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Fischland
Zehn geographische Exkursionen durch typische Landschaften eines neuen Bundeslandes. Höller und Zwick, Braunschweig 1991, ISBN 3-89057-013-5, S. 115 …
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Lage und Bedeutung
Fischland ist eine Landbrücke an der südlichen Ostseeküste der Mecklenburger Bucht. Es bildet zusammen mit Darß und Zingst die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Fischland gehört zum Landesteil Mecklenburg, während der Darß bereits zu Vorpommern gehört. Die Grenze zwischen beiden Landesteilen verläuft am Grenzweg in Ahrenshoop.
Fischland ist das westlichste Element der Boddenausgleichsküste Mecklenburg-Vorpommerns. Heute verbindet es den Darß mit dem Festland. Historisch war Fischland jedoch eine Insel, die im Süden durch den Permin und im Norden durch den Loop begrenzt wurde. Beide Seegatten waren bis ins 14. Jahrhundert schiffbar. Der Loop beziehungsweise seine frühere Lage kennzeichnet zugleich die Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern.
Räumliche Gliederung
Die genaue Abgrenzung des Fischlands ist nicht vollständig einheitlich. In neuerer Zeit werden auch die Ribnitzer Stadtwiesen südlich von Wustrow einbezogen. Dieses Gebiet wird Niederes Fischland genannt. Als Südgrenze gelten dann meist Dierhagen und der Nordrand des Ribnitzer Forsts. Das historische Fischland entspricht dagegen im Wesentlichen dem Bereich zwischen Permin und Loop.
Im Nordwesten und Südosten wird Fischland durch unterschiedliche Küstenformen begrenzt: zur Ostsee hin durch das aktive Kliff, das Hohe Ufer, und den flachen Strand; zum Saaler Bodden hin durch die Uferlinie. Die Halbinsel verläuft von Südwest nach Nordost. Je nach Grenzziehung ist sie 5 km bis 8,5 km lang und zwischen 400 m und 2,5 km breit. An der schmalsten Stelle bei Wustrow liegen zwischen dem Ostseestrand und dem Ufer des Permin kaum 400 m.
Die höchste Erhebung ist der Bakelberg nahe dem Steilufer bei Althagen und Niehagen. Er erreicht 17,9 m über NN. Insgesamt liegen nur vier Ortschaften vollständig auf Fischland: die Ahrenshooper Ortsteile Althagen und Niehagen sowie Wustrow mit dem Ortsteil Barnstorf. Diese Orte sind heute größtenteils miteinander verwachsen. Der alte, nördliche Teil Ahrenshoops liegt dagegen bereits auf dem Vordarß und damit auf (vor-)pommerschem Gebiet.
Entstehung und Schließung der Seegatten
Der pleistozäne Kern des Fischlands, das Hohe Fischland, entspricht auch der historischen Insel. Er besteht aus Schmelzwassersanden und Geschiebemergeln des Weichsel-Glazials. Im jüngeren Holozän, ab etwa 5000 v. Chr., veränderte sich dieser Kern durch Küstenausgleich. Dabei wirkten Strömung, Wellengang und Wind zusammen.
An der Ostseeseite führte Erosion zur Entstehung der Steilküste. Erosion bedeutet hier den Abtrag von Küstenmaterial. Gleichzeitig lagerten sich nördlich und südlich des ursprünglichen Fischlands Sedimente an. Durch diese Anlandung, also die Ablagerung von Material, entstanden allmählich die Landverbindungen zum Darß und zum Festland. So wurde aus der Insel eine Landbrücke.
Auch menschliche Eingriffe trugen zur Schließung der Seegatten bei. 1392 oder 1393 zerstörten 1000 Männer aus Rostock den Hafen von Ahrenshoop und „verdämmten“ den Loop. Die Rostocker Patrizier sahen ihre Handelsprivilegien durch einen Seehafen am Darß bedroht; außerdem waren sie an den Aktivitäten der Vitalienbrüder beteiligt. Um 1400 versenkten die Stralsunder im Permin drei Schiffe und schlossen ihn dadurch. Der Loop, auch Darßer Kanal genannt, blieb wahrscheinlich noch bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts dauerhaft offen.
Die Landengen wurden jedoch auch nach ihrer Schließung durch Sturmhochwasser wiederholt aufgerissen. Der Loop wurde nachweislich 1625, 1761 und 1872 durchbrochen. Beim Permin geschah dies 1786 sowie zuletzt 1872 und 1875. Die Küstenveränderung dauert bis heute an: Stürme tragen durchschnittlich einen halben Meter Material pro Jahr von der Ostseeküste Fischlands ab. Dieses Material wird weiter nördlich am Darßer Ort wieder angelagert.