen Wörtern berücksichtigt.

Buchstaben und Aussprache

Das litauische Alphabet enthält neben den lateinischen Grundbuchstaben mehrere besondere Buchstaben mit diakritischen Zeichen, zum Beispiel Ą, Č, Ę, Ė, Į, Š, Ų, Ū und Ž. Viele Buchstaben haben ungefähre deutsche Entsprechungen: č entspricht etwa „tsch“, š etwa „sch“, ž dem französischen j wie in „Jalousie“, c dem Laut [ʦ] wie deutsches z, und v wird ungefähr wie deutsches w gesprochen.

Die Buchstaben ą, ę, į, y, ų und ū bezeichnen lange Vokale: ą [ɑː], ę [æː], į und y [iː], ų und ū [uː]. Ė steht für [eː], o für [oː]. A, e, i und u können dagegen kurz sein, etwa a [ɑ], e [ɛ], i [ɪ] und u [ʊ].

Besonders wichtig ist der Buchstabe i: Er kann den vorangehenden Konsonanten erweichen, also palatalisieren. Steht direkt nach i einer der Vokale a, o oder u, wird das i nicht gesprochen. Die Kombination ia wird wie e gesprochen, ią wie ę, iai wie ei und so weiter. Eine Ausnahme bilden Fremdwörter wie zodiakas [zɔːdʲiˈjæːkɑs].

Die Ausspracheangaben sind nur Richtwerte. Wer ihnen folgt, wird von Litauern ohne Probleme verstanden. Genauere allophonische Varianten, also lautliche Varianten desselben Buchstabens, werden im Artikel zur litauischen Sprache unter Phonetik behandelt.

Alphabetische Ordnung

Einige Buchstaben werden im Alphabet an derselben Stelle eingeordnet: A und ą; e, ę und ė; i, į und y; sowie u, ų und ū. Deshalb können in einem Wörterbuch zum Beispiel inžinierius („Ingenieur“), ypač („besonders“) und įpakuoti („einpacken“) direkt hintereinanderstehen.

Andere Zeichen werden getrennt einsortiert: č steht nach c, š nach s und ž nach z. Deshalb stehen šaka („Ast“) und sakai („Harz“) nicht nebeneinander.

Diakritische Zeichen

Im Litauischen werden mehrere diakritische Zeichen verwendet, also Zusatzzeichen an Buchstaben. Dazu gehören der Hatschek, litauisch paukščiukas, der Ogonek, litauisch nosinė, der Makron, litauisch brūkšnelis, und der Überpunkt, litauisch taškas.

Außerdem gibt es Tonzeichen. Sie zeigen vor allem in Wörterbüchern die Betonung und den Ton eines Wortes an.

Töne und Betonung

Das Litauische kennt drei verschiedene Töne. In Wörterbüchern wird die Betonung meist mit besonderen Zeichen angegeben. Der Gravis ` steht für den kurzen Ton. Der Akut ´, litauisch akūtas, kennzeichnet den Stoßton. Die Tilde ˜ steht für den Schleifton; in der Lituanistik wird sie als Zirkumflex bezeichnet, litauisch cirkumfleksas.

Der Punkt über i bleibt bei diesen Tonzeichen immer erhalten. Liegt der Schleifton auf einem Diphthong, steht die Tilde auf dem zweiten Bestandteil. Als Diphthonge gelten im Litauischen auch Verbindungen eines Vokals mit einem der sonorantischen Konsonanten m, n, l oder r.

Bei il, im, in, ir, ul, um, un, ur sowie ui wird der Stoßton durch den Gravis angezeigt. Bei den anderen Diphthongen steht für den Stoßton der Akut auf dem ersten Bestandteil.

Einige Einschränkungen sind wichtig: A und e sind in unbetonten Silben immer kurz. In betonten Silben treten diese Laute fast immer schleiftönig auf, insbesondere lang. Stoßtöniges é kommt nur in der Vorsilbe pér- vor, wenn danach ein Vokal folgt; sonst ist ér ein Diphthong. Kurzes betontes à oder è findet sich nur in bestimmten grammatischen Endungen, in Vorsilben beim Verb, in geschlossenen Silben im Verbstamm sowie in unflektierten Wortarten wie Interjektionen, Konjunktionen, Präpositionen und Partikeln. In Fremdwörtern ist betontes e meist kurz, etwa in universitètas, kritèrijus und prèsas. Ou und kurzes ò kommen nur in Fremdwörtern vor. Oi erscheint nur in Fremdwörtern, Lehnwörtern, Interjektionen und mundartlichen Ausdrücken.

Schreibung und Grammatik

Die litauische Rechtschreibung folgt hauptsächlich phonetischen Prinzipien, berücksichtigt aber auch die Verwandtschaft von Wörtern. Die Vorsilbe už- wird zum Beispiel in užkandis („Vorspeise“) mit ž geschrieben, obwohl [ˈʊʃkanʲdʲɪs] gesprochen wird. Der Grund ist, dass dieselbe Vorsilbe in užaugti („aufwachsen“) den stimmhaften Laut [ʒ] hat. Der Artikel vergleicht dies mit deutschem Wald, das nicht mit t geschrieben wird, weil man das d in Wälder hört.

Der Ogonek wurde früher nach polnischem Vorbild zur Bezeichnung nasaler Vokale verwendet. Heute markieren ą, ę, į und ų vor allem grammatische Phänomene. Sie stehen zum Beispiel immer in den Endungen des Akkusativ Singular oder des Genitiv Plural. Außerdem erscheinen sie im Stamm solcher Verben, die in manchen Formen ein n oder m hinter dem Vokal einschieben.

Auch die Aussprache spielt eine Rolle: Unbetontes a oder e wird immer kurz gesprochen, ą oder ę dagegen lang. Diese Unterscheidung ist also hörbar. Wörter mit į können verwandte Wörter mit ą oder ę besitzen, was als innere Flexion bezeichnet wird; ein Beispiel ist drįsti („wagen“) und drąsus („tapfer“). Wörter mit dem gleichlautenden y können solche verwandten Formen nicht haben.

Die Unterscheidung zwischen e und ia ist ausschließlich grammatischer Natur. Im Wortstamm wird immer e geschrieben, ebenso in den meisten Suffixen. Die Grundregel für litauische Endungen lautet: e kann nur dort vorkommen, wo eine andere Form ein ė besitzt. Das Suffix -iav- für Präteritumformen und fremdsprachliche Suffixe wie -iacija („-ation“ im Deutschen) sind die einzigen Beispiele, in denen ia nicht in der Endung steht. Der Diphthong [æʊ] wird in Fremdwörtern immer eu geschrieben, in litauischen Wörtern immer iau.

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