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Great Barrier Reef
Das Great Barrier Reef (wörtlich übersetzt: Großes Barriereriff, Großes Barrierriff) vor der Nordostküste Australiens ist die größte zusammenhängende …
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Lage und Bedeutung
Das Great Barrier Reef liegt vor der Nordostküste Australiens im Korallenmeer und ist die größte zusammenhängende Ansammlung von über 2900 einzelnen Korallenriffen der Erde. Es erstreckt sich entlang der Küste Queenslands von der Torres-Straße bis zur Lady-Elliot-Insel über gut 2300 Kilometer, etwa vom 10. bis zum 24. südlichen Breitengrad. Seine Fläche beträgt etwa 348.700 km²; als UNESCO-Welterbe wird eine Fläche von 34.870.000 ha angegeben. 1981 wurde es von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Es gilt außerdem als eines der sieben Weltwunder der Natur.
Das Riff liegt am östlichen Rand des australischen Kontinentalsockels. Je nach Abschnitt ist es etwa 30 Kilometer, zum Beispiel bei Cairns, bis rund 250 Kilometer, zum Beispiel bei Gladstone, von der Küste entfernt. In seinen Gewässern befinden sich etwa 1000 Inseln, darunter die Whitsunday Islands und Dunk Island, sowie zahlreiche Sandbänke. Das Riff kann mit bloßem Auge vom Weltraum aus gesehen werden.
Das Gebiet liegt vollständig in den Tropen und im Durchzugsgebiet südpazifischer Zyklone. Die Zyklon-Saison dauert von Oktober bis März. Besonders regenreich ist der Herbst im Februar und März. Die monatlichen Niederschläge reichen dann von 215 mm in Rockhampton über 350 mm in Mackay und Townsville bis zu 525 mm in Cairns und auf der Kap-York-Halbinsel. Trocken ist es zwischen März und Oktober.
Entstehung und Aufbau
Der Ursprung des Great Barrier Reefs liegt rund 600.000 Jahre zurück. Es ist kein geschlossenes einzelnes Riff, sondern besteht aus vielen Einzelriffen mit unterschiedlicher Entstehungsgeschichte. Der nördliche Abschnitt von der Torres-Straße bis ungefähr Cooktown entstand erst, nachdem die Nordspitze Australiens vor etwa 15 Millionen Jahren durch Kontinentalverschiebung in tropische Breiten gelangte. Dort konnten sich wegen der höheren Wassertemperaturen riffbildende Steinkorallen-Polypen auf dem Kontinentalsockel ansiedeln.
Die Riffbildung verlief nicht gleichmäßig. Während der Eiszeiten sank der Meeresspiegel, besiedelte Gebiete trockneten aus, und lebende Korallenpolypen starben ab. Zurück blieben Erhebungen aus Küstenkalkstein und Sedimenten. Nach den Eiszeiten stieg der Meeresspiegel wieder, Korallen siedelten sich erneut auf den vorhandenen Kalk- und Sedimentstrukturen an und bauten weitere Kalkberge auf. So wuchs im Norden ein relativ zusammenhängendes Barriereriff.
Ein Barriereriff ist ein Riff, das durch eine Lagune vom Festland getrennt ist. Beim Great Barrier Reef ist diese Lagune zur Küstenseite hin breit und 50 bis 100 Meter tief. Auf der vom Festland abgewandten Seite, dem Outer Reef, fällt das Riff beziehungsweise der Kontinentalabhang teilweise bis in 2000 Meter Tiefe ab.
Die mittleren und südlichen Teile entstanden später und sind weniger kompakt. Dort gibt es häufiger Saumriffe. Saumriffe ähneln Barriereriffen, wachsen aber in direkter Küstennähe und besitzen zum Festland hin meist nur eine wenige Meter tiefe Lagune. Außerdem gibt es Plattformriffe. Sie bilden sich auf ebenen, überfluteten Anhöhen, wo der Meeresboden nahe genug an der Oberfläche liegt, damit genug Licht für Korallen einfällt. Einige Plattformriffe erreichen bis zu 15 Kilometer Durchmesser.
Viele Inseln im Riff sind keine echten Koralleninseln, sondern Spitzen versunkener Berge aus festem Gestein. Sie gehörten früher zu einem Küstengebirge, das während der letzten Eiszeit vom Festland getrennt wurde. Die heute sichtbaren, farbenreichen Korallenriffe stammen aus der Zeit nach der letzten Kaltzeit vor etwa 10.000 Jahren.
