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Läufigkeit

Als Läufigkeit oder Hitze der Hündin bezeichnet man in der Kynologie bestimmte Phasen des Sexualzyklus bei weiblichen Hunden. Der Begriff ist nicht …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Fortpflanzungsrhythmus
  2. 2. Phasen und typische Merkmale
  3. 3. Ausbleibende, stille und verkürzte Läufigkeit
  4. 4. Verlängerte Läufigkeit und Abklärung

Begriff und Fortpflanzungsrhythmus

Läufigkeit oder Hitze bezeichnet in der Kynologie bestimmte Phasen des Sexualzyklus weiblicher Hunde. Der Begriff ist nicht einheitlich definiert: Er kann den gesamten Abschnitt mit Scheidenausfluss umfassen, also Proöstrus, Östrus und frühen Metöstrus. Er kann aber auch nur Proöstrus und Östrus oder ausschließlich den fruchtbaren Östrus meinen. In dieser fruchtbaren Phase finden die Follikelsprünge statt; die Hündin ist normalerweise paarungsbereit. Diese eigentliche Standhitze ist daher besonders wichtig, wenn eine Bedeckung geplant oder verhindert werden soll.

Die erste Läufigkeit heißt Östrarche. Bei Haushunden ist ihr Beginn sehr unterschiedlich: Sie kann schon mit sechs Monaten auftreten, ein Eintrittsalter von zwei Jahren ist jedoch ebenfalls nicht ungewöhnlich und selten ein Krankheitszeichen. Hunde sind asaisonal-diöstrische Tiere, ihre Läufigkeit hängt also nicht von einer Jahreszeit ab. Das Intervall beträgt meist sechs bis sieben Monate. Kleine Rassen können alle vier Monate läufig werden; Dingos und Basenji zeigen meist nur eine Läufigkeit pro Jahr. Anders als beim Menschen gibt es bei Hunden keine Menopause.

Phasen und typische Merkmale

Die Läufigkeit dauert im Mittel 18 Tage. Dabei entfallen im Mittel jeweils 9 Tage auf Proöstrus und Östrus. Die Dauer unterscheidet sich individuell, bleibt bei demselben Tier ab der zweiten Läufigkeit aber weitgehend konstant.

Im Proöstrus, der Vorbrunst, beginnt ein blutiger Scheidenausfluss. Die Vulva schwillt an. Das Epithel der Vaginalschleimhaut verdickt sich von 2 bis 3 auf 15 bis 20 Zelllagen und ist ödematisiert, also durch Flüssigkeitseinlagerung geschwollen. Die Schleimhaut wird zunehmend blasser und faltig. Rüden finden die Hündin bereits attraktiv, sie ist aber noch nicht deckbereit.

Im Östrus, der eigentlichen Brunstphase, wird der Ausfluss fleischwasserfarben, weil sein Gehalt an roten Blutkörperchen abnimmt. Die Vulvaschwellung geht zurück. Die Vaginalschleimhaut ist blass, pappig beziehungsweise klebrig und schollenartig gefurcht; dies wird „Felderung“ genannt. Jetzt lässt sich die Hündin decken und befindet sich in der Standhitze. Im Blutserum sinkt in dieser Phase die Estradiolkonzentration, während die Progesteronkonzentration steigt.

Im Metöstrus, der Nachbrunst, nehmen Schwellung und Ausfluss deutlich ab. Wegen vieler neutrophiler Granulozyten, einer Art weißer Blutkörperchen, wird der Ausfluss gelblich. Diese leukozytäre Abräumphase dient dem Abbau von Zellmaterial. Im frühen Metöstrus kann die Hündin noch deckbereit sein.

Ausbleibende, stille und verkürzte Läufigkeit

Bleibt die erste Läufigkeit aus, wird dies primäre Anöstrie genannt. Meist liegen Störungen der Hormonkaskade Hypothalamus–Hypophyse–Keimdrüsen zugrunde. Unter den Chromosomenanomalien ist besonders das XX-Reversal bedeutsam: Ein X-Chromosom trägt dabei Erbinformationen, die normalerweise auf dem Y-Chromosom liegen. Dies kann zu Vermännlichung und einer Vergrößerung der Klitoris führen. Eine Rassehäufung ist für American Staffordshire Terrier, Beagle, Amerikanischer Cocker Spaniel, Deutsch Kurzhaar, Zwergpinscher und Norwegischer Elchhund beschrieben.

