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Holokratie

Vier wichtige Leitlinien der Holokratie · Doppelte Verbindung (double-linking) · Trennung von Steuerungs- und operativen Treffen · Zuständigkeiten und Rollen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Regelwerk
  2. 2. Kreise und doppelte Verbindung
  3. 3. Steuerung und Tagesgeschäft
  4. 4. Rollen und Zuständigkeiten
  5. 5. Integrative und dynamische Entscheidungsfindung
  6. 6. Praxis und Kritik

Grundidee und Regelwerk

Holokratie ist eine Organisationsform mit dem Ziel, Hierarchien abzubauen. Sie soll Organisationen transparent und partizipativ strukturieren und beruht auf einem festgelegten Regelwerk. Zentrale Grundlage ist die „Holokratieverfassung“ (Holacracy Constitution), die unter einer freien Lizenz verfügbar ist und kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Die Verfassung gliedert sich in fünf Kapitel: „Rollen füllen“, „Kreisstruktur“, „Governance-Prozess“, „Operativer Prozess“ und „Adoption Matters“ („Angelegenheiten der Inkraftsetzung“).

Vertreter der Holokratie verbinden mit ihrer Einführung mehr Klarheit in den Arbeitsabläufen, eine genauere Abgrenzung von Verantwortungsbereichen sowie einfachere und dezentralisierte Entscheidungen. Außerdem sollen Kreativität, Arbeitsmoral und persönliche Entwicklung der Mitarbeiter gefördert werden.

Kreise und doppelte Verbindung

Holokratische Organisationen sind in Kreise gegliedert. Damit die Kommunikation zwischen verschiedenstufigen Kreisen funktioniert, nutzt Holokratie das Prinzip des double-linking, also der doppelten Verbindung.

Jeder Kreis wählt einen oder mehrere Vertreter in den nächsthöheren Kreis, dem er angehört. Diese Verbindung heißt Rep-Link. Außerdem entsendet der übergeordnete Kreis einen oder mehrere Vertreter in die unteren Kreise; diese Verbindung heißt Lead-Link. Auch Verbindungen zu Nachbarkreisen und deren Integration können sinnvoll sein.

Die Vertreter informieren den jeweils anderen Kreis über aktuelle Entwicklungen und vertreten die Interessen ihres Herkunftskreises. Bei Entscheidungen sind sie gleichberechtigt; ihre Stimme muss gehört und in die Entscheidung einbezogen werden. Dadurch soll Kommunikation nicht nur von übergeordneten Ebenen zu den Ausführenden fließen, sondern auch in umgekehrter Richtung und zwischen allen Beteiligten. Auf der kommunikativen Ebene erhalten die Mitwirkenden dadurch gleiches Gewicht. Gegebenenfalls werden auch Nutzer gefragt und ihre Wünsche berücksichtigt.

Steuerung und Tagesgeschäft

Im holokratischen System ist Steuerung auf alle Elemente der Organisation verteilt. Jeder Kreis hält Steuerungstreffen ab. Dort wird entschieden, wie die Zusammenarbeit im Kreis gestaltet wird: Zuständigkeiten und Entscheidungsbefugnisse werden festgelegt, überprüft und weiterentwickelt. Im Mittelpunkt steht die Optimierung der Betriebsstruktur und die Frage, was für einen reibungslosen Ablauf erforderlich ist.

In Steuerungstreffen werden bewusst keine Ressourcenfragen zu Geld, Zeit oder Personal entschieden. Diese Themen werden von den Fragen der Organisationsstruktur getrennt. Die operativen Treffen befassen sich dagegen mit den Aktivitäten des Tagesgeschäfts, ähnlich wie Besprechungen in vielen anderen Betrieben.

Die Trennung soll ermöglichen, die Art der Zusammenarbeit sorgfältig zu entwickeln, ohne dass Überlegungen zu wenig Zeit, Geld oder Personal die strukturelle Arbeit vorschnell begrenzen.

Rollen und Zuständigkeiten

Holokratie arbeitet nicht mit traditionellen Organigrammen und Ämterhierarchien, sondern mit Rollen und klar beschriebenen Zuständigkeiten im Betriebsablauf. Eine Rolle fasst dabei die Aufgaben und Verantwortungsbereiche zusammen, die für bestimmte Handlungen in der Organisation erforderlich sind.

Konflikte entstehen nach dieser Vorstellung häufig, wenn Zuständigkeiten oder Rollen unklar oder unzureichend festgelegt sind. Solche Konflikte und Spannungen werden in den Steuerungstreffen nicht nur als Störung betrachtet, sondern als Hinweise für die Weiterentwicklung der Betriebsstruktur genutzt.

Zuständigkeiten und Rollen werden gemeinsam und präzise geklärt. Falls erforderlich, werden neue Rollen geschaffen, sodass alle regelmäßig notwendigen Handlungen erfasst sind. Erst danach übernehmen konkrete Personen diese Rollen. Die Zuweisung kann durch den Lead-Link erfolgen, der innerhalb des Kreises Personal- und Budgetverantwortung trägt, oder in Teams mit gleichberechtigten Mitarbeitern beziehungsweise Partnern gemeinsam vereinbart werden.

Integrative und dynamische Entscheidungsfindung

Wichtige Steuerungsentscheidungen werden in jedem Kreis mit „Integrativer Entscheidungsfindung“ getroffen. Dabei werden die Stimmen aller Beteiligten sachbezogen einbezogen. Ziel ist keine endgültige oder grundsätzlich optimale Entscheidung, sondern eine brauchbare und korrigierbare Entscheidung.

Entscheidungen können jederzeit geändert werden, wenn sie sich in der Praxis nicht bewähren. Jeder Beteiligte kann dann einen neuen Vorschlag einbringen. Dadurch soll die Entscheidungsfindung erleichtert werden: Gesucht wird nicht die perfekte Lösung für immer, sondern eine brauchbare Lösung für den gegenwärtigen Zeitpunkt und auf Grundlage der aktuell verfügbaren Informationen.

Die dynamische Steuerung setzt auf häufige und kleine Kurskorrekturen anstelle monumentaler Grundsatzplanungen. Die laufende Beobachtung der Praxis soll zeigen, welche Einzelheiten sich erst im tatsächlichen Prozess erkennen lassen und durch vorausschauende Planung nicht erfasst worden wären. Auf diese Weise soll gegenwartsbezogene Handlungsfähigkeit entstehen und schwerfällige bürokratische Prozesse sollen vermieden werden.

Praxis und Kritik

Holokratie wird inzwischen weltweit von hunderten Firmen und Nonprofit-Organisationen praktiziert. Als Beispiel nennt der Artikel die Umweltbewegung Extinction Rebellion.

Kritiker sehen mehrere Schwierigkeiten. Dazu gehören Gehaltsstrukturen und Karrieremöglichkeiten. Außerdem kann sich eine informelle Hierarchie herausbilden, die dem klassischen Modell der Unternehmensführung nahekommt. Bei börsennotierten Unternehmen kann das Berichtswesen nicht einfach entfallen; es muss auch in einer holokratischen Organisation eingerichtet werden.

Weitere Kritik richtet sich gegen das lange Regelwerk der Holokratieverfassung, das mühsam zu verinnerlichen sei. Die Umstellung auf eine holokratische Organisationsform könne zudem hohe Kosten für Berater und Software verursachen.

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