Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Koenig & Bauer

Die Koenig & Bauer AG (früher KBA von Koenig & Bauer-Albert) ist ein Hersteller von Druckmaschinen mit Stammsitz in Würzburg. Das Unternehmen ist nach …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Unternehmen und Bedeutung
  2. 2. Gründung und Entwicklung
  3. 3. Österreichische Entwicklung
  4. 4. Standorte und ehemalige Werke
  5. 5. Produkte und Leistungsentwicklung
  6. 6. Aufgegebene Standorte und Leipziger Spuren

Unternehmen und Bedeutung

Die Koenig & Bauer AG ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Würzburg und stellt Druckmaschinen her. Das Unternehmen wurde 1817 gegründet und bezeichnet sich als ältesten Druckmaschinenhersteller der Welt. Es ist Weltmarktführer beim Druck im Bogenoffset-Großformat, bei Verpackungs-, Zeitungs- und Blechdruck sowie beim Banknotendruck. Für Koenig & Bauer Banknote Solutions wird ein weltweiter Marktanteil von über 80 Prozent angegeben.

Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte das Unternehmen 5.526 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 1.302 Mio. Euro. Vorstandssprecher ist Stephen Kimmich, Aufsichtsratsvorsitzender Raimund Klinkner. Die Aktie war bis Juni 2014 sowie erneut von Juni 2015 bis Juni 2021 im SDAX gelistet.

Der Strukturwandel in der Medienbranche führte seit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2007 zu einem starken Rückgang der Nachfrage nach Maschinen für den Publikationsdruck. Gleichzeitig nahm die Nachfrage nach Maschinen für Verpackungen deutlich zu. Nach Unternehmensangaben entfielen 2016 bereits 70 Prozent der verkauften Neumaschinen auf das Verpackungsgeschäft.

Gründung und Entwicklung

Am 9. August 1817 unterzeichneten der gelernte Drucker Johann Friedrich Gottlob Koenig und der Techniker Andreas Friedrich Bauer in London einen Gesellschaftsvertrag. Damit legten sie den Grundstein für das Unternehmen. Die erste Fabrik entstand im Kloster Oberzell bei Würzburg; 1828 wurde in der ehemaligen Klostermühle der aufgelösten Abtei Münsterschwarzach ein zweiter Standort eingerichtet.

Aus der Fabrik im Kloster Oberzell gingen weitere Druckmaschinenhersteller hervor. Carl August Reichenbach und Carl Buz übernahmen 1844 die Sander’sche Maschinen-Fabrik; das daraus entstandene Werk ging 1898 auf MAN über. Andreas Albert und Andreas Hamm gründeten 1863 in Frankenthal eine Pressenfabrik, aus deren Spezialisierung auf Schnellpressen die heutige Heidelberger Druckmaschinen AG hervorging. Nach Ablauf seines Zehnjahresvertrags gründete Andreas Albert 1873 mit Wilhelm Molitor die Schnellpressenfabrik Albert & Cie. OHG, später Albert-Frankenthal.

Koenig & Bauer nahm im Laufe der Zeit mehrere Druckspezialisten vollständig in den Konzern auf: 1990 Albert-Frankenthal, 1994 PLANETA aus Radebeul, 2003 Bauer und Kunzi für den Blechdruck, 2004 MePrint, 2005 Grafitec, 2006 LTG Mailander, 2013 KAMMANN und Flexotecnica S.p.A. sowie 2015 Iberica AG SA. Die übernommenen Unternehmen erweiterten unter anderem die Bereiche Illustrations- und Akzidenzdruck, Bogenoffset, Blechdruck, Folien- und Kunststoffdruck, Siebdruck, Flexodruck und Stanzen.

Mit der ab 2004 vertriebenen Rapida 205 baute Koenig & Bauer damals die weltgrößte Bogenoffsetdruckmaschine.

Österreichische Entwicklung

1848 gründete Heinrich Löser, ein Neffe Koenigs, eine Maschinenfabrik in Wien. Das Unternehmen wechselte später mehrfach seinen Namen, unter anderem trug es von 1890 bis 1908 die Bezeichnung L. Kaiser’s Söhne. In dieser Zeit wurde der Betrieb an die Gemeindegrenze zwischen Mödling und Maria Enzersdorf verlegt. Seit 1927 hieß die Firma Schnellpressenfabrik Koenig & Bauer Aktiengesellschaft Mödling.

Nach 1945 stand das Werk unter sowjetischer Besatzung und wurde von der USIA verwaltet. 1955 wurde es unter dem Vorstandsvorsitzenden Alfred Schischek wieder privatisiert; sein Sohn Wolfgang Schischek folgte ihm nach. 1967 erhielt die österreichische Niederlassung die Staatliche Auszeichnung und darf seither das Bundeswappen im Geschäftsverkehr führen.

