Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Christa Ehrmann-Hämmerle
Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte von Krieg, Militär und Gewalt, Frauen- und Geschlechtergeschichte, Geschichte der Emotionen und Sozialgeschichte …
Inhalt3 Abschnitte
Historikerin und Forschungsfelder
Christa Ehrmann-Hämmerle (* 31. Oktober 1957 in Schaffhausen am Rhein, als Christa Hämmerle) ist eine in der Schweiz geborene österreichische Historikerin. Sie war außerordentliche Professorin für Neuere Geschichte am Institut für Geschichte der Universität Wien und trat zum 1. Oktober 2023 in den Ruhestand.
Ihre Forschung verbindet die Geschichte von Krieg, Militär und Gewalt mit Frauen- und Geschlechtergeschichte. Weitere Schwerpunkte sind die Geschichte der Emotionen, die Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie die Auto/Biografieforschung, also die Untersuchung von Selbstzeugnissen und Lebensgeschichten. Besonders wichtig ist ihre Arbeit zum Ersten Weltkrieg und zu Geschlechterrollen in Österreich-Ungarn.
Arbeit zu Krieg, Geschlecht und Wehrpflicht
Von 1986 bis 1993 arbeitete Hämmerle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien. Ein frühes Forschungsprojekt galt der bis dahin unerforschten Kindheit im Ersten Weltkrieg. Sie argumentierte, dass der Krieg zu einer weitgehenden „Aufhebung von Kindheit als Schonraum und Instrumentalisierung der Kindheit durch den kriegsführenden Staat“ geführt habe.
1996 promovierte sie mit der Dissertation „Zur Liebesarbeit sind wir hier, Soldatenstrümpfe stricken wir …“ über Formen weiblicher Kriegsfürsorge im Ersten Weltkrieg. Kriegsfürsorge bezeichnet hier Unterstützung für Soldaten und Kriegführende, etwa durch Frauenvereine. Ihre Habilitation von 2001 trägt den Titel Alltag – Krieg – Geschlecht. Im selben Jahr wurde sie außerordentliche Professorin an der Universität Wien.
Das Buch Heimat, Front von 2014 behandelt Geschlechtergeschichte des Ersten Weltkriegs in Österreich-Ungarn. Themen sind Feldpostbriefe, Kriegskrankenschwestern, die Kriegsfürsorge österreichischer Frauenvereine und Schulen sowie soldatische Erinnerungskultur nach 1918. In ihrer 2022 erschienenen Monografie untersucht sie die Allgemeine Wehrpflicht in Österreich-Ungarn vor dem Ersten Weltkrieg. Dabei analysiert sie gesetzliche und soziale Militarisierungsprozesse, das Militär als „Schule der Männlichkeit“ sowie die Erfahrungen ehemaliger Mannschaftssoldaten der k. (u.) k. Armee. Diese Perspektive wird als „Geschichte von unten“ bezeichnet.
Seit den 1990er-Jahren baute sie an der Universität Wien Schwerpunkte der Frauen- und Geschlechtergeschichte mit auf. Die Sammlung Frauennachlässe leitete sie von 2002, zunächst gemeinsam mit Edith Saurer, bis 2023. Zudem initiierte sie die Forschungsgruppe „Sexuelle Gewalt im Ersten Weltkrieg: Militärgerichtsakten der k. u. k. Armee und Selbstzeugnisse als Quellen“.
Wichtige Veröffentlichungen und Auszeichnung
Zu ihren zentralen eigenen Schriften gehören Kindheit im Ersten Weltkrieg (1993), „Zur Liebesarbeit sind wir hier, Soldatenstrümpfe stricken wir …“. Zu Formen weiblicher Kriegsfürsorge im ersten Weltkrieg (1996), Alltag – Krieg – Geschlecht. Studien zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (2001) und Heimat, Front. Geschlechtergeschichte(n) des Ersten Weltkriegs in Österreich-Ungarn (2014).
Als Herausgeberin wirkte sie unter anderem an Des Kaisers Knechte. Erinnerungen an die Rekrutenzeit im k.(u.)k. Heer 1868 bis 1914 (2012) sowie an Gender and the First World War (2014, mit Oswald Überegger und Birgitta Bader-Zaar) mit. Ihre Beiträge befassen sich beispielsweise mit Drill, Disziplinarstrafrecht und Soldatenmisshandlungen im Heer von 1868 bis 1914 sowie mit Militär und Männlichkeit in der Habsburgermonarchie.
1999 erhielt Christa Ehrmann-Hämmerle den Käthe-Leichter-Preis.