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Jens Westemeier
Jens Westemeier (* 1966 in Bad Berleburg) ist ein deutscher Offizier und Historiker mit Schwerpunkt Militärgeschichte. Westemeier besuchte bis zum Abitur …
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Person und Bedeutung
Jens Westemeier (* 1966 in Bad Berleburg) ist ein deutscher Offizier und Historiker. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt auf Militärgeschichte, besonders auf dem Zeitalter der Weltkriege, dem Nationalsozialismus und dem Kalten Krieg.
Er ist für die historische Forschung vor allem deshalb relevant, weil er zur Waffen-SS, zur Wehrmacht und zu Biografien von Personen aus dem Umfeld des Nationalsozialismus gearbeitet hat. Ein wichtiger Punkt seiner wissenschaftlichen Entwicklung ist, dass er frühere unkritische Einschätzungen zu Joachim Peiper, dem ehemaligen Adjutanten Heinrich Himmlers, später revidierte.
Ausbildung und militärischer Hintergrund
Westemeier besuchte bis zum Abitur 1987 das Johannes-Nepomuk-Gymnasium Rohr i.NB. Danach war er Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr. Heute ist er Oberstleutnant der Reserve.
Er war außerdem OSZE-Beobachter. Auslandseinsätze führten ihn in den 1990er und 2000er Jahren nach Jugoslawien, in den Kosovo und nach Afghanistan. Diese Angaben zeigen, dass seine Beschäftigung mit Militärgeschichte nicht nur akademisch, sondern auch durch eigene militärische Erfahrung geprägt ist.
Wissenschaftliche Laufbahn
Westemeier studierte Geschichte und Politische Wissenschaften an der Universität Regensburg und schloss 1997 mit dem Magister Artium ab. Danach war er unter anderem am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr tätig.
2009 wurde er an der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam am Lehrstuhl für Militärgeschichte / Kulturgeschichte der Gewalt zum Dr. phil. promoviert. Seine Dissertation trug den Titel „Himmlers Krieger. Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit“ und erschien in der Reihe „Krieg in der Geschichte“. Gutachter waren Bernhard R. Kroener als Doktorvater und Bernd Wegner.
2012 erhielt Westemeier für diese Arbeit den Werner-Hahlweg-Preis, 2. Preis. Sven Felix Kellerhoff bezeichnete die Studie als „brillante[] biografische[] Studie“. Nach Bastian Hein sei man mit diesem Werk „künftig gegen jede Mythenbildung um die Waffen-SS immunisiert“.
Forschung und öffentliche Aufgaben
2014 wurde Westemeier Lehrbeauftragter am Potsdamer Historischen Institut. Im selben Jahr erhielt er von der Universitätsleitung der Universität Konstanz unter Rektor Ulrich Rüdiger den Auftrag, eine wissenschaftliche Dokumentation zur politischen Vergangenheit des Romanisten Hans Robert Jauß zu erstellen. Diese erschien 2015 im Konstanzer Online-Publikations-System. Eine erweiterte Buchfassung erschien später bei der Konstanz University Press und wurde von der Fachwelt positiv aufgenommen.
Westemeier nahm zu diesem Thema auch an einer Gesprächsrunde mit Didi Danquart, Ottmar Ette, Maurice Olender und Thomas Sparr im Centre Marc Bloch in Berlin teil.
Er ist Mitglied des Arbeitskreises Militärgeschichte. Für diesen organisierte er die Tagung „So war der deutsche Landser“ – Die populärwissenschaftliche Darstellung der Wehrmacht mit. Vorträge hielt er unter anderem beim Deutschen Komitee zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs, beim Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung, bei den Berliner Colloquien zur Zeitgeschichte, beim Hamburger Institut für Sozialforschung und beim Aachener Kompetenzzentrum Wissenschaftsgeschichte. Als Rezensent veröffentlichte er in Fachzeitschriften wie der „Militärgeschichtlichen Zeitschrift“ und der „Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“ sowie bei H-Soz-Kult.
Wichtige Veröffentlichungen
Zu Westemeiers ausgewählten Schriften gehören mehrere Monografien, Dokumentationen und Sammelbandbeiträge. Seine frühen Arbeiten behandeln Joachim Peiper und die Waffen-SS, darunter „Joachim Peiper (1915–1976). SS-Standartenführer. Eine Biographie“ von 1996 und „Himmlers Krieger. Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit“ von 2014.
Ein weiterer Schwerpunkt sind Arbeiten zu Hans Robert Jauß: 2015 erschien die wissenschaftliche Dokumentation „Jugend, Krieg und Internierung. Hans Robert Jauß, 12.12.1921 Göppingen – 01.03.1997 Konstanz“, 2016 folgte die Buchfassung „Hans Robert Jauß. Jugend, Krieg und Internierung“.
Westemeier arbeitete außerdem an Veröffentlichungen zu Medizin und Nationalsozialismus mit, etwa an „Die Ärzte der Nazi-Führer. Karrieren und Netzwerke“ von 2018 und an „Zahnärzte und Zahnheilkunde im ‚Dritten Reich‘. Eine Bestandsaufnahme“, ebenfalls 2018.
Weitere Beiträge behandeln unter anderem die „Leibstandarte SS Adolf Hitler“, die „Junkerschulgeneration“, das Allied National Prison Werl, ehemalige SS-Funktionäre im jungen Internationalen Bund, den Zahnarzt in der Waffen-SS, Hans Wolfgang Sachs sowie die Erinnerungen des Zwangsarbeiters Piet Reijnen bei der Ufa.