1962 wurde die vollständige Produktion von Simultan-Wertpapierdruckmaschinen aus Würzburg nach Mödling verlegt und dort weiterentwickelt. Im Zuge konzernweiter Restrukturierungen mussten 2014 in Maria Enzersdorf fast 400 von 750 Mitarbeitern das Werk verlassen. Gleichzeitig wurde die Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt.

Standorte und ehemalige Werke

Im Werk Würzburg werden Maschinen für Akzidenz-, Dekor-, Funktions-, Verpackungs- und Zeitungsdruck hergestellt. Der Standort ist auf Rollenoffset- und Digitaldruckmaschinen spezialisiert. Die dortige Gießerei fertigt Zylinder und Gestelle auch für andere Werke. In Würzburg arbeiten etwa 1.700 Mitarbeiter.

Frankenthal produziert vor allem rotationssymmetrische Teile wie Druckwalzen für die Koenig-&-Bauer-Gruppe. Die Koenig & Bauer FT Engineering GmbH entwickelt und betreut Hochleistungs-Falzwerke und erbringt anspruchsvolle Engineering-Leistungen. Der Standort Albert Frankenthal soll zum 31. Mai 2026 geschlossen werden.

In Radebeul bei Dresden werden seit 1898 Druckmaschinen gebaut. Das Werk war früher unter anderem als Dresdner Schnellpressenfabrik und PLANETA bekannt, gehörte in der DDR zum VEB Polygraph Druckmaschinenwerk Planeta Radebeul und wurde ab 1991 privatisiert und in Koenig & Bauer eingegliedert. Heute ist es für Bogenoffsetmaschinen zuständig; ein großer Teil des Umsatzes entfällt auf die RAPIDA-Baureihe. 2024 arbeiteten dort etwa 1.800 Menschen.

Maria Enzersdorf montiert Wertpapierdruckmaschinen für Koenig & Bauer Banknote Solutions und vertreibt in Österreich Bogenoffsetmaschinen. Der Standort besteht seit 1848 und befindet sich seit 1900 in Maria Enzersdorf (Mödling). Nach Unternehmensangaben werden weltweit mehr als 80 Prozent aller Banknoten auf Maschinen des Unternehmens hergestellt. Die Beschäftigtenzahl sank von etwa 700 in Maria Enzersdorf und Ternitz im Jahr 2013 auf 300 im Jahr 2016; 2022 waren dort rund 300 Mitarbeiter, darunter 25 Lehrlinge, tätig.

Produkte und Leistungsentwicklung

Die Produktpalette umfasst Maschinen für Bogenoffsetdruck, Bogenoffset-Großformat, Banknoten- und Wertpapierdruck, Zeitungs- und Akzidenzdruck sowie Blechdruck. Hinzu kommen Rollenoffsetmaschinen, besonders für den Zeitungsdruck, Bogenoffsetmaschinen etwa für Plakate und Verpackungen sowie Wertpapierdruckmaschinen für Stahlstich und Hologrammpressen. Koenig & Bauer Banknote Solutions ist nach den Angaben des Artikels Weltmarktführer bei Gelddruckmaschinen.

Die Entwicklung der Druckleistung zeigt den technischen Fortschritt gegenüber handbetriebenen Pressen. Die Gutenberg-Presse um 1600 erreichte 240 Drucke pro Stunde, die Stanhope-Presse um 1800 480. Von Koenig und Bauer entwickelte dampfbetriebene Maschinen kamen auf 800 Drucke pro Stunde (1812), 1.100 (1813), 2.000 (1814) und 2.400 (1818).

Aufgegebene Standorte und Leipziger Spuren

Zu den ehemaligen Standorten gehörten das Werk Berlin in Berlin-Hakenfelde, in dem zuletzt Rollenwechsler, Einzugwerke und Kühlwalzenständer gefertigt wurden und etwa 120 Mitarbeiter arbeiteten, sowie das Werk Kusel in Rheinland-Pfalz. Ternitz in Niederösterreich wurde 1997 als Werk zur Verchromung von Druckzylindern errichtet, im Oktober 2014 geschlossen und an den steirischen Unternehmer Heinz Ehgartner verkauft.

In Leipzig bestand etwa von 1905 bis etwa 1945 eine Niederlassung in der Grenzstraße 21, der heutigen Ludwig-Erhard-Straße 21. Die drei symmetrisch hintereinander angeordneten Industriegebäude sind von außen denkmalgerecht restauriert. Möglicherweise gab es ein viertes Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg zerstört und verändert wiederaufgebaut wurde. Am historischen Portal befinden sich weiterhin Halbporträts der beiden Unternehmensgründer. Architekt war August Stehmann.

Weiterlesen