Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
IMU-Abakus-Medaille
Die IMU-Abakus-Medaille ist aus Gold und wurde von Martti Aiha (* 1952) gestaltet. Sie zeigt eine abstrakte Figur, die einen „Abakus-Vogel“ repräsentiert, der …
Inhalt4 Abschnitte
Gegenstand und Bedeutung
Die IMU-Abakus-Medaille (englisch: IMU Abacus Medal) ist eine Auszeichnung der Internationalen Mathematischen Union (IMU) für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der theoretischen Informatik. Sie wird gemeinsam mit den Fields-Medaillen und dem Carl-Friedrich-Gauß-Preis auf dem Internationalen Mathematikerkongress (ICM) verliehen, der alle vier Jahre stattfindet.
Bis 2021 hieß die Auszeichnung Nevanlinna-Preis, offiziell „Rolf-Nevanlinna-Preis in mathematischen Bereichen der Informatik“ (englisch: Rolf Nevanlinna Prize in Mathematical Aspects of Information Sciences). Der ursprünglich nach dem finnischen Mathematiker Rolf Nevanlinna benannte Preis wurde wegen dessen nationalsozialistischer Vergangenheit umbenannt. Die IMU-Abakus-Medaille wurde erstmals 2022 vergeben.
Vergabe und Gestaltung
Die Bestimmungen ähneln denen der Fields-Medaille. Das Exekutivkomitee der IMU bestimmte das Auswahlkomitee. Mit Ausnahme des Vorsitzenden blieben dessen Mitglieder bis zur Preisverleihung geheim. Außerdem musste der Preisträger am 1. Januar des Jahres der Auszeichnung jünger als 40 Jahre sein.
Der Nevanlinna-Preis wurde seit 1982 vergeben, zuletzt 2018, und bestand aus einer Goldmedaille und einem Preisgeld. Die Medaille gestaltete der finnische Bildhauer Raimo Heino (1932–1995). Auf ihrer Vorderseite war Nevanlinna im Profil mit der Inschrift „Rolf Nevanlinna Prize“ abgebildet; daneben standen das Signet „RH“ und „83“, die Initialen des Künstlers und das Jahr 1983, in dem die erste Medaille geprägt wurde. Die Rückseite zeigte zwei Symbole der Universität Helsinki: links oben das Wort „Helsinki“ in kodierter Form und rechts unten das Universitätssiegel mit der Inschrift „VNIVERSITAS HELSINGIENSIS“. Am Rand war der Name des Preisträgers eingeprägt.
Die heutige IMU-Abakus-Medaille ist ebenfalls aus Gold. Sie wurde von Martti Aiha (* 1952) gestaltet und zeigt eine abstrakte Figur, die einen „Abakus-Vogel“ darstellt, der mit den Kugeln eines Abakus fliegt.
Preisträger des Nevanlinna-Preises
Die Preisträger und ihre ausgezeichneten Leistungen waren:
- 1982 (1983): Robert Tarjan (USA) für den Entwurf besonders effizienter Algorithmen.
- 1986: Leslie Valiant (UK) für Arbeiten zur algebraischen Komplexitätstheorie, zu effizienten stochastisch bewerteten Algorithmen und zur künstlichen Intelligenz.
- 1990: Alexander Rasborow (UdSSR) für Arbeiten zur unteren Schranke der Komplexität von Schaltkreisen.
- 1994: Avi Wigderson (Israel) für Beiträge zu interaktiven Beweisen, bei denen im Einzelnen geheime Beweise mit stochastischen Kriterien verifiziert werden, sowie für deren Anwendung in Rechnernetzen.
- 1998: Peter Shor (USA) für den Shor-Algorithmus, einen polynomialen Algorithmus zur Faktorisierung ganzer Zahlen für Quantencomputer, und weitere Beiträge zur Quanteninformatik.
- 2002: Madhu Sudan (Indien) für Beiträge zu probabilistisch überprüfbaren Beweisen, zur Nicht-Approximierbarkeit von Optimierungsproblemen und zu fehlerkorrigierenden Codes.
- 2006: Jon Kleinberg (USA) für Beiträge zur mathematischen Theorie der globalen Informationsumgebung, unter anderem zur Verbesserung von Suchmaschinen und zum Internet-Routing.
- 2010: Daniel Spielman (USA) für Beiträge zur geglätteten Analyse der linearen Programmierung, Algorithmen für grafbasierte Codes und Anwendungen der Graphentheorie beim Numerical Computing.
- 2014: Subhash Khot (Indien), insbesondere für die Unique Games Conjecture.
- 2018: Constantinos Daskalakis (Griechenland) für die grundlegende Veränderung des Verständnisses der rechnerischen Komplexität fundamentaler Probleme in Märkten, Auktionen, Gleichgewichten und anderen wirtschaftswissenschaftlichen Strukturen.
Preisträger der IMU-Abakus-Medaille
- 2022: Mark Braverman (Israel) für bahnbrechende Forschung zur Informationskomplexität. Sie entwickelte einen Rahmen, in dem die Informationstheorie zur Untersuchung von Kommunikationsprotokollen genutzt wird.
- 2026: Shayan Oveis Gharan (Iran/USA) für wegweisende Arbeiten zur Algorithmentheorie.