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Digitale Geographien

Das Schlagwort Digitale Geographien bezeichnet ein Arbeitsfeld der sozial- und kulturwissenschaftlich orientierten Geographie. Es umfasst Forschungen und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Gesellschaftliche Raumverhältnisse
  3. 3. Analyse digitaler Daten
  4. 4. Gestaltung digitaler Transformation
  5. 5. Wissenschaftliches Netzwerk und Literatur

Begriff und Bedeutung

Digitale Geographien sind ein Arbeitsfeld der sozial- und kulturwissenschaftlich orientierten Geographie. Untersucht wird, wie die Digitalisierung gesellschaftliche Raumverhältnisse verändert, wie digital erfasste Geo- und andere Daten zur Erforschung sozialer sowie sozial-ökologischer Prozesse genutzt werden können und wie die digitale Transformation räumlich und materiell gestaltet wird. Neben Forschung gehören auch didaktische Arbeiten zu diesem Feld.

Gesellschaftliche Raumverhältnisse

Ein Schwerpunkt liegt auf den sozialen und räumlichen Folgen des digitalen Zeitalters. Dabei wird untersucht, welche Vernetzungen durch digitale Interaktionen entstehen und wer von ihnen ausgeschlossen bleibt. Eine zentrale Frage ist, ob sich durch die Digitalisierung neue Ungleichheiten bilden oder bereits bestehende Ungleichheiten fortsetzen.

Weitere Untersuchungen beschäftigen sich damit, wie geographisches Wissen hergestellt und angeeignet wird. Digitale geographische Informationen können Räume „digital augmentieren“, also mit digitalen Informationen erweitern, und dadurch ihre Nutzung und Wahrnehmung verändern. Außerdem wird erforscht, wie digitale Ökonomien die räumliche Organisation wirtschaftlicher Beziehungen umgestalten.

Analyse digitaler Daten

Digitale Geographien analysieren gesellschaftliche und ökologisch-planetare Prozesse, die zunehmend digital erfasst werden. Offen verfügbare Geodaten können beispielsweise zur Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen beitragen. Sensordaten können Einblicke in sozial-ökologische Transformationsprozesse geben, also in Veränderungen, die Gesellschaft und Umwelt zugleich betreffen.

Zugleich werden blinde Flecken, Grenzen und ethische Herausforderungen solcher Analysen untersucht. Wichtig sind deshalb der Austausch zwischen datenbasierten Methoden und theoretischen Überlegungen sowie eine kritische Reflexion der verwendeten Methoden. Verbindungen bestehen zu critical GIS, critical remote sensing und critical data studies. Diese Ansätze untersuchen Geoinformationssysteme, Fernerkundung und Datenpraktiken kritisch. Weitere Bezüge gibt es zur Kritischen Kartographie sowie zu den interdisziplinären Digital Humanities und Spatial Humanities, den digitalen beziehungsweise raumbezogenen Geistes- und Sozialwissenschaften.

Gestaltung digitaler Transformation

Die digitale Transformation gilt in diesem Forschungsfeld nicht als rein technische Entwicklung, sondern als gestalteter und politischer Prozess. Untersucht wird, welche historisch und geographisch unterschiedlichen Leitbilder Digitalpolitik prägen. Dazu gehören Raumkonzepte wie „Netzwerkgesellschaft“, „Datenräume“ und „smarte Städte“, mit denen bestimmte politische Maßnahmen begründet werden.

Ein weiterer Gegenstand ist die Umsetzung von Digitalpolitik in konkrete Infrastrukturen. Digitale Systeme besitzen eine materielle Grundlage und haben deshalb auch ökologische Bedeutung. Die Forschung betrachtet somit nicht nur digitale Anwendungen, sondern ebenso ihre räumlichen, technischen und materiellen Voraussetzungen.

Wissenschaftliches Netzwerk und Literatur

Das wissenschaftliche Netzwerk „Digitale Geographien“ entstand aus mehreren Workshops in den 2010er Jahren. Von 2018 bis 2022 wurde es als Wissenschaftsnetz von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Es verbindet Forschungsarbeiten zu Digitalen Geographien in der deutschsprachigen Wissenschaft; vergleichbare Netzwerke entstanden auch in der englisch- und französischsprachigen Geographie.

Als Einführungen nennt der Artikel unter anderem Marc Boecklers Beitrag „Neogeographie, Ortsmedien und der Ort der Geographie im digitalen Zeitalter“ von 2014, das „Handbuch Digitale Geographien. Welt – Wissen – Werkzeuge“ von Tabea Bork-Hüffer, Henning Füller und Till Straube aus dem Jahr 2021 sowie „Digitale Geographien. Einführungen in sozio-materiell-technologische Raumproduktionen“ von Tabea Bork-Hüffer und Anke Strüver aus dem Jahr 2022.

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