Lebensraum und Artenvielfalt
Das Great Barrier Reef ist ein sehr empfindliches Ökosystem, also ein Lebensraum mit seinen Lebewesen und den unbelebten Umweltbedingungen. Korallenriffe reagieren stark auf Veränderungen. Schon Änderungen von Temperatur, Wasserqualität oder Nährstoffeintrag können Schäden verursachen.
Mit 359 Steinkorallenarten bildet das Great Barrier Reef die größte von Lebewesen geschaffene Struktur der Erde. Steinkorallen sind Korallen, die Kalk abscheiden und dadurch feste Riffstrukturen aufbauen. Das Riff bietet Lebensraum für viele weitere Arten: 80 Arten von Weichkorallen und Seefedern, über 1500 Fischarten, 1500 Schwammarten, 5000 Arten von Weichtieren, 800 Arten von Stachelhäutern wie Seesternen, 500 Arten von Seetang und 215 Vogelarten.
Im Gebiet leben sechs der weltweit sieben Arten von Meeresschildkröten. Dazu gehören die vom Aussterben bedrohten unechten Karettschildkröten und die Grüne Meeresschildkröte, die das Riff zur Eiablage nutzen. Ebenfalls gefährdet sind Dugongs, also Seekühe. Auch Buckelwale, die nahe der Antarktis leben, nutzen die warmen Gewässer, um ihre Jungen zu gebären.
Korallen können nur in klarem, sonnendurchflutetem Wasser mit einem engen Temperaturbereich von etwa 18 bis 30 Grad Celsius gedeihen. Viele Korallen leben in Symbiose mit Zooxanthellen, das sind Algen, die den Korallen Nährstoffe liefern und ihnen Farbe geben. Wird das Wasser zu warm, stoßen Korallen diese Algen ab. Dann wird das weiße Kalkgerüst sichtbar: Die Korallen bleichen aus. Wenn die Algen nicht zurückkehren, sterben die Korallen an Nährstoffmangel.
Die Fortpflanzung vieler Korallen geschieht am Great Barrier Reef bei der jährlichen Korallenblüte im australischen Frühjahr im November. Dabei geben Korallen Eizellen und Samen gleichzeitig in großer Menge ins Wasser ab. Der Zeitpunkt hängt unter anderem von etwa 27 °C Wassertemperatur, der Tageslänge und der Mondphase ab. Diese genaue Abstimmung erhöht die Chance auf erfolgreiche Befruchtung trotz Fressfeinden und starker Meeresströmungen.
Nutzung durch Menschen
Der Tourismus ist für das nördliche Queensland wirtschaftlich sehr wichtig. 2018 zählte die Nationalparkverwaltung 2,26 Millionen Touristentage. 2003 gaben Touristen über vier Milliarden australische Dollar aus. Insgesamt trägt das Riff zu etwa 70.000 Arbeitsplätzen und einer direkten Wirtschaftsleistung von über 3 Milliarden Euro bei.
Etwa 820 Anbieter organisieren Fahrten zum Riff. Sie nutzen ungefähr 1500 Boote, Hubschrauber und Kleinflugzeuge. Rund 85 Prozent des Tourismus konzentrieren sich auf Cairns und Airlie Beach. Die Angebote reichen von Tagestouren bis zu mehrwöchigen Segeltörns. Die Fahrzeuge reichen von kleinen Segelbooten bis zu großen Katamaranen mit über 400 Plätzen. Etwa 40 Prozent des Tourismusgeschäfts liegen bei den zehn größten Anbietern.
Besucher können das Riff trockenen Fußes mit Glasbodenbooten, Halb-U-Booten oder Unterwasserobservatorien erleben. Am beliebtesten sind jedoch Schnorcheln und Tauchen. Besonders geeignet sind Gebiete am äußeren Riffgürtel, dem Outer Barrier, weil die Nähe zum offenen Meer für bessere Sicht unter Wasser sorgt. Für Massentourismus und Tauchanfänger wurden im Außenriff Pontons fest verankert. Erfahrene Taucher nutzen häufig Tauchsafari-Boote von Cairns oder Port Douglas aus.
Schutz und Gefährdungen
Das Great Barrier Reef ist stark gefährdet, besonders durch die menschengemachte globale Erwärmung. Zwischen 1985 und 2012 ging die Korallenbedeckung von 28 auf 13,8 Prozent zurück. Infolge des Treibhausgasausstoßes galt ein weiterer Rückgang auf fünf bis zehn Prozent binnen zehn Jahren als wahrscheinlich. 2019 stufte Australien die Perspektive des Riffs von „schlecht“ auf „sehr schlecht“ herab. 2022 wurde zwar das stärkste Korallenwachstum seit 36 Jahren festgestellt, doch dieses Wachstum beruhte vor allem auf der empfindlichen Steinkorallengattung Acropora und kann daher schnell wieder enden.
