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Informatik und Gesellschaft

Informatik und Gesellschaft (IuG) ist ein Fachgebiet der Wissenschaft Informatik und erforscht die Rolle der Informatik auf dem Weg zur Informationsgesellschaft …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Gesellschaftliche Einbettung und ihre Themen
  3. 3. Wissenschaftstheoretische Fragen
  4. 4. Übergreifende Felder und institutionelle Arbeit

Gegenstand und Bedeutung

Informatik und Gesellschaft (IuG) ist ein Fachgebiet der Informatik. Es erforscht die Rolle der Informatik auf dem Weg zur Informationsgesellschaft und untersucht die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Informatik und Gesellschaft. Dazu gehören historische, soziale, kulturelle, ökonomische, politische, ökologische, ethische, didaktische und technische Aspekte.

Die global vernetzte Informationsgesellschaft gilt für die Informatik als zentrale Herausforderung. Informatik spielt als technische Grundlagenwissenschaft eine definierende Rolle in dieser Gesellschaft und muss zugleich die Folgen und Voraussetzungen dieser Rolle reflektieren. Deshalb arbeitet IuG interdisziplinär, besonders mit den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie mit den Rechtswissenschaften.

Das Fachgebiet hat zwei grundlegende Wirkungsrichtungen: Einerseits untersucht es die Implikationen, Möglichkeiten und Grenzen informatischer Technik und vermittelt diese der Gesellschaft. Dies wird als Außenwirkung bezeichnet. Andererseits untersucht es die gesellschaftliche Einbettung der Informatik und ihrer Produkte und zeigt deren Folgen der Informatik selbst auf. Dies ist die Innenwirkung.

Gesellschaftliche Einbettung und ihre Themen

Die gesellschaftliche Einbettung der Informatik befasst sich damit, wie informatische Systeme entstehen, eingesetzt werden und gesellschaftliche Verhältnisse beeinflussen. Zu den Themen gehören:

  • Geschichte und Kultur der Informatik: Untersucht werden die historisch-kulturellen Wurzeln, die gesellschaftlichen Subgruppen und Ideologien, die mit der Beschäftigung mit Computern verbunden sind, sowie die Bedeutung dieser Entwicklungen für heutige technische und gesellschaftliche Vorgänge.
  • Ethik in der Informatik: Im Mittelpunkt stehen die Verantwortung von Fachleuten aus der Informatik und der gesellschaftliche sowie informatische Umgang mit dieser Verantwortung.
  • Kritische Informatik: Sie fragt nach Machtstrukturen, die durch informatische Systeme berührt, gestärkt oder geschwächt werden. Außerdem untersucht sie Wertauffassungen und politische Entscheidungen, die in Systemen objektiviert fortbestehen oder durch Informatik beeinflusst werden.
  • Digitale Medien und digitale Kunst: Betrachtet wird, wie Digitalisierung und Vernetzung die Funktions- und Wirkungsweise von Medien verändern.
  • Privatsphäre und Datenschutz: IuG untersucht, wie Technik das Verständnis von Privatheit verändert und wie technischer und nicht-technischer Datenschutz miteinander verbunden sind.
  • Informatik und Recht beziehungsweise Rechtsinformatik: Hier geht es um die gegenseitige Beeinflussung von Informatik und Rechtsgebieten.
  • Überwachungs- und Militärtechnologie: Untersucht werden die Folgen der Erforschung, Entwicklung und Nutzung digitaler Überwachungs- und Militärtechnologien in zivilen und militärischen Bereichen, beispielsweise der Biometrie.
  • Neue Wissensordnung: Die Informatik verändert den Umgang mit Urheberrecht, Patentrecht und immateriellen Gütern. Beispiele sind Open Access, Open Source und geistiges Eigentum.
  • Vernetzung und Internet: Im Mittelpunkt stehen die gesellschaftlichen Folgen der globalen Vernetzung eines großen Teils aller Computer, beispielsweise im Zusammenhang mit der Turing-Galaxis.
  • Autonome Systeme und Verantwortung: Gefragt wird, wie mit der Möglichkeit autonomer Systeme gesellschaftlich, rechtlich oder mit Mitteln der Informatik umgegangen werden kann.
  • Langzeitarchivierung: IuG beschäftigt sich mit dem Umgang mit digitalen Kulturgütern, deren Umfang wächst, die aber zugleich kurzlebiger sind.
  • Didaktik der Informatik und technische Aufklärung: Untersucht wird, wie Informatik und gesellschaftswissenschaftliche Grundlagen vermittelt werden können, damit Menschen in einer Informationsgesellschaft selbstbestimmt leben können.

Wissenschaftstheoretische Fragen

Der zweite große Bereich betrifft die Informatik als Wissenschaft und ihre Grundlagen. Dabei werden zunächst die Grundbegriffe der Informatik untersucht: Es geht darum, welche Begriffe das Fach verwendet und wie Personen außerhalb der Informatik sie verstehen und gebrauchen.

Die wissenschaftstheoretischen Grundlagen fragen, inwiefern Informatik eine Wissenschaft ist, welche Theorien und Methoden sie besitzt und nach welchen Kriterien und Vorgehensweisen sie Wissen erzeugt. Ebenfalls untersucht werden der Forschungsgegenstand, das Ziel und der Zweck einer Informatikwissenschaft.

Zur wissenschaftstheoretischen Betrachtung gehört außerdem die Geschichte der Informatik. Dabei stehen die historischen und kulturellen Wurzeln der Informatik als Technikwissenschaft sowie die von ihr entwickelten Technologien im Mittelpunkt.

Übergreifende Felder und institutionelle Arbeit

Die Mensch-Computer-Interaktion, besonders ihre gesellschaftlichen Auswirkungen, gilt bereits als klassisches Arbeitsfeld von Informatik und Gesellschaft. Ebenfalls wichtig ist die Frage, wie Computer allgemein beherrschbar bleiben können.

Die Belange von Frauen in der Informatik werden seit 1986 durch die Fachgruppe „Frauen und Informatik“ verfolgt. Die Gruppe veranstaltet jährliche Fachtagungen und gibt einen Newsletter heraus. Die Themen der gesellschaftlichen Einbettung und der wissenschaftstheoretischen Betrachtung überschneiden sich dabei teilweise.

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