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Glaziallandschaft Lorze – Sihl mit Höhronenkette und Schwantenau

Das Schutzgebiet liegt am Dreiländereck der Kantone Zug, Zürich und Schwyz. Es umfasst eine gebirgige, waldreiche Naturlandschaft, Flusstäler und zahlreiche …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lage
  2. 2. Geologische Grundlagen und Eiszeitformen
  3. 3. Flüsse, Seen und Moore
  4. 4. Lebensräume, Pflanzen und Tiere
  5. 5. Kulturlandschaft und Nutzung
  6. 6. Ziele des Schutzes

Bedeutung und Lage

Die Glaziallandschaft Lorze – Sihl mit Höhronenkette und Schwantenau ist ein Landschaftsschutzgebiet am Übergang vom Schweizer Mittelland zu den Voralpen. Sie gehört als BLN-Objekt 1307 zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Das Gebiet liegt am Dreiländereck der Kantone Zug, Zürich und Schwyz und umfasst 10,808 Quadratkilometer. Seine nationale Bedeutung beruht vor allem auf den besonders gut erkennbaren Landschaftsformen aus dem Eiszeitalter, den naturnahen Flusstälern, den Mooren und Wäldern sowie einer schwach besiedelten Kulturlandschaft.

Zum Gebiet gehören Teile der Zürcher Gemeinden Hausen am Albis, Hirzel, Horgen, Oberrieden, Richterswil, Thalwil und Wädenswil, der Zuger Gemeinden Baar, Menzingen, Neuheim, Oberägeri und Unterägeri sowie der Schwyzer Gemeinden Einsiedeln, Feusisberg und Wollerau. Die drei wichtigsten Naturräume sind die Täler von Lorze und Sihl im Nordwesten, die Höhronenkette mit dem Raten im Südosten und das Hochmoor Schwantenau im Osten. Die Lorze entwässert ein Gebiet am Ägerisee; die Sihl durchquert die Kantone Schwyz, Zug und Zürich.

Der höchste Punkt liegt auf dem Höhronen bei 1229 m ü. M. Diese etwa zehn Kilometer lange Bergkette wird im Süden von der Hochebene an der Biber und im Norden vom Sihltal begrenzt. Ihre steilen, bewaldeten Flanken werden von zahlreichen Quellbächen entwässert. Auf dem Bergrücken steht am Zusammentreffen der drei Kantonsgrenzen der Dreiländerstein. Weitere Bestandteile der Landschaft sind der Zimmerberg, Teile des Wildnisparks Sihlwald, das Gebiet am Hirzel mit dem Chrutzelenmoos, das Hochplateau von Menzingen, die Baarburg und der Sihlsprung. Im Süden und Norden grenzen weitere BLN-Objekte an.

Geologische Grundlagen und Eiszeitformen

Der geologische Untergrund besteht aus Molassesandstein und Nagelfluhschichten. Darüber liegen quartäre Ablagerungen aus Moränen und Flusssedimenten, die stellenweise sehr mächtig sind. Moränen bestehen aus Gesteinsmaterial, das von einem Gletscher transportiert und abgelagert wurde. Besonders im Hirzelgebiet prägten Mittelmoränen des Linthgletschers die Oberfläche.

Als Glaziallandschaft gilt ein Gebiet, dessen Bodenstruktur und Oberfläche wesentlich durch eiszeitliche und fluvioglaziale Vorgänge entstanden sind. Fluvioglazial bezeichnet dabei die Wirkung von Gletschern und ihrem Schmelzwasser. Wiederholt vorstossende Alpengletscher vertieften durch Erosion ältere Mulden und Flusstäler und überformten niedrigere Hügel. An ihren Rändern lagerten sie Sedimente ab, schufen dadurch neue Geländeformen und veränderten das Gewässernetz.

