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HTML5
HTML5 ist die fünfte Fassung der Hypertext Markup Language (engl. für Hypertext-Auszeichnungssprache), einer Computersprache zur Auszeichnung und Vernetzung …
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Grundidee und Bedeutung
HTML5 ist die fünfte Fassung der Hypertext Markup Language, einer Auszeichnungssprache zur Strukturierung und Vernetzung von Texten und anderen Inhalten elektronischer Dokumente, vor allem im World Wide Web. Das World Wide Web Consortium (W3C) veröffentlichte am 28. Oktober 2014 die fertige HTML5-Spezifikation als „W3C Recommendation“. HTML5 gilt damit als Nachfolger von HTML4 und als Kernsprache des Webs.
HTML5 ersetzt die Standards HTML 4.01, XHTML 1.0 und DOM HTML Level 2. Es erweitert HTML um Funktionen, die zuvor nicht direkt in HTML4 enthalten waren, etwa Video, Audio, lokalen Speicher sowie dynamische 2D- und 3D-Grafiken. Solche Funktionen mussten früher oft mit zusätzlichen Erweiterungen wie Adobe Flash umgesetzt werden. Wichtig sind außerdem neue Elemente, die Inhalte genauer beschreiben und dadurch eine bessere semantische Struktur ermöglichen, also eine Struktur, deren Elemente eine Bedeutung tragen.
Entstehung und Ziele
Nach HTML 4.0 im Dezember 1997 und HTML 4.01 im Dezember 1999 wurde HTML lange kaum weiterentwickelt. Das W3C setzte zunächst auf XML und reformulierte HTML 4.01 als XHTML 1.0. Spätere Ansätze wie XHTML 1.1 und XHTML 2.0 entfernten sich jedoch stark von HTML 4.01, waren nicht mehr abwärtskompatibel und galten teilweise als schwer zu erstellen. Gleichzeitig entwickelte sich CSS nur langsam, wodurch das W3C in Kritik geriet.
2004 veröffentlichte die von Browserherstellern gegründete WHATWG unter dem Namen Web Applications 1.0 einen ersten Vorschlag für HTML5. Am 27. Oktober 2006 kündigte Tim Berners-Lee eine neue W3C-Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung von HTML an. Im Mai 2007 entschied die HTML-Arbeitsgruppe, den WHATWG-Entwurf als Grundlage zu verwenden. 2009 gab das W3C bekannt, XHTML 2.0 nicht weiterzuentwickeln. Die nächste Generation der Web-Auszeichnungssprachen wurde damit HTML5.
Die WHATWG arbeitet an einem versionslosen „Living Standard“, also einer ständig weiterentwickelten Spezifikation, und spricht vom „HTML-Standard“. Das W3C verfolgte dagegen das Ziel, eine stabile Momentaufnahme als HTML5 zu veröffentlichen. Zu den Zielen von HTML5 gehörten Kompatibilität mit vorhandenen Inhalten, bessere Verwendbarkeit für Webautoren, Sicherheit, Konsistenz zwischen HTML und XHTML, klar definiertes Verhalten auch bei Fehlern, Universalität für Geräte und Sprachen sowie Barrierefreiheit.
Aufbau der Spezifikationen
HTML5 besteht beim W3C aus mehreren Spezifikationen und unterstützenden Dokumenten. Die Hauptspezifikation „HTML5“ enthält das Vokabular, also die erlaubten Elemente und Attribute, sowie Schnittstellen für HTML und XHTML. Zum Vokabular gehören ältere HTML-Bestandteile, bisher proprietäre Bestandteile und neue Elemente. Außerdem definiert HTML5 ein Strukturmodell, also Regeln dafür, welche Elemente ineinander verschachtelt werden dürfen.
Ein wichtiger Teil ist der HTML-Parser. HTML5 beschreibt HTML nicht mehr als Anwendung von SGML, sondern definiert, wie Browser HTML verarbeiten sollen. Der Parser soll nicht nur das erlaubte Vokabular verstehen, sondern auch ältere oder proprietäre Elemente erkennen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass vorhandene Webseiten weiterhin funktionieren und Browser sich einheitlicher verhalten.
HTML5 definiert Elemente und Attribute auch über das Dokumentobjektmodell (DOM). Dokumente mit dem Medientyp „text/html“ werden als HTML-Dokumente mit einem HTML-Parser verarbeitet. Dokumente mit XML-Medientypen wie „application/xhtml+xml“ oder „application/xml“ gelten als XML-Dokumente und werden mit einem XML-Parser verarbeitet; diese Variante wird oft XHTML5 genannt. Beide Varianten sollen ein gemeinsames DOM besitzen. Weitere Spezifikationen betreffen unter anderem HTML Microdata für maschinenlesbare Informationen, den Canvas-2D-Kontext zum Zeichnen, HTML5 Web Messaging zur Nachrichtenübermittlung zwischen Browserkontexten und HTML+RDFa zum Einbetten von RDF in HTML.
