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Fresswelle

Als Fresswelle wird das sich in den Nachkriegsjahren in der Bundesrepublik Deutschland rasant entwickelnde Bedürfnis nach hochwertigem und reichhaltigem …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung der Fresswelle
  2. 2. Ursachen und neue Essgewohnheiten
  3. 3. Folgen für Konsum und Alltag

Bedeutung der Fresswelle

Als Fresswelle bezeichnet man das in den Nachkriegsjahren der Bundesrepublik Deutschland rasch wachsende Bedürfnis nach hochwertigem und reichhaltigem Essen. Sie prägte besonders die 1950er Jahre. Nach den Entbehrungen und Hungererfahrungen von 1944/45 bis zum Wirtschaftswunder konnten viele Menschen ihren zuvor nicht gedeckten Bedarf an Nahrungsmitteln nachholen.

Die Fresswelle war ein frühes Zeichen des steigenden Wohlstands. Sie ging teilweise mit Übergewicht und einer sozialen Akzeptanz davon einher: Eine dicke und runde Figur konnte als sichtbarer Beweis gelten, dass man die „Trümmerjahre“ überwunden hatte. Ludwig Erhard, Symbol des Wirtschaftswunders, spiegelte mit seinem Übergewicht für viele dieses Lebensgefühl wider.

Ursachen und neue Essgewohnheiten

Wesentliche Ursachen waren stark steigende Real- und Nominallöhne sowie schnell sinkende Lebensmittelpreise. Realer Lohn bedeutet dabei die Kaufkraft eines Einkommens, also welche Waren man dafür kaufen kann; Nominallohn ist der Geldbetrag des Lohns. Zunächst ging es vielen Menschen nicht um feines Essen, sondern um das Nachholen von Grundbedürfnissen.

Zunächst teure Luxusgüter wurden nach und nach erschwinglich und ihr Marktanteil stieg. Der Konsum förderte das Wachstum der Volkswirtschaft. Auf die Fresswelle folgten Kleidungs-, Einrichtungs-, Auto- und Urlaubswellen.

Auch die Küche veränderte sich. Fremde Nahrungsmittel und Gewürze wurden aufgenommen: Neben Schweineschmalz nutzte man Kokosfett wie Palmin. Ketchup, Mixed Pickles und scharfe Saucen aus den USA waren zuvor in der deutschen Küche recht unbekannt. Besonders begehrt waren Südfrüchte. Kondensmilch wurde beliebt, nicht nur für Kaffee, sondern auch direkt aus der angestochenen Dose; für Kinder war die süße Milch eine Delikatesse.

Folgen für Konsum und Alltag

Bis zum Beginn der 1960er Jahre verlagerten Haushalte ihre Ausgaben zu „höherwertigen“ und zu „exotischen“ Lebensmitteln. Dadurch änderte sich der Alltag: Die Ernährung wurde internationaler, und technische Innovationen gewannen an Bedeutung.

Fortschritte gab es besonders in der Konservierungstechnik. Während Konserven Ende der 1940er Jahre noch kaum genutzt wurden, nahm ihre Verwendung zu Beginn der 1950er Jahre langsam zu; ihren Höhepunkt erreichte sie erst in den folgenden beiden Jahrzehnten.

Mit Coca-Cola hielt auch eine weitreichende Akzeptanz des US-amerikanischen Lebensstils Einzug. Für viele Deutsche stand die Limonade für neugewonnene Freiheit und Lebensfreude. Der „American Way of Life“ erschien als Symbol für die Befreiung von Sorgen und Elend sowie als Schritt in ein modernes Leben.

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