Im Raum von Lorze und Sihl begegneten sich der aus dem Gotthard- und Vierwaldstätterseegebiet kommende Reussgletscher und der von Osten durch das Gebiet des heutigen Zürichsees fliessende Rhein-Linthgletscher. Dazwischen lag der kürzere Sihlgletscher. Die meisten Formen entstanden während der ersten Rückschmelzphase des Linthgletschers. Zu ihnen gehören langgezogene Moränenrücken, Seiten- und Mittelmoränen, Grundmoränen, Täler, Senken und runde Moränenhügel. Die Laubegg bei Hütten ist ein solcher Moränenhügel. Aus überdeckten Moränen entstanden teilweise Drumlins, also längliche, vom Eis geformte Hügel. Die Hügelreihe Hirzel–Höhi–Chapf besteht aus dem Material einer Mittelmoräne. Das Gebiet Winzenbach–Winzwilen–Brettigen–Wilen–Schwand–Schwelli–Ölegg–Hof nordöstlich von Menzingen gilt als einmaliges, von Moränen und Drumlins geprägtes Geotop.

Flüsse, Seen und Moore

Moränen veränderten auch die Wege der Flüsse. Besonders deutlich zeigt dies die Sihl: Bei Schindellegi kann sie weder zum nahen Zürichsee hinabfliessen noch wegen der Aufschotterung ihrem früheren Weg von Sihlbrugg zum Zugersee folgen. Stattdessen fliesst sie auf der Aussenseite der südlichen Gletschermoräne durch das Sihltal bis Zürich und mündet nach einem fast 40 Kilometer langen neuen Lauf in die Limmat.

In Senken zwischen Moränenwällen und in ehemaligen Toteislöchern, die nach dem Abschmelzen zurückgebliebener Eisblöcke entstanden, bildeten sich kleine Seen. Die bedeutendsten sind der Hüttnersee bei Samstagern und der Wilersee bei Menzingen. Viele kleinere Gewässer verlandeten. Seeablagerungen und Flusssedimente schufen Ebenen; in feuchten Mulden entstanden Moore und wichtige Amphibienlaichgebiete.

Das 116 Hektaren grosse Feuchtgebiet Schwantenau liegt auf einer Hochebene zwischen Sihl, Alp und Sihlsee. Es enthält das drittgrösste Hochmoorbiotop der Schweiz und ist im Bundesinventar der Hoch- und Übergangsmoore von nationaler Bedeutung verzeichnet. Die Landschaft zeichnet sich insgesamt durch eine gut ablesbare Entstehungsgeschichte der Täler von Sihl und Lorze, naturnahe Flussabschnitte und vielfältige Moorbiotope aus.

Lebensräume, Pflanzen und Tiere

Die unterschiedlichen Höhenlagen und Geländeformen bieten zahlreiche Lebensräume. In der Sihlschlucht und im Lorzetobel wachsen Auenwälder, darunter seltene Ulmen-Eschenhartholzwälder. Auf trockenen Mergelhängen kommt Orchideen-Föhrenwald vor. Bei Menzingen liegen Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung. Ein typisches Merkmal der Drumlinlandschaft sind einzelne Linden auf den Hügeln. Einige früher beweidete Magerwiesen am Höhronen wurden im 20. Jahrhundert aufgegeben und später von Wald überwachsen.

Die Moore bei Menzingen, am Ratenpass und im Osten des Gebiets sind Rückzugsräume bedrohter Arten wie Skabiosen-Scheckenfalter und Kleiner Moorbläuling. Stellenweise wächst dort seltener Föhren-Birken-Bruchwald. Das Hinterbergried bei Schönenberg ist ein Flachmoor von nationaler Bedeutung. In der Schwantenau kommen ausgedehnte Kleinseggenriede, Hochstaudenriede und Pfeifengraswiesen vor. Im seltenen Hochmoor Abschwändi auf dem Gottschalkenberg wachsen auch subalpine Pflanzen. Dort wurden der ursprüngliche Föhrenwald gerodet und Torf abgebaut. Schwarz-Erlen und Birken sind in den Moorgebieten verbreitet.

Ehemalige Kiesabbauflächen bei Neuheim und Menzingen bieten Lebensräume für Pionierpflanzen und Amphibien. Bei Dreiwässeren, wo die Alp in die Sihl mündet, wurde eine 18 Hektaren grosse Auenlandschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts als national bedeutendes Amphibienlaichgebiet aufgewertet.

