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Isar-Amper-Klinikum München-Ost

↑ Sekundärquelle: Informationstafel im Psychiatriemuseum Haar; Primärquelle: Jahresbericht 1906/1907; ↑ Petra Stockdreher: Heil- und Pflegeanstalt Eglfing …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Profil und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Ausbau bis 1931
  3. 3. Verbrechen während des Nationalsozialismus
  4. 4. Nachkriegszeit und Aufarbeitung
  5. 5. Das Klinikum heute
  6. 6. Bauensemble und Museum

Profil und Bedeutung

Das Isar-Amper-Klinikum München-Ost ist ein psychiatrisches und neurologisches Fachkrankenhaus in Haar bei München. Bis Ende 2006 hieß es Bezirkskrankenhaus Haar. Träger sind die Kliniken des Bezirks Oberbayern (kbo); offiziell lautet der Name kbo-Isar-Amper-Klinikum Region München. Das Klinikum ist akademisches Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Das Krankenhaus behandelt Menschen mit psychischen und neurologischen Erkrankungen. Zu den Fachbereichen gehören Gerontopsychiatrie, Forensische Psychiatrie, Neurologie, Suchttherapie und Psychotherapeutische Medizin. Die forensische Psychiatrie versorgt Straftäter im Maßregelvollzug.

Das Klinikum beschäftigt über 2800 Menschen und ist damit der größte Arbeitgeber in Haar. Im Text werden knapp 1200 Betten für 2025 genannt; davon entfielen 385 Betten auf den Maßregelvollzug (Stand 2023). Die Infobox nennt 1100 Betten. Damit gehört das Klinikum zu den größten psychiatrischen Einrichtungen Deutschlands.

Entstehung und Ausbau bis 1931

Ende des 19. Jahrhunderts war die Irrenanstalt an der Auerfeldstraße in München-Giesing überfüllt. Deshalb wurde 1898 ein Neubau mit 1000 Betten geplant. Zwischen 1901 und 1905 entstand nahe Haar auf dem angekauften Gelände des Weilers Eglfing eine neue Anstalt im damals üblichen Pavillonstil.

Die Planungsgrundlage stammte vom Psychiater Friedrich Vocke. Die einheitliche Anlage im Jugendstil wurde weitgehend von Carl Freiherr von Harsdorf aus Bamberg und Adolf Stauffer aus Rosenheim ausgeführt. Die Oberbayerische Kreisirrenanstalt Eglfing bot bei ihrer Eröffnung Platz für etwa 1200 Kranke. Das Gelände umfasste 100 Hektar mit 60 Gebäuden, darunter 30 Pavillons und 46 Krankenstationen sowie Dienstwohnungen und Diensthäuser. Die offizielle Eröffnung fand am 12. Juli 1905 statt; die Patienten aus Giesing wurden innerhalb eines Monats überführt. Die Unterbringung erfolgte getrennt nach Geschlechtern und nach dem Schweregrad der Krankheit.

Zur Versorgung gehörten ein eigener, aus Grundwasser gespeister Wasserturm und eine Rieselfeldanlage für die Abwässer. Eine Koch- und Waschküche wurde von 190 „ruhigen Frauen“ aus den Reihen der Patientinnen betrieben. Nach der Hausordnung von 1912 wurde Leibwäsche alle 8 Tage und Bettwäsche alle 4 Wochen gewechselt.

1907 nahm eine E-Lok der Siemens-Schuckert-Werke AG den Betrieb auf. Sie verband den Bahnhof Haar mit dem Heizkraftwerk der Anstalt und bildete die kürzeste Gleisanlage der Deutschen Bundesbahn. Ihre letzte Fahrt fand 1969 statt.

Bereits 1909 war Eglfing mit 1350 Betten voll belegt und nicht mehr erweiterungsfähig. Deshalb wurde 1912 auf dem angrenzenden Gelände die Oberbayerische Kreisirrenanstalt Haar mit etwa 900 Betten eröffnet. 1931 wurden beide Anstalten zur Oberbayerischen Kreis-Heil- und Pflegeanstalt zusammengelegt.

Verbrechen während des Nationalsozialismus

Während der Zeit des Nationalsozialismus war Eglfing-Haar an den nationalsozialistischen Krankenmorden beteiligt. Im Rahmen der Aktion T4 wurden mindestens 2025 Menschen mit psychischer oder körperlicher Behinderung in die NS-Tötungsanstalten Grafeneck und Hartheim bei Linz deportiert und dort ermordet. Andere Angaben sprechen von über 2400 aus Eglfing-Haar deportierten Pfleglingen.

Nach der Aktion T4 wurden weitere Tötungsmaßnahmen durchgeführt. Aufgrund des Hungerkost-Erlasses vom November 1942 richtete man zwei sogenannte „Hungerhäuser“ ein. Ausgesonderte Patienten erhielten Gemüse, Kartoffeln und täglich eine Scheibe Brot. Von Ende 1942 bis Mitte 1945 starben vermutlich 444 Patienten an den Folgen dieser Ernährung. In einzelnen Fällen wurden überdosierte Schlafmittel verabreicht, um den Tod zu beschleunigen.

