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Explication de texte

Die explication de texte, oft auch als explication française bezeichnet, ist eine Methode zur Analyse literarischer Texte, die den Literaturunterricht in …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Methode und Bedeutung
  2. 2. Grundannahmen der Textdeutung
  3. 3. Literaturtheoretische Grundlage und Vergleich
  4. 4. Kritik

Methode und Bedeutung

Die explication de texte, oft auch explication française genannt, ist eine Methode zur Analyse literarischer Texte. Sie prägt den Literaturunterricht in Frankreich und ist eine Pflichtübung für das Baccalauréat, die Concours, Agrégations und viele weitere Prüfungen. Seit ihrer Einführung ab 1880 durch Gustave Lanson im Rahmen der Reform des französischen Universitätswesens blieb sie trotz literaturtheoretischer Paradigmenwechsel prägend. Romanisten bezeichneten diese Praxis teilweise als „sakrosankt“, „Religion“ oder „Initiationsritus“.

Eine explication folgt einer strengen dreistufigen Form: introduction, développement und conclusion. Als Vorlage dient beispielsweise ein Gedicht oder ein Romanauszug. Zunächst werden formale und stilistische Merkmale genau untersucht. Anschließend werden sie auf den gesamten Text bezogen, um zu erklären, wie sie dessen Aussage unterstützen und worin diese Aussage besteht.

Grundannahmen der Textdeutung

Die Methode ist stark formalistisch und werkimmanent: Sie betrachtet den einzelnen Text vor allem aus sich selbst heraus. Da Prüflinge meist einen unbekannten Text erläutern, wird angenommen, dass seine Aussage durch sorgfältige hermeneutische Lektüre erschlossen werden kann. Hermeneutisch bedeutet hier: den Sinn eines Textes verstehend auszulegen.

Außertextuelle Bezüge werden meist vernachlässigt oder bewusst ausgeschlossen. Dazu gehören historischer Kontext, Biografie des Autors sowie soziologische und ideologische Überlegungen. Als literaturwissenschaftliche Ausrichtung etablierte sich die explication de texte besonders von den 1930er Jahren bis Anfang der 1960er Jahre als Gegenreaktion auf biografische, historische oder soziologische Kausalanalysen.

Literaturtheoretische Grundlage und Vergleich

Grundlage ist das Postulat der Autonomie des einzelnen literarischen Werks als sprachlich-ästhetische Einheit. Untersucht werden daher nicht vorrangig Funktion oder Wirkung eines Textes, sondern die als gegeben angenommene literarische Qualität einzelner Werke. Diese Qualität soll sich in stilistischer Harmonie sowie in der Kohärenz und Stimmigkeit aller formalen Bestandteile zeigen.

Unterschieden werden Werkstil, also der Stil eines einzelnen Werks, Personalstil, also der Stil im Gesamtwerk eines Autors, sowie teilweise Epochen- oder Zeitstil in bestimmten Werken einer Zeit. Die Absicht des Autors bleibt außer Betracht. Nach Staiger soll ausschließlich die „makellose Schönheit als solche verstanden werden“. Werke, die der dabei vorausgesetzten ästhetischen Norm von Literarizität nicht entsprechen, haben in dieser Methode keinen Anspruch auf Geltung.

In der englischsprachigen Literaturtheorie und -didaktik der Mitte des 20. Jahrhunderts entsprechen dem practical criticism von I. A. Richards und das close reading der New Critics. Das New Criticism ist jedoch stärker von literaturtheoretisch-ideologischen Voraussetzungen geprägt. Dort und in der werkimmanenten Interpretation wird außerdem Einfühlen stärker betont: Einem zunächst spontanen Verständnis der Textstimmigkeit folgen objektivierende Stilanalyse und eine Zusammenfassung zu einem literaturwissenschaftlich gesicherten Urteil.

Kritik

Kritiker wenden ein, dass dieses Deutungsverfahren wichtige Bedeutungskonstituenten ausblendet, also Faktoren, die zur Bedeutung eines Textes beitragen. Außerdem könne die Interpretation in erheblichem Maß vom individuellen Geschmacksurteil des jeweiligen Interpreten abhängen. Ein solches Urteil sei wissenschaftlich nicht verifizierbar.

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