Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

GermanZero

GermanZero ist eine deutsche Klimaschutzorganisation, die sich für die schnelle und drastische Minderung von Treibhausgasemissionen in Deutschland einsetzt.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Ziel
  2. 2. Organisation
  3. 3. Kommunale Arbeit mit LocalZero
  4. 4. Bundespolitische Arbeit
  5. 5. Klimaplan und wissenschaftliche Grundlage
  6. 6. Gesetzespaket

Überblick und Ziel

GermanZero e. V. ist eine deutsche Klimaschutzorganisation. Sie setzt sich für eine schnelle und drastische Senkung der Treibhausgasemissionen in Deutschland ein. Treibhausgase sind Gase wie CO2, die zur Erderhitzung beitragen. GermanZero begründet sein Ziel mit dem Pariser Weltklimaabkommen von 2015: Deutschland soll seine völkerrechtliche Verpflichtung einhalten und zur Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad beitragen.

Die Organisation verfolgt dafür zwei Wege: Arbeit auf Bundesebene und Arbeit in Kommunen. Auf Bundesebene entwickelte GermanZero zunächst einen 1,5-Grad-Klimaplan und daraus ein 1,5-Grad-Gesetzespaket mit politischen Maßnahmen. Seit 2024 liegt der bundespolitische Schwerpunkt stärker auf der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen und auf einer Reform der Schuldenbremse. Außerdem führt GermanZero sogenannte Politikgespräche mit Regierungsvertretern, Bundestagsabgeordneten und Mitarbeitenden, um für Maßnahmen zur Klimaneutralität zu werben. Klimaneutralität bedeutet, dass unterm Strich keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen.

Auf kommunaler Ebene betreibt GermanZero das Netzwerk LocalZero. Es unterstützt ehrenamtliche Teams dabei, ihre Stadt oder Gemeinde klimaneutral zu machen. GermanZero versteht sich als bürgerliche Initiative in der Klimabewegung und wird von einem Netzwerk von mehr als 1.000 ehrenamtlich organisierten Bürgern unterstützt, die teilweise auch operativ mitarbeiten.

Organisation

GermanZero ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein mit Sitz in Hamburg. Die Geschäftsstelle befindet sich in der Marienstraße 26 in 10117 Berlin. Gegründet wurde die Initiative 2019 in Hamburg; initiiert wurde sie im Herbst 2019 von Claas Helmke und Heinrich Strößenreuther. Heinrich Strößenreuther hatte 2016 auch das Volksbegehren für ein fahrradfreundliches Berlin mitinitiiert und gehört zu den Gründungsmitgliedern des eingetragenen Vereins Klimaunion.

Zum Vorstand von GermanZero gehören Albrecht von Sonntag, Friedemann Brockmeyer und Martin Oetting. Geschäftsführer war von November 2020 bis Januar 2025 Julian Zuber, der die Organisation als eines der Gründungsmitglieder mit aufgebaut hat. Im Mai 2024 kam Michael Schäfer als zweiter Geschäftsführer hinzu; von Februar 2025 bis August 2026 war er alleiniger Geschäftsführer. Seit September 2026 ist Janina Hildebrandt zweite Geschäftsführerin.

GermanZero e. V. nahm im Jahr 2022 insgesamt 1.872.504 Euro ein, davon 57 Prozent von Großspendern. Als Vereinsziele werden Wissenschaft und Forschung, Bildung und Umweltschutz genannt; diese gelten nach § 52 Abs. 2 AO als gemeinnützig. Stand Mai 2023 arbeiteten 24 Personen in Festanstellung für den Verein; in der Infobox werden für 2026 30 Beschäftigte und für 2025 14 Mitglieder genannt. GermanZero ist Mitglied der Initiative Transparente Zivilgesellschaft und veröffentlicht grundlegende Informationen zu Zielen, Mittelherkunft und -verwendung sowie Personalstruktur.

Kommunale Arbeit mit LocalZero

LocalZero ist das kommunal aktive Netzwerk von GermanZero. Es unterstützt Lokalgruppen in Städten und Gemeinden dabei, den Weg zur Klimaneutralität in ihrer Region politisch und gesellschaftlich anzustoßen und zu begleiten. Dieses lokale Engagement versteht GermanZero als zweites Standbein neben der Arbeit auf Bundesebene.

LocalZero bietet unter anderem Anleitungen für erste Schritte, einen Katalog von Praktiken, Workshops zum Start von Klimaentscheiden, Vernetzungsmöglichkeiten, Mustervorlagen und eine Patenbegleitung. Ein Klimaentscheid ist eine lokale Initiative, die politische Beschlüsse oder Verfahren für mehr Klimaschutz in einer Kommune anstößt. Zu den Praktiken gehört ein „Klimaweg“, der Handlungsoptionen für Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zeigt.

Ein zentrales Werkzeug ist der frei zugängliche Klimavisions-Generator, den GermanZero mit Klimawissenschaftlern entwickelt hat. Auf Grundlage örtlicher Daten berechnet er überschlägig, wo und wie eine Kommune Treibhausgasemissionen senken kann. Außerdem werden grob Kosten, benötigte Investitionen, Personalbedarf und Arbeitsplatzeffekte für die regionale Wirtschaft quantifiziert. Der Klimastadtplan-Generator ist für Gemeinden ab 5.000 Einwohnern einsetzbar.