Außerdem gab es eine „Kinderfachabteilung“ für Kinder mit erb- und anlagebedingten schweren Leiden. Die seit 1939 registrierten Kinder wurden systematisch durch Nährstoffentzug ausgehungert. Mindestens 332 Kinder wurden durch überdosierte Medikamente, meistens Luminal, getötet.

Der ärztliche Direktor Hermann Pfannmüller war als T4-Gutachter tätig. In der von Hans Schleussing geleiteten Prosektur des Münchener KWI für Psychiatrie in Eglfing-Haar wurden Organe von Kindern untersucht, die 1942 bei Impfexperimenten in Irsee qualvoll gestorben waren. Gleichzeitig setzte Anton von Braunmühl in der Klinik die damals neuen Schocktherapien ein. Ein Mahnmal auf dem Klinikgelände erinnert heute an die Opfer der Euthanasie während des NS-Regimes.

Nachkriegszeit und Aufarbeitung

Nach 1945 wurden drei Anstaltspflegerinnen wegen der in Eglfing-Haar begangenen Morde zu jeweils 2 Jahren und 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Anstaltsleiter Hermann Pfannmüller erhielt 1949 eine sechsjährige Gefängnisstrafe; Internierungs- und Untersuchungshaft wurden angerechnet.

Gerhard Schmidt, der im Nationalsozialismus als „unbelastet“ galt, scheiterte mit seinen Versuchen, die Zeit vor 1945 innerhalb und außerhalb der Klinik aufzuarbeiten, und wurde 1946 als Klinikleiter abberufen. Er dokumentierte die Verbrechen später in dem Standardwerk „Selektion in der Heilanstalt 1939–1945“, das 1965 erschien. 2023 benannte das Klinikum einen zentralen Platz nach ihm.

Anton von Braunmühl, der bereits vor 1945 eine führende ärztliche Position innehatte, wurde im August 1946 Direktor der Heil- und Pflegeanstalt und blieb es bis zu seinem Tod am 12. März 1957. Das Klinikum und der Bezirk Oberbayern begannen erst in den 1990er-Jahren schrittweise mit der Aufarbeitung der Aktion T4.

In den 1950er-Jahren erreichte die Belegung mit etwa 3000 Betten ihren Höchststand. 1956 wurde die Einrichtung in Nervenkrankenhaus Haar bei München des Bezirks Oberbayern umbenannt, 1970 in Bezirkskrankenhaus Haar. Bis 1970 waren große Schlafsäle üblich; spätere Um- und Neubauten erhielten kleinere Pflegeeinheiten mit höchstens drei Betten.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte das Klinikum eine wohnortnahe und dezentrale Versorgungsstruktur. Für 2025 werden dreizehn Standorte im Stadtgebiet München genannt.

Das Klinikum heute

Das Klinikum konzentriert sich seit der Aufgabe des früheren Klinikgeländes Haar II im Jahr 2017 auf Haar I. Zu den Außenstellen gehören das Atriumhaus in der Bavariastraße in München, die Klinik Nord, eine Tagesklinik und Institutsambulanz in Berg am Laim, eine Ambulanz im kbo-Kinderzentrum Klinikum Schwabing sowie Kliniken, Tageskliniken und Ambulanzen in Fürstenfeldbruck und Dachau.

Zum Fachkrankenhaus gehören eine eigene Werkfeuerwehr und ein Teleskopgelenkmast. Dieser kann im Gegensatz zu einer Drehleiter direkt an Objekten aufgesetzt werden. Trotz der vergleichsweise kleinen Fläche des Geländes verzeichnet die Werkfeuerwehr durchschnittlich mehr als 100 Einsätze pro Jahr.

Als Lehrkrankenhaus verfügt das Klinikum über eine Bibliothek mit den Schwerpunkten Psychiatrie, Psychologie und Neurologie. Für 2016 werden etwa 32.000 Medieneinheiten angegeben. Geschäftsführer ist seit dem 1. April 2024 Nicolas von Oppen als Nachfolger von Franz Podechtl. Brigitta Wermuth leitet nach dem Ausscheiden von Pflegedirektor Hermann Schmid im August 2020 den Pflegebereich. Ärztlicher Direktor ist seit dem 1. November 2016 Peter Brieger.

2022 kam es zu einem Vorfall, bei dem ein Patient eine Mitpatientin ermordete.

Bauensemble und Museum

Das Klinikgelände besitzt eine besondere baugeschichtliche Bedeutung. Mehr als 100 Gebäude sind in der Bayerischen Denkmalliste als Baudenkmäler aufgeführt. Dazu gehören die 1905 errichtete katholische Kirche St. Raphael, die evangelische Anstaltskapelle, das von Gabriel von Seidl entworfene Direktionsgebäude, ein zur Eigenversorgung und Arbeitstherapie errichteter Gutshof sowie der Wasserturm südlich der parkähnlichen Gesamtanlage.

Im ersten Stock der früheren Direktorenvilla, Haus 76, befindet sich ein Psychiatriemuseum. Es umfasst 130 Quadratmeter, sechs Räume und mehrere Durchgänge. Das Museum wurde 2005 zum hundertjährigen Bestehen der Anstalt gegründet.

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