Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Kloster der Karmelitinnen vom Vorort Saint-Jacques
Es wurde 1603 in der Rue Saint-Jacques gegründet und wurde das Mutterhaus dieses Ordens für Frankreich. Vor allem Nonnen aus der noblen Schicht fühlten sich …
Inhalt3 Abschnitte
Bedeutung und Standort
Das Kloster der Karmelitinnen vom Vorort Saint-Jacques, französisch „Carmélites du faubourg Saint-Jacques“ und auch „Carmel de l’Incarnation“ genannt, war das erste Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen in Paris. Es wurde 1603 in der Rue Saint-Jacques gegründet und war das Mutterhaus dieses Ordens in Frankreich. Die Unbeschuhten Karmelitinnen folgten dem reformierten Modell der Teresa von Ávila. Besonders Frauen aus dem Hochadel traten in die Gemeinschaft ein.
Das Kloster befand sich gegenüber dem Gebäudekomplex Val-de-Grâce, an der heutigen 284 Rue Saint-Jacques. Sein Gelände reichte teilweise über den heutigen Standort des Lycée Lavoisier bis zur Rue Henri-Barbusse, die damals Rue d’Enfer hieß. Die Koordinaten sind 48° 50′ 28,7″ N, 2° 20′ 23,6″ O.
Gründung und Ausbau
Bereits 1084 besaß das Kloster Marmoutier an dieser Stelle eine Kirche, die später zum Priorat Notre-Dame-des-Champs wurde. 1604 beschloss Catherine d’Orléans, Herzogin von Longueville, dort ein Karmeliterkloster nach dem Modell Teresas von Ávila zu gründen. Das Areal erhielt sie von Kardinal François de Joyeuse.
Barbe Acarie, die im Orden Marie de l’Incarnation hieß, und ihr Vetter Pierre de Bérulle setzten sich beim Papst dafür ein, dass der General der Karmeliter in Spanien sechs Nonnen nach Frankreich schickte. König Heinrich IV. zögerte zunächst, erlaubte dann aber der Familie Guise die Gründung des neuen katholischen Ordens. Die Nonnen trafen am 17. Oktober 1604 in Paris ein. Anne de Jésus und Anne de Saint-Barthélemy gehörten zu ihnen und wurden die ersten Priorinnen.
1617 entstand mit Unterstützung der Herzogin von Longueville und ihres Sohnes, des Herzogs, eine weitere Niederlassung in der Rue Chapon; ihre Kirche wurde 1625 geweiht. Zwischen 1605 und 1668 wurden in Frankreich auf Grundlage der theresianischen Reform mehr als 62 Karmeliterklöster gegründet.
Rolle, Auflösung und erhaltene Kunstwerke
Das Kloster war ein bevorzugter Ort von Marie de Médicis. Philippe de Champaigne, seit 1628 im Dienst der königlichen Familie, wirkte wie Charles Le Brun an seiner Ausstattung mit. Jacques-Bénigne Bossuet hielt dort bedeutende Fastenpredigten.
1676 nahm das Kloster Louise de La Vallière auf, die erste Favoritin König Ludwigs XIV.; später kam auch Madame de Montespan hinzu. Weitere Angehörige des Hochadels suchten dort Buße oder wohnten in der Umgebung. Auf dem Friedhof lagen ihre Körper oder teilweise nur ihre Herzen, etwa das Herz von Anna Maria Martinozzi, Prinzessin von Conti.
Während der Französischen Revolution wurden die Karmelitergemeinden 1790 aufgelöst. Das Kloster wurde geschlossen und 1797 zerstört. Sein Areal wurde durch die Trassen der Rue du Val-de-Grâce und der Rue Pierre-Nicole geteilt. Nach einer Wiederherstellung eines Teils der Gebäude ab 1800 ließ sich die Gemeinschaft 1920 in Clamart nieder. Nach der Zerstörung der Kirche wurden Gemälde Philippe de Champaignes in Museen bewahrt: „Présentation“ im Temple protestant de Dijon, „Résurrection de Lazare“ im Musée de Grenoble und „Assomption de la Vierge“ im Louvre.