Der Höhronen ist grossflächig bewaldet. In den niederschlagsreichen Weisstannen-Rottannen-Mischwäldern der Nordflanke wachsen unter anderem Grauer Alpendost, Alpen-Milchlattich, Berg-Goldnessel, Gelber Eisenhut und Ausdauernde Mondviole. Im Waldnaturschutzgebiet Gutschwald lebt das in der Schweiz als gefährdet eingestufte Auerhuhn. Überregional bedeutende Wildtierkorridore verbinden die grossen Waldgebiete, darunter das Sihltobel, das Gebiet nördlich von Neuheim und der Etzel. Wichtig ist auch die Wildtierpassage über die Hauptstrasse 8 im Chaltenboden.

Kulturlandschaft und Nutzung

Nordwestlich des Höhronen liegt eine offene, stark gegliederte Hügellandschaft. Durch historische Rodungen besitzt sie nur noch wenig Wald. Kleine Dörfer, Weiler und einige grössere Ortschaften liegen in einer teilweise intensiv landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft.

Ein historisch entstandenes Strassen- und Wegenetz durchzieht das Gebiet. Auffällige Bauwerke sind die drei Lorzentobelbrücken an der Hauptstrasse 381 von Zug nach Sattel. Sihlbrugg und Biberbrugg sind wichtige Verkehrsknoten. Zwischen Biberbrugg und Schindellegi verlaufen die Hauptstrasse 8 und die Südostbahn durch das Schutzgebiet. In Sihlbrugg treffen die Hauptstrasse 4, die Strasse über den Hirzelpass und mehrere Nebenstrassen zusammen. Bergstrassen überqueren die als Aussichtspunkte bekannten Pässe Gottschalkenberg und Raten.

Über den Raten führt die alte Pilgerroute von Zug nach Einsiedeln. Das Wanderwegnetz umfasst Abschnitte des Alpenpanorama-Fernwanderwegs, SchweizMobil-Route 3, sowie den Zürichsee-Rundweg und den Mülitobel-Sihl-Weg.

Seit dem Mittelalter nutzte man das starke Gefälle der Gewässer für Mühlen und Gewerbebetriebe, seit dem 19. Jahrhundert auch für Wasserkraftwerke. Der Teufenbachweiher ist ein künstliches, mit Sihlwasser gefülltes Staubecken des Kraftwerks Waldhalde. Torfabbau veränderte seit dem 18. Jahrhundert besonders die Schwantenau. In der Moränenzone von Menzingen wird in grossem Umfang Kies gewonnen. Einige ehemalige Abbauflächen entwickelten sich jedoch zu neuen Biotopen. Die Wälder des Höhronen dienen seit dem Mittelalter als Bauholzquelle; ein Staatswald des Kantons Zug wird zugleich von ETH und WSL für Forschung und Bildungsarbeit genutzt.

Ziele des Schutzes

Die Schutzbestimmungen sollen den besonderen Natur- und Kulturraum dauerhaft bewahren. Zentrale Ziele sind:

• Erhaltung der Moränenlandschaft mit ihrem vielfältigen Formenschatz.

• Erhaltung der natürlichen Dynamik der Flusslandschaften von Lorze und Sihl sowie der Ursprünglichkeit ihrer nicht erschlossenen Abschnitte.

• Erhaltung der Tropfsteinhöhlen und Quelltuffkomplexe in den Höllgrotten.

• Erhaltung der weitgehend intakten Silhouette des Höhronen und seiner zusammenhängenden, teilweise abgeschiedenen und ungestörten Waldgebiete.

• Erhaltung der Hoch- und Flachmoore sowie der Trockenbiotope mit ihrer Qualität, ökologischen Funktion, Vernetzung und ihren charakteristischen Pflanzen- und Tierarten.

• Förderung einer an den jeweiligen Standort angepassten landwirtschaftlichen Nutzung.

• Erhaltung der Kulturlandschaft mit ihrer charakteristischen Siedlungsstruktur und ihren landschaftsprägenden sowie kulturhistorisch bedeutenden Elementen, insbesondere den historischen Brücken im Lorzentobel.

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