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Kandinsky Music Painter
Kandinsky Music Painter (KMP) ist eine Musiksoftware zur graphischen, partitur-orientierten Komposition, Bearbeitung und Analyse musikalischer Strukturen, …
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Überblick
Kandinsky Music Painter (KMP) ist eine Musiksoftware für grafische, partitur-orientierte Komposition, Bearbeitung und Analyse musikalischer Strukturen. Die erzeugten Strukturen können über MIDI hörbar gemacht werden. MIDI ist eine digitale Norm zur Übertragung musikalischer Steuerdaten, zum Beispiel Tonhöhen oder das Signal „note on“ für den Beginn eines Tons.
Entwickelt wurde KMP von Frank Rein und Clemens von Reusner in den Jahren 1987 bis 1989 für den Einsatz in Schulen und Hochschulen. Das Programm läuft unter TOS auf ATARI-Computern, zum Beispiel Atari 1040 STE oder Falcon, mit mindestens ein MiB RAM, Schwarz-Weiß-Monitor sowie einem MIDI-Keyboard oder MIDI-Expander beziehungsweise Soundmodul. Die Software ist proprietär; eine eingeschränkte gemeinfreie Version ist verfügbar. Sie ist deutschsprachig.
Grundidee und Darstellung
Die zentrale Idee von KMP ist die Verbindung von musikbezogener Datenverarbeitung über MIDI mit dem Zeichnen grafischer Strukturen am Bildschirm. Derselbe digitale Code wird zugleich optisch als Bildpunkt und akustisch als MIDI-Ereignis genutzt.
Ein Pixel, also ein einzelner Bildpunkt, ist dabei die kleinste Einheit in einem x-y-Koordinatensystem. Die y-Achse steht für die Tonhöhe: ein hoher Ton liegt oben, ein tiefer Ton unten. Die x-Achse steht für Tondauer beziehungsweise Einsatzzeitpunkt: ein langer Ton wird durch mehrere Punkte hintereinander dargestellt. MIDI-seitig sind 128 Tonhöhen codiert, was etwa zehneinhalb Oktaven entspricht.
Klang und Bearbeitung
Die grafische Zeichenfläche wird zur Klangerzeugung von links nach rechts oder umgekehrt abgetastet. Dabei werden die gezeichneten Strukturen in Töne umgesetzt. Einstellbar sind die Geschwindigkeit der Ton- und Bildausgabe, das Klangprogramm des Synthesizers und die Dynamik. Dynamik bezeichnet hier die Lautstärke beziehungsweise Anschlagsstärke und wird über den MIDI-Parameter Velocity im unteren Arbeitsbereich verändert.
Zum Zeichnen im oberen Arbeitsfeld bietet KMP Werkzeuge, die aus Grafikprogrammen bekannt sind: Freihandzeichnen, Sprühdose, Gerade, Cluster, Bézierkurve, Sinuskurve und Ellipse. Ein Cluster ist in der Musik eine dichte Häufung nahe beieinanderliegender Töne. Für Feinarbeit gibt es Lupe und Radiergummi.
Funktionen und Verfügbarkeit
Mit Blockfunktionen können Teile einer Zeichnung kopiert, verschoben oder gespiegelt werden. Das Programm kann außerdem mithilfe von Zufallsfunktionen selbst Strukturen erzeugen; deren Parameter sind veränderbar. Standard-MIDI-Files und Grafikdateien können importiert und exportiert werden. Auch der Ausdruck von Partituren ist möglich. Im unteren Arbeitsfenster kann ein Linienzug den dynamischen Verlauf darstellen.
Die Vollversion von Kandinsky Music Painter wird nicht mehr vertrieben. Eine PD-Version mit eingeschränktem Funktionsumfang ist im Internet verfügbar. Programme für die Atari-STE-Serie können mit dem Emulator Steem auf heutigen PCs ausgeführt werden.