Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Klima in Österreich

Das Klima in Österreich wird der feucht-kühlgemäßigten Zone am Nordrand der Subtropen zugeordnet. Nach der effektiven Klimaklassifikation von Köppen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge und räumliche Unterschiede
  2. 2. Nationale Klimaprovinzen
  3. 3. Temperatur und Niederschlag
  4. 4. Schnee, Sonne und Wind
  5. 5. Klimawandel und Klimamessung
  6. 6. Beispiele aus Klimatabellen

Grundzüge und räumliche Unterschiede

Österreich liegt in der feucht-kühlgemäßigten Zone am Nordrand der Subtropen. Nach der effektiven Klimaklassifikation von Köppen & Geiger haben tiefe Lagen sommerwarmes, feuchtes Kontinentalklima. Die mittleren Höhen der Alpen gehören zum subarktischen Gebirgsklima, oberhalb der Baumgrenze reicht das Klima vom alpinen Tundrenklima bis zum Eisklima in vergletscherten Gebieten.

Das Klima unterscheidet sich regional stark, weil die Alpen die Luftströmungen und die Bedingungen auf engem Raum beeinflussen. Im Westen und Norden wirkt das ozeanische Klima mit feuchten Westwinden, im Osten das trockenere kontinentale Klima mit heißen Sommern und kalten Wintern. In den Südalpen bringen Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeerraum viel Niederschlag. Mit zunehmender Seehöhe folgen montanes, alpines und auf Gipfeln nivales Gebirgsklima. Der Alpenhauptkamm ist eine wichtige Klimascheide. Beispiele für Gegensätze sind das sonnenreiche Inntal und das nebelanfällige Klagenfurter Becken sowie der niederschlagsreiche Bregenzerwald und trockene inneralpine Täler der Ötztaler Alpen.

Nationale Klimaprovinzen

Ältere österreichische Veröffentlichungen und Unterrichtsmaterialien teilen das Land vereinfacht in vier nationale Klimaprovinzen ein. Anders als internationale Klimaklassifikationen beruhen ihre Grenzen auf der naturräumlichen Gliederung Österreichs, nicht auf fest definierten thermischen und hygrischen, also temperatur- und feuchtebezogenen, Werten.

  • Alpines Klima: Es prägt den gesamten Alpenraum. Kennzeichen sind kurze, relativ kühle Sommer, lange schneereiche Winter und große Unterschiede zwischen den Höhenstufen.
  • Mitteleuropäisches Übergangsklima: Im Norden Oberösterreichs und Nordwesten Niederösterreichs. Es hat geringe jährliche Temperaturschwankungen, Jahresmitteltemperaturen um 8 °C und Niederschläge zu allen Jahreszeiten mit Sommermaximum.
  • Pannonisches Klima: Im Osten Niederösterreichs und im ganzen Burgenland. Es bringt heiße, trockene Sommer, kalte Winter und ganzjährig geringe Niederschlagsmengen.
  • Illyrisches Klima: In Teilen Kärntens und im Süden der Steiermark. Es hat ebenfalls heiße Sommer und kalte Winter, aber hohe Luftfeuchtigkeit sowie große Regenmengen im Spätsommer und Herbst.

Temperatur und Niederschlag

Angaben zum gegenwärtigen Klima beziehen sich, wenn nichts anderes genannt wird, auf die 30-jährige Normalperiode 1991–2020. Die Jahresmitteltemperatur reicht von über 12 °C in den inneren Bezirken Wiens bis etwa −7 °C auf den höchsten Gipfeln. In dicht besiedelten Niederungen beträgt sie meist 9 bis 11 °C; das Flächenmittel Österreichs liegt bei 7,4 °C. Die Null-Grad-Celsius-Isotherme, also die Höhenlinie mit 0 °C Jahresmitteltemperatur, liegt bei etwa 2400 m Seehöhe.

In Becken, Tälern und Mulden unter 800 bis 1200 m kann im Winterhalbjahr eine Temperaturinversion auftreten: Die Temperatur nimmt dann mit der Höhe zu. Meist sind Jänner und Juli der kälteste beziehungsweise wärmste Monat; im Hochgebirge sind es Februar und August. Im Jänner liegen die Mittelwerte im östlichen Flachland bei 0 bis 2 °C, in etwa 500 m Höhe bei −2 bis 0 °C und in ungefähr 1000 m bei −3 bis −2 °C. Im Juli betragen sie im Osten 21 bis 22 °C, in 500 m Höhe 18 bis 20 °C und in 1000 m 16 bis 18 °C.

