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IRIS-T
IRIS-T ; Spannweite, 450 mm ; Antrieb, Feststoffraketentriebwerk ; Geschwindigkeit, Mach 3 ; Reichweite, 25 km.
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Überblick und Bedeutung
Die IRIS-T (Infra Red Imaging System Tail/Thrust Vector-Controlled) ist ein kurzer Luft-Luft-Lenkflugkörper mit Infrarotsuchkopf für den Nah- und Nächstbereich. Ein Lenkflugkörper ist eine Rakete, die während des Flugs gelenkt wird; ein Infrarotsuchkopf erkennt Ziele über deren Wärmestrahlung. Hersteller ist Diehl Defence, die Entwicklung lief von 1995 bis 2005, die Indienststellung erfolgte 2005. Die IRIS-T wird seit 2005 von der deutschen Luftwaffe eingesetzt und dient unter anderem als Bewaffnung für Eurofighter Typhoon, Panavia Tornado, F/A-18 Hornet, Saab 39 Gripen, F-16 Fighting Falcon und McDonnell Douglas F-15SA.
Wichtige technische Grunddaten sind: Länge 2900 mm, Durchmesser 127 mm, Gefechtsgewicht 88 kg, Spannweite 450 mm, Feststoffraketentriebwerk, Geschwindigkeit Mach 3, Reichweite 25 km, 11,4 kg Gefechtskopf und radargesteuerter Annäherungszünder. Der Stückpreis wird mit 249.854 EUR angegeben. Später entstanden bodengestützte Varianten, besonders IRIS-T SLM, die im Ukraine-Krieg ab 2022 eingesetzt wurden.
Entwicklung und Einsatzidee
Der Anstoß zur Entwicklung kam nach der deutschen Wiedervereinigung. Die Bundesrepublik erhielt MiG-29A-Flugzeuge der Nationalen Volksarmee mit R-73-Flugkörpern. Dabei zeigte sich, dass die R-73 deutlich leistungsfähiger war als im Westen angenommen und der AIM-9L/M in allen Parametern überlegen war. Besonders wichtig waren Reichweite, Manövrierfähigkeit und die Fähigkeit, Ziele bis 45° abseits der Flugachse zu erfassen.
Das Bundesministerium der Verteidigung ließ Anfang der 1990er-Jahre untersuchen, ob moderne Luftkämpfe trotz besserer Überwachung, Radare und weitreichender Raketen noch bis auf Sichtentfernung führen würden. Simulationen ergaben eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, weil Tarnung, unklare Luftlagen und Identifizierungsprobleme Piloten oft zwingen, näher heranzufliegen. Deutschland trat deshalb 1989 aus dem ASRAAM-Projekt aus, dessen Schwerpunkt auf größerer Abschussdistanz vor dem Kurvenkampf lag.
1996 unterzeichnete Bodenseewerk Gerätetechnik ein Memorandum of Understanding mit Partnerländern. Der neue Flugkörper sollte AIM-9 Sidewinder ersetzen und mit Sidewinder-Startschienen kompatibel bleiben. Deutschland übernahm später die Schlüsselrolle mit 46 % Projektanteil; weitere Partner waren unter anderem Italien, Schweden, Griechenland, Norwegen und später Spanien. Testschüsse ab 1996 und in den frühen 2000er-Jahren bestätigten Sucher, Autopilot und hohe Manövrierfähigkeit. Im Dezember 2005 erhielt die Luftwaffe am Flughafen Rostock-Laage den ersten Serienflugkörper. Die IRIS-T galt Anfang der 2000er-Jahre als eine der fortschrittlichsten Kurzstreckenraketen der Welt.
Funktionsprinzip im Luftkampf
Kurzstrecken-Luft-Luft-Flugkörper dienen vor allem zur Bekämpfung gegnerischer Kampfflugzeuge im Kurvenkampf. Frühe Modelle konnten Ziele meist nur von hinten erfassen. Mit der AIM-9L wurde eine All-aspect-Fähigkeit möglich, also die Bekämpfung von Zielen auch von vorn oder von der Seite. Im Falklandkrieg stieg die Trefferquote dadurch auf 73 %, gegenüber 15 % früherer Sidewinder-Versionen im Vietnamkrieg. Später senkten IR-Täuschkörper die Trefferquote im Zweiten Golfkrieg wieder auf 23 %.
