Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Ismail Khatib

Der ehemalige Widerstandskämpfer für ein freies Palästina erlangte 2008 internationale Bekanntheit, nachdem er die Organe seines verstorbenen elfjährigen Sohnes …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Herkunft und politischer Hintergrund
  3. 3. Ahmed Khatib und die Organspende
  4. 4. Friedenspreis und heutige Tätigkeit

Person und Bedeutung

Ismail Khatib, auch Ismael Khatib, ist ein palästinensischer Pädagoge und ehemaliger Widerstandskämpfer für ein freies Palästina. Internationale Bekanntheit erlangte er 2008, nachdem er die Organe seines verstorbenen elfjährigen Sohnes Ahmed zur Transplantation freigegeben hatte. Die Organe wurden sechs Kindern mit israelischer Staatsangehörigkeit eingepflanzt. Khatibs Entscheidung wurde als menschliche Geste verstanden, die religiöse und nationale Grenzen im Nahostkonflikt überschreitet.

Sein Leitgedanke war, dass Kinder keine religiöse oder nationale Identität hätten und solche Unterschiede für sie keine Rolle spielten, weil sie unschuldig seien.

Herkunft und politischer Hintergrund

Ismail Khatib wurde am 27. Dezember 1965 in Dschenin geboren. Seine Eltern waren palästinensische Flüchtlinge aus Haifa. Er wuchs in einem Flüchtlingslager in Dschenin auf, das auf Englisch Jenin genannt wird.

Nach einer Ausbildung zum Automechaniker schloss er sich dem Widerstand gegen die israelische Besatzung an und nahm an der 1. Intifada teil. Nach Vorwürfen seines Vaters zog er sich jedoch aus dem allgemeinen Gewaltgeschehen zurück.

Im Jahr 2005 lebte Khatib mit seiner Frau Abla und ihren fünf Kindern in einem Flüchtlingscamp in Dschenin. Er versuchte, seinen Lebensunterhalt zunächst als Kleidungsverkäufer und später verschiedentlich als Automechaniker zu verdienen. Diese beruflichen Versuche scheiterten nach seiner Auffassung wegen des Besatzungszustands seiner Heimatstadt Jenin.

Ahmed Khatib und die Organspende

Im Jahr 2005 wurde Ahmed Khatib bei einem israelischen Militäreinsatz durch Schüsse eines israelischen Soldaten lebensgefährlich verletzt. Der Junge war fälschlicherweise für einen palästinensischen Angreifer gehalten worden, weil er ein Spielzeuggewehr bei sich trug. Obwohl er sofort in ein Krankenhaus nach Haifa gebracht wurde, konnten die Ärzte sein Leben nicht retten.

Ein Krankenpfleger fragte die Familie, ob sie bereit sei, die Organe ihres Kindes zu spenden. Daraufhin gab die Familie zunächst Lunge, Nieren und Leber und später auch das Herz zur Transplantation frei. Die Organe konnten an sechs Kinder weitergegeben und transplantiert werden. Alle Empfänger waren Kinder mit israelischer Staatsangehörigkeit und gehörten unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften an.

Die Entscheidung machte Khatib international bekannt und löste große Beachtung aus. Die deutsche Dokumentarfilmer Marcus Vetter und der israelische Filmemacher Leon Geller beschlossen 2007, eine Dokumentation über die Ereignisse zu drehen. Der Film Das Herz von Jenin erschien 2008 und erzeugte ein breites internationales Medienecho. Er wurde anschließend mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter 2010 mit dem Deutschen Filmpreis als Bester Dokumentarfilm.

Friedenspreis und heutige Tätigkeit

Am 22. September 2010 erhielten Ismail Khatib und seine Frau Abla in Wiesbaden den mit 25.000 Euro dotierten Hessischen Friedenspreis der Albert-Osswald-Stiftung. Ausgezeichnet wurden die Organspende ihres Sohnes an israelische Kinder und die damit verbundene Friedensgeste über die Grenzen verschiedener Religionen hinweg.

Überreicht wurde der Preis vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und dem hessischen Landtagspräsidenten Norbert Kartmann. Die Laudatio hielt Avi Primor, ein ehemaliger israelischer Botschafter in Deutschland. Die Preisvergabe an die Familie Khatib war ein Novum, weil der Preis zuvor ausschließlich an bereits öffentlich bekannte Personen vergeben worden war.

Heute leitet Ismail Khatib das „Cuneo Center for Peace“ in Jenin. Außerdem war er Mitbetreiber des 2010 wiedereröffneten Cinema Jenin.

Weiterlesen