Kältepolgebiete liegen wegen Inversionen oft im Lungau, oberen Murtal, mittleren Ennstal, in Unterkärnten oder im oberen Waldviertel. Der Rekord in Niederungen beträgt −36,6 °C in Stift Zwettl (505 m) im Jahr 1929; am Sonnblick-Observatorium (3106 m) wurden 1905 −37,4 °C gemessen. Eine experimentelle Einzelmessung in der räumlich nicht repräsentativen Doline Grünloch bei Lunz ergab im Winter 1932 −52,6 °C. Die höchste österreichische Temperatur betrug 41,2 °C am 5. August 2026 in Bad Deutsch-Altenburg; am 31. Juli 2026 wurden in Wieselburg 40,3 °C als Juli-Rekord gemessen.

Niederschlag nimmt grundsätzlich mit der Seehöhe zu. Außerdem entscheidet die Lage im Luv, der dem Wind zugewandten Seite, oder im Lee, dem Regenschatten, über die Menge. Bei West- bis Nordwestlagen erhalten Bregenzerwald und Nördliche Kalkalpen viel Niederschlag; bei Mittelmeeranströmung gilt dies für Karnische Alpen und Karawanken. In diesen Gebieten sowie in den Hohen Tauern liegen Jahresmengen im Mittel um 2000 mm, örtlich nahe 3000 mm; im mittleren Bregenzerwald erreichen selbst Tallagen 2300 mm. Dagegen fallen im östlichen Waldviertel, Weinviertel, Wiener Becken und Nordburgenland weniger als 600 mm. Retz ist mit knapp unter 450 mm der niederschlagsärmste Ort.

Das österreichische Flächenmittel beträgt etwa 1100 mm Niederschlag im Jahr. Etwas mehr als 60 % fallen von April bis September. Meist ist Juni oder Juli wegen Schauern und Gewittern der niederschlagsreichste Monat. Das Kärntner Lesachtal ist die einzige Ausnahme: Sein primäres Maximum im Oktober entspricht mediterranem Niederschlagsklima.

Schnee, Sonne und Wind

Die Schneemenge hängt vor allem von Seehöhe und Lage zu den Hauptströmungen ab. Unter 1200 m fällt der meiste Schnee im Jänner. In höheren Lagen liegt die schneereichste Zeit wegen milderer, wasserdampfreicher Luftmassen im März und April, in den höchsten Lagen im Mai bis Anfang Juni. Im Flächenmittel fielen 1961–1990 durchschnittlich 3,3 m Neuschnee pro Jahr, bei Krems 0,25 m und am Sonnblick 22 m. Eine ganzjährige Schneedecke beginnt in den Nördlichen Kalkalpen bei 2700 m, in den Hohen Tauern bei 2900 m und in den Ötztaler Alpen knapp über 3000 m.

Winterliche Inversionslagen erzeugen oft zähen Hochnebel. Oberhalb seiner typischen Obergrenze liegen besonders sonnige Orte, etwa Terrassen im Tiroler Mittelgebirge, in den Niederen Tauern, den Eisenerzer Alpen und an der Südabdachung der Kärntner Mittelgebirge: bis zu 2100 Sonnenstunden im Jahr. Neusiedler See, Marchfeld sowie Teile von Weinviertel und zentralem Waldviertel erreichen rund 1850 bis 2100 Stunden. In Nordstaugebieten gibt es oft weniger als 1500 Stunden. Das Flächenmittel der absoluten jährlichen Sonnenscheindauer beträgt 1650 Stunden.

Neben großräumigen, durch Wetterlagen bestimmten Winden sind lokale Berg- und Talwindsysteme wichtig. Sie bilden sich besonders bei schwacher großräumiger Strömung und beeinflussen die Belüftung eines Tales und damit die Luftqualität. Der bekannteste lokale Wind ist der Föhn; bioklimatisch wirkt besonders der Südföhn.

Klimawandel und Klimamessung

Im Juni 2025 erschien der Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel als umfassende systematische Übersicht zum Forschungsstand über Auswirkungen auf Österreich. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts stieg die globale Mitteltemperatur um 1,4 °C, in Österreich um 3,1 °C. Die Erwärmung verlief nicht gleichmäßig, sondern mit Phasen schneller Erwärmung und zwischenzeitlicher Abkühlung.

Starkregen, Dürren und die Zahl der Hitzetage nehmen zu. Seit etwa 1980 steigt auch die Sonnenscheindauer rasch; als ein Grund wird die Nordwärtsverlagerung sommerlicher subtropischer Hochdruckgebiete genannt. Hitzewellen verstärkten sich besonders nach 1980, während Kälteepisoden schwächer wurden. Eine generelle Zunahme der Temperaturschwankungen wurde nicht festgestellt. Auch die zu Überschwemmungen führenden Durchflussmengen der Donau nahmen seit etwa 1830 nicht zu, und die Stürmigkeit nahm seit etwa 1900 nicht zu.