Technische Neuerungen
HTML5 übernimmt praktisch alle Elemente aus HTML 4.01; HTML4 ist damit eine Teilmenge von HTML5. Die Dokumenttypangabe ist vereinfacht und lautet „<!DOCTYPE html>“. Sie versetzt moderne Browser in den standardkonformen Modus. HTML5 verzichtet bewusst auf eine Versionsangabe, weil Browser HTML-Dokumente nicht nach ihrer Version unterscheiden.
HTML5 erlaubt die einfache Einbindung von SVG und MathML direkt im HTML-Quelltext. Dabei dürfen die Elemente keine Namensraumpräfixe enthalten; der Namensraumpräfix für XLink bei Attributen muss „xlink“ lauten.
Zu den neuen strukturierenden Elementen gehören section, nav, article, aside, header und footer. Sie ersetzen nicht einfach div-Bereiche, sondern beschreiben die Art des Inhalts, etwa einen Abschnitt, ein Menü, einen Artikel oder einen Seitenfuß. figure und figcaption dienen zum Auszeichnen von Zusatzinhalten wie Abbildungen mit Bildunterschriften. Für Textauszeichnung kamen unter anderem time für Zeitangaben, mark für hervorgehobene Textstellen, ruby, rp und rt für Ruby-Annotierungen sowie wbr für mögliche Umbrüche in langen Wörtern hinzu.
Für Multimedia führt HTML5 audio und video ein. Browser können aus mehreren angebotenen Quellen oder Formaten ein unterstütztes Format auswählen. HTML5 ermöglicht außerdem die direkte Ausgabe von 5.1-Surround-Sound aus dem Browser, sofern passende Hardware vorhanden ist. Das canvas-Element stellt eine Zeichenfläche bereit, auf der Skripte zweidimensionale Bilder zeichnen können. Formulare wurden erweitert: input kann nun unter anderem Suchbegriffe, Telefonnummern, URLs, E-Mail-Adressen, Datums- und Zeitangaben, Zahlen und Farben erfassen. Weitere Elemente sind datalist, output, progress, meter und keygen. Interaktive Inhalte können mit details und summary ein- und ausgeblendet werden; menu und command dienen Werkzeugleisten und Kontextmenüs.
Einige ältere Elemente wie b, i, hr oder small erhielten eine semantische Bedeutung. Andere Elemente, etwa acronym, center, font oder frame, entfallen aus dem HTML5-Vokabular, dennoch ist festgelegt, wie Browser mit ihnen umgehen sollen, damit alte Webseiten kompatibel bleiben. HTML5 definiert außerdem DOM-Schnittstellen für Multimedia, History-Manipulation, Drag & Drop, bearbeitbare Inhalte, Offlineanwendungen und das Speichern von Anwendungsdaten, üblicherweise 5 MB pro Domain. Media Source Extensions ermöglichen es, per JavaScript erzeugte Videodatenströme im Browser wiederzugeben.
Kritik und Streitpunkte
HTML5 wurde auch kritisiert. Joe Clark meinte, HTML 4.01 habe zwar Probleme, die Sprache müsse aber nicht im Bereich vorhandener Elemente weiterentwickelt werden; das W3C solle wichtigere Aufgaben bearbeiten, etwa den umstrittenen WCAG-2.0-Standard. Shane McCarron vermutete, HTML werde weiterentwickelt, weil große Browserhersteller die Umsetzung des Semantic Web nicht bewältigten, und sah darin eine Abkehr vom Ziel eines XML-basierten Ökosystems.
Auch der Entstehungsprozess war umstritten. Ian Hickson, Gründer der WHATWG und Angestellter von Google, war eine zentrale treibende Kraft und hatte allein das Bearbeitungsrecht für den HTML5-Entwurf. Kritiker sahen darin einen Gegensatz zum demokratischen Konsensmodell des W3C. Außerdem wurde bemängelt, dass interne Vorschläge wie „verteilte Erweiterbarkeit“ nicht ernsthaft genug diskutiert worden seien.
Ein weiterer Streitpunkt war die Rolle der WHATWG. Sie führte ihre Spezifikation weiter, obwohl sie nach eigener Darstellung die nächste Generation von HTML umfasst und nicht nur HTML5. Dadurch gab es Unterschiede zwischen WHATWG-Entwurf und W3C-Variante. Problematisch ist das besonders in normativen Abschnitten, weil das W3C Standards festlegt, Browserhersteller aber häufig dem WHATWG-Entwurf folgen.
Bei audio und video legte HTML5 lange kein verpflichtendes Mindestformat fest. Diskutiert wurden unter anderem Ogg, Vorbis und Theora, H.264 sowie WebM mit VP8/VP9. Nachdem die MPEG Licensing Administration im August 2010 dauerhaft keine Lizenzgebühren für freies Internet-Streaming von H.264-Inhalten verlangen wollte, wurde H.264 von allen Browsern unterstützt und etablierte sich als De-facto-Standard. Umstritten blieb auch digitale Rechteverwaltung: 2013 wünschten Google, Microsoft und Netflix die Encrypted Media Extension (EME), mit der verschlüsselte Medieninhalte über HTML5 ausgegeben werden können. Am 18. September 2017 beschloss das W3C EME als Webstandard; aus Protest trat die Electronic Frontier Foundation aus dem W3C aus.