Massenbleichen wurden unter anderem 1998, 2002, 2016, 2017, 2020, 2022, 2024 und 2025 beschrieben. Bis März 2024 litt das Riff zum fünften Mal seit 2016 und zum siebten Mal seit 1998 an einem großflächigen Korallenbleiche-Ereignis. Ursache sind erhöhte Meerestemperaturen durch die globale Erwärmung, teilweise verstärkt durch El Niño. Die durchschnittliche Meerwassertemperatur in der Region ist rund 1,5 °C höher als vor 150 Jahren. Laut AIMS war die Bleiche 2023/24 die bisher räumlich ausgedehnteste und schwerste am Great Barrier Reef. 2025 wurde eine weitere, sechste Bleiche seit 2016 verzeichnet, besonders im Norden.
Ein Langzeitbericht des Australian Institute of Marine Science aus dem Jahr 2025 dokumentiert nach der Bleiche 2023/24 die größten jährlichen Rückgänge der Hartkorallenbedeckung seit Beginn der Messungen 1986. Im Norden sank die durchschnittliche Bedeckung von 39,8 % im Jahr 2024 auf 30,0 % im Jahr 2025, im Zentrum von 33,2 % auf 28,6 % und im Süden von 38,9 % auf 26,9 %. Von 124 untersuchten Riffen verzeichneten 48 % Rückgänge, 42 % blieben stabil und 10 % nahmen zu.
Weitere Gefahren sind intensivere Zyklone, Meeresversauerung durch Kohlenstoffdioxid, Nähr- und Schwebstoffeinträge aus Landwirtschaft und Erosion, Bebauung, Häfen, Schifffahrt, Tourismus, Überfischung, Schleppnetze und Kohleindustrie. Jährlich gelangen laut Artikel etwa 14 Mio. Tonnen Erdreich aus dem Hinterland ins Meer, außerdem rund 66.000 Tonnen Stickstoffverbindungen, 14.000 Tonnen Phosphorverbindungen und 28 Tonnen Herbizide von landwirtschaftlichen Flächen. Auch der giftige Dornenkronenseestern schädigt Korallen, indem er lebende Korallenpolypen frisst. Seine Vermehrung wird vermutlich durch Nährstoffeinträge begünstigt, während Überfischung seine Fressfeinde verringert.
Welterbe und Maßnahmen
Zum Schutz vor Ölbohrungen und Unterwasserbergbau entstand Anfang der 1970er Jahre in Australien eine breite öffentliche Bewegung. 1975 wurde der Great Barrier Reef Marine Park geschaffen. Er umfasst 343.966 km² und ist wegen seiner Größe in mehrere Abschnitte unterteilt: Far Northern Section, Northern Section, Cairns Section, Central Section und Southern Section. Am 26. Oktober 1981 erklärte die UNESCO das Riffsystem zum Weltnaturerbe; es erfüllte alle vier damaligen Naturerbe-Kriterien.
Schutzmaßnahmen sind schwierig, weil die Belastungen viele Ursachen haben. Ein 25 Jahre angelegter Strategieplan soll helfen, das Ökosystem genauer zu erforschen und wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Maßnahmen wurden auch gegen Überfischung und Schäden durch Schleppnetze ergriffen. Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Bekämpfung des Dornenkronenseesterns. 2025 wurden auf den zentralen Riffen dank Kontrollprogrammen keine potenziellen, etablierten oder schweren Ausbrüche festgestellt; im Süden gab es aber weiterhin einzelne Ausbrüche bis hin zu einem schweren Ausbruch bei One Tree Island.
Die UNESCO diskutiert seit einigen Jahren, ob das Riff auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt werden soll. Kritisch gesehen wurden besonders wirtschaftliche Ausbaupläne an der australischen Küste, etwa der Hafen Abbot Point für Kohle und Flüssigerdgas. 2014 äußerte das Welterbe-Komitee Sorge, verschob aber eine Entscheidung. 2016 entfernte die UNESCO nach Intervention der australischen Regierung Passagen zu australischen Stätten aus einem Bericht über Klimarisiken für Welterbestätten. Diese Kürzung wurde öffentlich als Zensur wahrgenommen und stark kritisiert.