Am 1. Mai 2020 startete Essen als erste Stadt mit Unterstützung von GermanZero eine Initiative für einen kommunalen Klimaentscheid. Danach folgten Initiativen in 116 weiteren Orten; aktuell sind davon 85 Teams aktiv. Die Klimaentscheide unterscheiden sich zum Beispiel nach Methode, konkreter Fragestellung, Zieljahr für Klimaneutralität, Adressat und aktuellem Status. Methoden können Bürgerbegehren, Ratsantrag, Einwohnerantrag, Gespräche oder Aktionen sein. In Münster wurde der Klimaentscheid am 26. August 2020 mehrheitlich vom Rat der Stadt beschlossen. Insgesamt haben 25 Städte und Kommunen nach der Gründung einer lokalen Klimaentscheid-Gruppe einen Beschluss für Klimaneutralität bis spätestens 2035 gefasst, meist nach einer Unterschriftensammlung zu Bürgerbegehren oder Einwohnerantrag.

Bundespolitische Arbeit

In den ersten Jahren nach der Gründung konzentrierte GermanZero seine Arbeit auf Bundesebene auf den 1,5-Grad-Klimaplan und das daraus entwickelte 1,5-Grad-Gesetzespaket. Danach folgte Lobbyarbeit für die darin enthaltenen Maßnahmen zur Klimaneutralität.

Seit 2024 setzt GermanZero bundespolitisch einen Schwerpunkt auf Klimafinanzierung. Klimafinanzierung meint die Frage, wie Klimaschutzmaßnahmen bezahlt werden können. Im März 2025 veröffentlichte GermanZero ein Rechtsgutachten der Anwälte Dr. Roda Verheyen und Johannes Franke. Nach eigener Darstellung trug die Organisation damit dazu bei, den Verwendungszweck „Klimaneutralität bis 2045“ als Zweck des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität im Grundgesetz zu verankern.

Zusätzlich lädt GermanZero Bürger dazu ein, Politiker zur Abgabe eines Klimaversprechens für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels aufzufordern. Bundestagsabgeordnete wurden im Rahmen dieser Kampagne bisher fast 30.000 Mal zu Klimaversprechen aufgefordert. Ziel ist ein Dialog zwischen Bürgern und Abgeordneten in allen Wahlkreisen. GermanZero begleitet Bürger dabei über die Gründung von Ortsgruppen und bei der Vorbereitung und Durchführung von Gesprächen.

Klimaplan und wissenschaftliche Grundlage

Am 17. Dezember 2019 stellte GermanZero den 1,5-Grad-Klimaplan vor. Er beschrieb Grundzüge eines sektorübergreifenden Maßnahmenkatalogs, mit dem Deutschland das 1,5-Grad-Ziel erreichen sollte. Sektorübergreifend bedeutet, dass mehrere Bereiche wie Energie, Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft gemeinsam betrachtet werden. Grundlage waren Ergebnisse einer Klimapolitik-Zukunftswerkstatt im November 2019, an der rund 30 deutsche Umwelt- und Politikexperten teilnahmen.

Ausgangspunkt war eine vom Bundesumweltministerium bestätigte Beispielrechnung des Klimaforschers Stefan Rahmstorf. Sie bezog sich darauf, wie viel CO2 Deutschland bei einer maximalen Erderhitzung von 1,75 Grad noch ausstoßen kann. Für das 1,5-Grad-Ziel standen Deutschland demnach 2020 nur noch 2,4 Gigatonnen CO2 zur Verfügung. Bei einem jährlichen Ausstoß von 0,7 Gigatonnen wäre dieses Budget bereits Mitte 2023 verbraucht gewesen.

Der Klimaplan beschrieb, wie Deutschland bis 2035 klimaneutral werden und das 1,5-Grad-Ziel einhalten sollte. Genannt wurden unter anderem klimafreundliche Transformation und steigende CO2-Mindestpreise in den Bereichen Energie, Industrie, Verkehr, Gebäude und Wärme, Landwirtschaft, Landnutzung und Ernährung. Außerdem sollten klimaschädliche Subventionen ab- und umgebaut und Klimaschutz rechtlich verankert werden. Auch Maßnahmen für Einzelpersonen wurden genannt, etwa bei Verkehrsnutzung, Ernährung, Stromverbrauch und Heizen. Deutschland solle als wichtiger Emissionsverursacher außerdem globale Mitverantwortung übernehmen und andere Länder bei Finanzierung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen unterstützen.

Gesetzespaket

Aus dem 1,5-Grad-Klimaplan entwickelte GermanZero ein 1,5-Grad-Gesetzespaket. Es wurde am 28. Februar 2022, vier Tage nach Beginn des Ukrainekrieges, an die Bundestagsfraktionen übergeben. An der Entwicklung waren rund 300 ehrenamtliche Fachleute beteiligt. Zusätzlich brachten Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft ihre Expertise ein, unter anderem in 32 „Werkstätten“ mit 142 Teilnehmern aus rund 100 Organisationen. Stephan Breidenbach leitete als Experte für Gesetzgebungslehre die Entwicklung.

Das Gesetzespaket hatte zwei Stoßrichtungen. Erstens sollte eine CO2-Steuer soziale oder strukturelle Benachteiligungen ausgleichen, die bei der Transformation zur Klimaneutralität bis 2035 entstehen. Dahinter stand GermanZeros Forderung nach einer fairen Klimawende: Verursacher von Treibhausgasverschmutzung sollten entsprechend ihren Emissionen an den Kosten der Klimaneutralisierung beteiligt werden.

Zweitens sollten zahlreiche Einzelgesetze angepasst werden, um strategische Stellschrauben zu verändern. Beispiele sind eine Verkehrswende in Land und Stadt, eine beschleunigte Energiewende, Zuschüsse für klimaneutrale Heizungen und weitere Maßnahmen. Insgesamt enthält das Paket rund 230 Gesetzesmaßnahmen für die Sektoren Energie, Verkehr, Industrie, Gebäude und Landwirtschaft sowie für einen CO2-Preis und internationalen Ausgleich.

Weiterlesen