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Herr der Fliegen (1963)
Herr der Fliegen ist ein britisches Filmdrama von Peter Brook aus dem Jahr 1963. Es ist die erste Verfilmung des gleichnamigen Romans von William Golding.
Film und Ausgangslage
Herr der Fliegen (Originaltitel: Lord of the Flies) ist ein britisches Filmdrama aus dem Jahr 1963. Regie und Drehbuch stammen von Peter Brook. Der 92 Minuten lange, englischsprachige Film mit FSK 12 ist die erste Verfilmung des gleichnamigen Romans von William Golding.
Nach einem Flugzeugabsturz sind englische Schüler ohne überlebende Erwachsene auf einer unbewohnten Insel. Ralph wird mit Hilfe einer gefundenen Hornmuschel zum Häuptling gewählt. Die Muschel steht zunächst für eine gemeinsame Ordnung: Wer sie hält, darf sprechen, ohne unterbrochen zu werden. Ralph, der asthmakranke und wegen seines Gewichts „Schweinchen“ genannte Junge sowie Simon versuchen, die Gruppe zu organisieren. Ein Signalfeuer auf dem Berg soll Rettung ermöglichen; es wird mit Schweinchens Brille entzündet. Jacks ehemaliger Jungenchor wird zu einer Jägergruppe bestimmt, die Nahrung beschaffen soll.
Zerfall der Gemeinschaft
Als die Jäger ein Schwein töten, lassen sie das Signalfeuer unbeaufsichtigt ausgehen. Gerade dann fliegt ein Flugzeug über die Insel. Ralph und Schweinchen werfen Jack dies vor; Jack schlägt Schweinchen und zerstört ein Glas seiner Brille. Zugleich verliert die Muschel als Regel des gemeinsamen Gesprächs immer mehr an Bedeutung.
Die Angst vor einer angeblichen Bestie verstärkt die Spaltung. Ralph, Jack und Roger glauben in einer Felsspalte ein Monster zu sehen. Jack trennt sich daraufhin von Ralph und gründet einen eigenen Stamm. Er erklärt die Bestie zu einem bösen Geist und lässt Schweineköpfe als Opfer zurück. Während die meisten Jungen Jack folgen, werden Ralph, Schweinchen, Simon und einige kleine Kinder zu Außenseitern.
Simon findet auf dem Berg die Leiche eines Fallschirmspringers und erkennt damit, was die Jungen für ein Monster gehalten haben. Als er zum Strand zurückkehrt, geraten Jacks Krieger beim Ruf „Tötet die Bestie, tötet das Schwein!“ in einen Rausch und töten Simon. Schweinchen nennt den Mord später einen Unfall.
Jack herrscht nun wie ein Despot. Er zerstört Ralphs Feuer und stiehlt Schweinchens Brille, ohne die Schweinchen fast nichts sehen kann. Bei der Auseinandersetzung an Jacks Höhle löst ein Junge einen Felsblock, der Schweinchen erschlägt; seine Leiche treibt aufs Meer hinaus. Ralph bleibt als einziger Gegner Jacks zurück. Jacks Gruppe setzt große Teile der Insel in Brand und jagt Ralph, um ihn zu töten. Als Ralph den Strand erreicht, ist die Marine mit einem kleinen Beiboot gelandet. Die übrigen Jungen erscheinen in Kriegsbemalung; Ralph beginnt unhörbar zu weinen.
Herstellung und Rezeption
Gedreht wurde der Film 1961 auf Vieques, in Aguadilla und im El Yunque National Forest in Puerto Rico sowie in Tennessee und auf Jamaika. Die Premiere fand am 14. Mai 1963 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes statt. In Deutschland lief der Film erstmals am 11. August 1971 im ARD-Fernsehen, kam am 16. Juni 1983 in die Kinos und wurde am 10. Oktober 2007 auf DVD veröffentlicht.
Kritiken beschrieben den Film unter anderem als politische Parabel, pessimistische Utopie und psychologisch-anthropologische Studie. Sie hoben den Zerfall von Ordnung, Moral und demokratischen Regeln sowie das Entstehen von Rivalität, Grausamkeit, Diktatur und Sündenböcken hervor.
Der Film nahm in Cannes am Wettbewerb um die Goldene Palme teil. Das National Board of Review zählte ihn 1963 zu den zehn besten Filmen des Jahres. Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW in Wiesbaden verlieh ihm das Prädikat „besonders wertvoll“.