Moderne infrarotgelenkte Raketen verwenden deshalb bildgebende Sucher, die Ziel und Täuschkörper unterscheiden sollen. Außerdem wurde der Aufschaltbereich erweitert. Aufschalten bedeutet, dass einer selbstlenkenden Rakete ein Ziel vorgegeben wird. Die R-73 konnte mit Helmvisier Ziele bis 45° abseits der Flugzeuglängsachse erfassen; moderne Waffen erreichen teils 90° oder können Ziele erst nach dem Start aufschalten. Diese Fähigkeit heißt Lock-on after launch.
Beim Eurofighter kann die Zielzuweisung für die IRIS-T über Radar, Infrarotsensor, Helmvisier oder Raketenwarner erfolgen. Die Raketenwarner des EuroDASS Praetorian arbeiten mit aktivem Millimeterwellen-Radar und können Objekte in einer Sphäre um das Flugzeug erfassen, außer direkt darüber und darunter. Dadurch muss der Pilot das Flugzeug nicht unbedingt in Abschussposition bringen. Die IRIS-T kann außerdem zur Selbstverteidigung gegen Luft-Luft- und Boden-Luft-Raketen dienen.
Technik der IRIS-T
Die IRIS-T ist ein Fire-and-Forget-Flugkörper: Nach dem Abschuss steuert sie selbstständig auf das Ziel zu. Sie ist für Direkttreffer ausgelegt und besitzt zusätzlich einen aktiven Radar-Annäherungssensor, der besonders bei schnellen oder schwer auffassbaren Zielen die Vernichtungswahrscheinlichkeit erhöhen soll. Modular besteht sie aus Suchkopf mit Lenkeinheit, Radar-Annäherungssensor, Sicherungs- und Schärfeinrichtung, Gefechtskopf, Feststofftriebwerk und Steuereinheit. Sie ist etwa 3 m lang, hat 127 mm Durchmesser und wiegt rund 90 kg. Mechanisch und elektrisch ist sie zur Sidewinder kompatibel und besitzt neben einer digitalen auch eine analoge Schnittstelle.
Der Sucher kombiniert ein Focal Plane Array, also einen bildgebenden Infrarotdetektor, mit mechanischer Abtastung. Ein Spiegel fährt das Sichtfeld ab; ein lineares Zweifarben-Array mit 128 × 2 Bildpunkten baut 80 Mal pro Sekunde ein Bild mit 128 × 128 Pixeln auf. Der Schielwinkelbereich beträgt ±90°. Eine Bildverarbeitung erkennt IR-Täuschkörper und ignoriert sie. Eine Zielbibliothek enthält Bilder bekannter Militärflugzeuge aus verschiedenen Perspektiven; für jedes Ziel sind acht verwundbare Punkte gespeichert. Wird der Sucher durch einen Laser gestört, kann die IRIS-T in einen Home-on-Jam-Modus wechseln und die Energiequelle anfliegen.
Der Gefechtskopf besteht aus einer 11,4 kg schweren Splitterladung und kann durch Einschlag oder K_u-Band-Radarannäherungszünder ausgelöst werden. Das Feststofftriebwerk arbeitet mit mehreren Schubphasen: zuerst starker Boost, dann eine kurze Phase geringer Schubkraft für extreme Richtungsänderungen, danach Beschleunigung auf Mach 3 und Erhaltungsmodus. Vier Leitschaufeln im Düsenauslass ermöglichen Schubvektorsteuerung. Nach dem Start kann die IRIS-T auf dem Raum von zwei großen Fußballfeldern eine 180°-Wende ausführen; bis zur Erfassung eines Ziels hinter der Startplattform vergehen nur 0,5 Sekunden. Für die extreme Manövrierfähigkeit nutzt sie Hecksteuerung, Schubvektorsteuerung, ein angepasstes Triebwerksprofil und einen Autopiloten mit µ-Synthese beziehungsweise H_∞-Regelung.