Bleibt die Läufigkeit später im Leben aus, spricht man von sekundärer Anöstrie. Ursachen können Störungen der Eierstockfunktion oder andere Grunderkrankungen sein. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion fördert ein hoher Thyreoliberin-Spiegel die Prolaktinsekretion. Prolaktin hemmt dann den Beginn eines neuen Zyklus; außerdem wird weniger Luteinisierendes Hormon (LH) gebildet. Auch bei Nebennierenüberfunktion wird weniger LH ausgeschüttet. Fehlt eine andere Grunderkrankung, kann die Läufigkeit mit Cabergolin oder einem GnRH-Analogon ausgelöst werden.

Bei „weißer Läufigkeit“ oder stiller Hitze bilden sich Follikel, ohne dass sichtbare Läufigkeitssymptome auftreten. Eine Vaginalzytologie, also die Untersuchung von Zellen aus der Vaginalschleimhaut, und Progesteronbestimmungen können dann helfen, den Deckzeitpunkt zu bestimmen.

Von verkürzter Läufigkeit spricht man, wenn Proöstrus und Östrus zusammen weniger als zehn Tage dauern. Ein solcher Eindruck kann entstehen, wenn frühe Symptome übersehen wurden. Eine tatsächlich verkürzte Läufigkeit kann jedoch auf eine verringerte Östrogenausschüttung oder eine verminderte Ansprechbarkeit der Östrogenrezeptoren hinweisen.

Ein Läufigkeitsintervall von unter fünf Monaten kann physiologisch durch Kontakt mit einer anderen läufigen Hündin vorkommen. Es kann aber auch durch Gelbkörperschwäche verursacht werden, die auch Hypoluteinismus oder Progesteroninsuffizienz heißt. Sie tritt besonders häufig bei Deutschem Schäferhund, Rottweiler und Berner Sennenhund auf. Als mögliche, nicht gesicherte Auslöser werden Progesteron-Antikörper bei einer Autoimmunerkrankung sowie beim Deutschen Schäferhund ein Prolaktinmangel diskutiert. Prolaktin erhält beim Hund den Gelbkörper. Nach einer Bedeckung in einem verkürzten Zyklus wird eine regelmäßige Kontrolle der Progesteronkonzentration empfohlen, weil Hündinnen ohne Progesteronersatz den Wurf häufig nicht austragen.

Verlängerte Läufigkeit und Abklärung

Eine Läufigkeit von mehr als 28 Tagen gilt als verlängert und kann unterschiedliche Formen haben. Bei verlängertem Proöstrus besteht mehr als drei Wochen blutiger Ausfluss, ohne dass die Hündin deckbereit wird. Ursache ist meist eine gestörte Sekretion gonadotroper Hormone: Gonadoliberin, FSH und LH.

Bei verlängertem Östrus dauert die Deckbereitschaft länger als drei Wochen. Meist springen einzelne Ovarialfollikel nicht. Die hormonellen Imbalancen führen häufig zu einer glandulär-zystischen Hyperplasie des Endometriums, also zu einer drüsig-zystischen Veränderung der Gebärmutterschleimhaut; unter Umständen entsteht auch eine Pyometra.

Beim Split-Östrus beginnt der Proöstrus mit Ausfluss, doch die Hündin ist zunächst nicht attraktiv für Rüden. Der eigentliche Östrus folgt erst Tage bis Wochen später. Im Sexualzyklus entspricht dies einem doppelten Proöstrus, bei dem der erste nicht in einen Östrus übergeht. Diese Form tritt vor allem bei jungen Hündinnen auf.

Durch die östrogenbedingte Ödematisierung kann während der Läufigkeit ein Scheidenvorfall, auch Läufigkeitsprolaps, entstehen. Bei verlängerter Läufigkeit wird ein Differentialblutbild empfohlen. Erhöhte Östrogenspiegel (Hyperöstrogenismus) können das Knochenmark hemmen und damit die Blutbildung beeinträchtigen; zu Beginn verursacht dies vor allem eine Thrombozytopenie, also einen Mangel an Blutplättchen. Zur weiteren Abklärung sind außerdem Vaginalzytologie und eine Sonografie der Eierstöcke sinnvoll, insbesondere um Ovarialzysten und -tumoren zu erkennen.

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