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Lehnseid

Grundlegend für das Lehnswesen war der sogenannte Lehnseid, auch Homagialeid. Er musste vom Belehnten (Vasall) sowie vom Lehnsherrn abgelegt werden.

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Ablauf
  2. 2. Gegenseitige Verpflichtungen
  3. 3. Besondere Formen und spätere Entwicklung

Bedeutung und Ablauf

Der Lehnseid, auch Homagialeid genannt, war grundlegend für das Lehnswesen. Er wurde beim Abschluss eines Lehnsverhältnisses abgelegt. Beteiligt waren der Belehnte, also der Vasall oder Lehnsnehmer, und der Lehnsherr. Den gesamten Vertragsabschluss beim Lehnseid bezeichnet man auch als Kommendation.

Der Eid wurde meist in traditionellen Formen geleistet. Im Mittelalter sprach der Lehnsnehmer eine Schwurformel, während er einen Reliquienschrein berührte. Anschließend legte er seine wie zum Gebet aneinandergelegten Hände symbolisch in die Hände des Lehnsherrn.

Gegenseitige Verpflichtungen

Der Lehnseid enthielt ein Treuversprechen des Vasallen gegenüber seinem Herrn. Dazu gehörte auch, dass der Vasall die Folgen eines Treuebruchs akzeptierte.

Auf der Gegenseite versprach auch der Lehnsherr Treue und Schutz gegenüber seinem Lehnsmann. Der Lehnseid war also nicht nur eine einseitige Unterwerfung, sondern begründete gegenseitige Pflichten zwischen Herrn und Vasall.

Besondere Formen und spätere Entwicklung

Bei den höchsten Lehen des Heiligen Römischen Reiches, den sogenannten Fahnlehen der Fürsten, folgte nach dem Eid die Übergabe von Fahnen. Diese Fahnen waren an einen Speer gebunden und trugen die Wappen der verliehenen Länder. Sie wurden durch den römisch-deutschen König oder Kaiser übergeben und galten als Sinnbilder des Heerbanns.

Im Spätmittelalter wurden Belehnung und Treueid durch eine ausgefertigte Urkunde bestätigt. In der Neuzeit konnte eine solche Urkunde den Eid auch ersetzen. Wenn Lehnsherr und Vasall räumlich weit voneinander entfernt waren, konnte der Lehnsherr einen Vertreter bestimmen, vor dem der Lehnseid abzulegen war.

Bildliche Darstellungen des Lehnseids finden sich besonders häufig in spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Chroniken. Ein bekanntes Beispiel ist der Teppich von Bayeux aus dem 11. Jahrhundert: Er zeigt Harald Godwinson, Earl of Wessex und später Harold II. von England, wie er Wilhelm, dem Herzog der Normandie und späteren „Eroberer“, einen Treueid leistet.

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