Die Gletscherfläche verringerte sich von etwa 1011 km² im Jahr 1850 auf 470 km² im Jahr 1998. Im Hochgebirge geht Permafrost zurück; dadurch können Schutt- und Felshänge instabil werden. Unter 1000 m Seehöhe sinkt der Schneeanteil am winterlichen Gesamtniederschlag. In Kitzbühel (790 m) war Schneefall in den 1960er-Jahren noch beinahe doppelt so häufig wie Regen; seit etwa 1990 fällt ungefähr gleich viel Regen wie Schnee. Die stärkste Abnahme von Schneemächtigkeit und Tagen mit Schneedecke seit etwa 1900 wurde südlich des Alpenhauptkamms beobachtet.

Für die Klimaforschung sind lange, geprüfte Messreihen entscheidend. Die längste erhaltene österreichische Temperaturreihe beginnt 1767 in Stift Kremsmünster; weitere Reihen bestehen seit 1775 in Wien und seit 1777 in Innsbruck. 1851 wurde die k.k. Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus gegründet, der erste eigenständige Wetterdienst der Welt. Seit 1. Jänner 2023 bilden ZAMG und Geologische Bundesanstalt die GeoSphere Austria. Ihr Netz umfasst etwa 250 Wetterstationen, die die meisten Größen automatisch erfassen. Rohdaten müssen auf Messfehler, Lücken und Inhomogenitäten geprüft werden, bevor sie zur Untersuchung von Klimaänderungen, Trends und Extremwerten verwendet werden dürfen.

Beispiele aus Klimatabellen

Die Tabellen für 1991–2020 verdeutlichen Höhen- und Regionalunterschiede. Wien Hohe Warte (198 m) hat eine Jahresmitteltemperatur von 11,1 °C, 674,4 mm Jahresniederschlag und durchschnittlich 5,6 Sonnenstunden pro Tag. Der kälteste Monatsmittelwert liegt im Jänner bei 0,8 °C, der wärmste im Juli bei 21,4 °C.

Linz erreicht 10,4 °C Jahresmitteltemperatur und 840,7 mm Niederschlag. Innsbruck hat 9,9 °C und 915,8 mm; dort ist der August mit 138,9 mm der niederschlagsreichste Monat. Klagenfurt-Flughafen (450 m) ist mit 9,2 °C im Jahresmittel kühler, erhält aber 945 mm Niederschlag; im August fallen dort im Mittel 131 mm.

Der Hohe Sonnblick zeigt das Hochgebirgsklima besonders deutlich: Die Jahresmitteltemperatur beträgt −4,6 °C, die Jahresniederschlagssumme 1820,7 mm. Selbst im wärmsten Monat August liegt das Temperaturmittel nur bei 3,4 °C; im Februar beträgt es −12,0 °C.

Weiterlesen

Subtropen Bei der Artenvielfalt der Bäume ist die Trennung in aride und humide Räume weniger deutlich: Sie erstreckt sich insgesamt von „sehr gering“ bis „hoch … Tiefdruckgebiet Ein Tiefdruckgebiet (kurz das Tief, auch die Störung) ist ein Teil der Erdatmosphäre mit relativ geringem atmosphärischen Luftdruck. Mittelmeerraum Der Mittelmeerraum, auch Mediterraneum genannt, ist die Großregion rund um das Mittelmeer. Historische Karte des Mittelmeerraums aus dem Jahr 1891 … Klima Das Klima ist der mit meteorologischen Methoden ermittelte Durchschnitt der dynamischen Prozesse in der Erdatmosphäre: als Zusammenfassung der … Alpen Die Alpen sind das höchste Hochgebirge in Europa. Sie erstrecken sich in einem 1200 Kilometer langen und zwischen 150 und 250 Kilometer breiten Bogen vom … Montane Höhenstufe submontan = Waldsteppe (Übergangslebensraum von der Steppe zum Laubwald) · tiefmontan = Sommergrüner Laubwald · (mittel)montan = Laub-Nadelmischwald · hochmontan ( … Alpine Höhenstufe Nach einer Untersuchung von Christian Körner und anderen sind 2,24 % der Landoberfläche (ohne Antarktika) der alpinen Höhenstufe zuzurechnen; das sind rund 18 % … Föhn Der Föhn oder Föhnwind ist ein warmer trockener Fallwind, der häufig auf der der Windrichtung abgewandten Seite – der Leeseite – von größeren Gebirgen … Klimaklassifikation Eine Klimaklassifikation ist die Festlegung bestimmter Klimatypen („feucht-gemäßigtes Jahreszeitenklima“, „trocken-heißes Subtropenklima“, … Alpines Klima (Österreich) Das Alpine Klima oder Alpenklima ist eine der vier nationalen Klimaprovinzen Österreichs, die charakteristisch für das zentrale Hochgebirge der Alpen ist. Höhenstufe (Ökologie) Höhenstufen der Vegetation an einem Berg in den Alpen (Olperer): von unten nach oben: hochmontane, subalpine, alpine, subnivale und nivale Stufe. Die … Effektive Klimaklassifikation Eine effektive Klimaklassifikation ist die Gliederung der Erde in Regionen mit vergleichbaren Klimaverhältnissen, indem lokal ermittelte Daten verschiedener …