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Ingrid Bauer (Historikerin)
Ingrid Bauer (* 9. Oktober 1954 in Zell am See) ist eine österreichische Historikerin mit den Schwerpunkten Zeitgeschichte, Kulturgeschichte sowie Frauen- …
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Profil und Forschungsschwerpunkte
Ingrid Bauer (* 9. Oktober 1954 in Zell am See) ist eine österreichische Historikerin. Ihre Arbeit verbindet Zeitgeschichte und Kulturgeschichte mit Frauen- und Geschlechtergeschichte. Inhaltlich beschäftigt sie sich besonders mit Frauen- und Geschlechtergeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, der Kulturgeschichte von Liebe und Sexualität, österreichischer Zeitgeschichte sowie Geschichte als biografischer Erfahrung. Zu ihren häufig behandelten Themen gehören Frauenarbeit, Geschlechterverhältnisse, die amerikanische Besatzung Österreichs nach 1945, Besatzungskinder und die gesellschaftliche Fürsorgeerziehung.
Ausbildung und wissenschaftliche Laufbahn
Bauer studierte Geschichte, Germanistik und Publizistik an der Universität Salzburg. 1979 schloss sie das Studium mit einer zeitgeschichtlichen Magisterarbeit bei Erika Weinzierl ab. Darin untersuchte sie am Beispiel der österreichischen Familienrechtsreform, wie sich die Rollen von Männern und Frauen in Familie und Gesellschaft verändert hatten.
1988 promovierte sie zum Dr. phil. Grundlage war eine Oral-History- und Arbeiterinnen-Pionierstudie über Frauenleben und Frauenarbeit an der gesellschaftlichen und geografischen Peripherie. Oral History bezeichnet die historische Forschung anhand mündlich erzählter Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Im Mittelpunkt der Studie standen die als „Tschikweiber“ bezeichneten Zigarrenfabriksarbeiterinnen von Hallein.
Seit 1981 arbeitete Bauer als wissenschaftliche Mitarbeiterin, unter anderem an Projekten des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes und beim Karl-Steinocher-Fonds zur Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung. Ab 1986 lehrte sie Frauen- und Geschlechtergeschichte an den Universitäten Innsbruck, Linz, Klagenfurt und Wien.
1991 übernahm sie die wissenschaftliche Leitung der Salzburger Forschungsstelle des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Gesellschafts- und Kulturgeschichte Linz–Graz–Salzburg. Dort baute sie den Schwerpunkt Historische Frauenforschung auf. 2001 habilitierte sie sich an der Universität Salzburg mit einer Schrift über geschlechtergeschichtliche Perspektivierungen der Historie. Die Habilitation führte zur Venia, also zur Lehrbefugnis, für Neuere Geschichte sowie Frauen- und Geschlechtergeschichte. Anschließend lehrte und forschte sie dort als außerordentliche Universitätsprofessorin.
Engagement und heutige Tätigkeit
An der Universität Salzburg war Bauer Vorsitzende des Beirats für Frauenforschung, Frauenstudium und Frauenförderung. Sie wirkte maßgeblich am Aufbau des interdisziplinären Studienschwerpunktes Gender Studies mit. Gender Studies untersuchen Geschlecht und Geschlechterverhältnisse als gesellschaftliche und historische Zusammenhänge. Im interdisziplinären Lehrgang „karriere_links: Erfolgsstrategien und Karriereperspektiven“ unterstützte sie junge Wissenschaftlerinnen außerdem als Mentorin und Coach.
2016 beendete Bauer ihre Tätigkeit an der Universität Salzburg. Seitdem arbeitet sie in Wien als freischaffende Zeit- und Kulturhistorikerin und Autorin. Sie ist Mitherausgeberin von „L’Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft“, gehört der Redaktion der österreichischen Fachzeitschrift „Zeitgeschichte“ an und ist Mitglied der Jury des Dr.-Herbert-Steiner-Preises im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes.
Zentrale Veröffentlichungen
Bauers Veröffentlichungen spiegeln ihre wichtigsten Forschungsfelder wider. Ihre Untersuchung „Tschikweiber haums uns g’nennt …“. Die Zigarrenfabriksarbeiterinnen von Hallein. Frauen. Arbeit. Geschichte erschien erstmals 1988 und 2015 in einer erweiterten Neuausgabe. Sie behandelt die Lebens- und Arbeitsgeschichte der Halleiner Fabrikarbeiterinnen.
„Welcome Ami Go Home. Die amerikanische Besatzung in Salzburg 1945–1955“ von 1998 erschließt Erinnerungslandschaften aus einem Oral-History-Projekt. Gemeinsam mit Robert Hoffmann und Christina Kubek veröffentlichte Bauer 2013 „Abgestempelt und ausgeliefert“, eine Untersuchung über Fürsorgeerziehung und Fremdunterbringung in Salzburg nach 1945 mit einem Ausblick auf die heutige Soziale Kinder- und Jugendarbeit.
Als Mitherausgeberin arbeitete sie unter anderem an Bänden über Gender Studies, historische Geschlechterbeziehungen, romantische Liebe, Paarkorrespondenzen des 19. und 20. Jahrhunderts, Gender und 1968 sowie 30 Jahre feministische Geschichtswissenschaft. 2021 gab sie mit Philipp Rohrbach „Black GI Children in Post-World War II Europe“ heraus.
Ihre Aufsätze befassen sich unter anderem mit dem Selbstbewusstsein der Halleiner Zigarrenfabriksarbeiterinnen, österreichischen Heimkindern, Frauen im Salzburger Landesparlament, Besatzungskindern österreichisch-afroamerikanischer Herkunft, Geschlechterarrangements beim Wiener Gipfel 1961, den Veränderungen der Geschlechterverhältnisse um 1968 und einer frauen- und geschlechtergeschichtlichen Betrachtung des Nationalsozialismus.
Auszeichnungen
Für ihre Forschung erhielt Ingrid Bauer mehrere Auszeichnungen:
- 1989 den Wissenschaftspreis der Arbeiterkammer O.Ö.
- 1989 den Victor-Adler-Staatspreis für Geschichte sozialer Bewegungen
- 1995 den Käthe-Leichter-Anerkennungspreis für Frauenforschung
- 2007 den Internationalen Wissenschaftspreis des Kulturfonds der Stadt Salzburg für ihre international anerkannte Arbeit in der Gender- und Frauenforschung