Varianten und Weiterentwicklungen
IDAS ist eine Variante für U-Boote der Klasse 212 A. Sie soll vor allem gegen Luftbedrohungen wie U-Jagd-Hubschrauber schützen, kann aber auch gegen kleine Schiffe und küstennahe Landziele eingesetzt werden. Vier Flugkörper werden in einem Torpedorohr mitgeführt. Die Steuerung erfolgt über Lichtwellenleiter, sodass der Schütze eingreifen kann. Suchkopf und Navigationssystem stammen von der IRIS-T; neu sind Antrieb und ein 20-kg-Gefechtskopf. Die Länge beträgt 2,5 m, der Durchmesser 180/240 mm, die Startmasse 120 kg und die Reichweite etwa 20 km.
IRIS-T SLS ist eine bodengestützte Variante kurzer Reichweite bis 25 km. Sie unterscheidet sich vor allem durch modifizierte Software und wurde in Norwegen von Diehl und Kongsberg entwickelt und getestet. Schweden nutzt seit 2019 ein darauf basierendes System mit der Bezeichnung RBS 98. Die IRIS-T SLS ist kompatibel zum norwegischen NASAMS-3-Flugabwehrsystem.
IRIS-T SLM ist ein bodengestütztes Luftverteidigungssystem mittlerer Reichweite auf Basis der IRIS-T SL. Es war ursprünglich als Ergänzung zur Patriot PAC-3 im MEADS-System gedacht. Gegenüber der IRIS-T wurde unter anderem der Raketenmotordurchmesser auf 152 mm vergrößert, die Reichweite soll sich verdreifachen, ein Datenlink wird eingebaut, und eine Senkrechtstartanlage mit acht Flugkörpern kann auf einem Unimog U 5000 stehen. Genannt werden Reichweiten von über 35 km beziehungsweise 40 km, eine maximale Zielhöhe von etwa 20 km und eine minimale Reichweite unter einem Kilometer. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine wurde 2022 die Lieferung zugesagt; am 11. Oktober 2022 erhielt die Ukraine das erste von vier zugesagten Systemen. Angaben zur Zerstörung eines Radars Anfang Juni 2023 wurden von russischer Seite per Video behauptet, das Ausmaß war wegen schlechter Qualität nicht erkennbar. Im April 2024 wurden drei Systeme in der Ukraine genannt, im Mai 2025 weitere Lieferungen zugesagt. Die Bundeswehr erhielt ihre ersten IRIS-T SLM im September 2024.
IRIS-T SLX wird von Diehl Defence entwickelt und soll Ziele bis 80 km Entfernung und bis 30 km Höhe erreichen. Der LFK NG, der „Lenkflugkörper Neue Generation“, ist eine Boden-Luft-Rakete von MBDA und Diehl für die Bundeswehr. Er übernimmt den Sucher der IRIS-T, ist 1,8 m lang, wiegt 28 kg, hat 110 mm Durchmesser, einen 2,5-kg-Penetrator-/Splittergefechtskopf, bis zu 10 km Reichweite und erreicht bis Mach 2,2. Übungsvarianten sind Dummys für An- und Abbau sowie CATM-Übungsraketen mit scharfem Suchkopf, aber ohne Raketenmotor und Gefechtskopf.
Nutzer
Die IRIS-T verkaufte sich international gut, was im Artikel mit niedrigem Preis und fortschrittlicher Technologie begründet wird. Deutschland zahlt inklusive eines Entwicklungskostenanteils von 46 % etwa 400.000 Euro pro Stück; zum Vergleich wird für eine PAC-3 MSE ein Stückpreis von rund 3,7 Millionen Euro genannt. Wegen der engen Integration in die Avionik des Eurofighter Typhoon gilt die IRIS-T als „natürliche“ Bewaffnung dieses Flugzeugs. Fünf von sieben Eurofighter-Ländern nutzen die Waffe. Bei österreichischen Typhoons und anderen Flugzeugmustern außer der F-35 entfällt die Zieleinweisung durch Raketenwarner.
Laut Diehl BGT Defence wurden bis 2011 etwa 4000 Stück bestellt. Genannte Nutzer sind Brasilien, Deutschland, Griechenland, Italien, Norwegen, Österreich, Saudi-Arabien, Schweden, Spanien, Südafrika, Thailand und die Ukraine. Für Deutschland werden 1250 Stück plus 1280 im Rahmenvertrag bis 2030 genannt, für Griechenland 350, Italien 450, Österreich 25, Spanien 700 und Südafrika 25; bei mehreren Staaten ist die genaue Stückzahl unbekannt.