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Dieudonné Thiébault
1765 berief ihn König Friedrich II. von Preußen als Professor für französische Grammatik nach Berlin, sowie um seine französisch geschriebenen Schriften zu …
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Überblick
Dieudonné Thiébault (* 26. Dezember 1733 in La Roche; † 5. Dezember 1807 in Versailles) war ein französischer Literat. Ein Literat ist hier ein Schriftsteller und Gelehrter, der sich mit Sprache, Stil, Politik und Gesellschaft beschäftigte. Besonders wichtig wurde Thiébault durch seine Verbindung zu Friedrich II. von Preußen: 1765 berief ihn der König nach Berlin, wo er Professor für französische Grammatik wurde und die französisch geschriebenen Texte Friedrichs korrigierte.
Thiébault blieb 20 Jahre am preußischen Hof. Dabei sollte er sein „reines Französisch“ bewahren und musste versprechen, kein Deutsch zu lernen. Seine Berliner Zeit machte ihn zu einem Beobachter der preußischen Politik, Verwaltung, Hofgesellschaft und Gelehrtenwelt. 1804 beziehungsweise 1805 veröffentlichte er in Paris seine Erinnerungen an diese Zeit unter dem Titel „Mes souvenirs de vingt ans de séjour a Berlin ou Fréderic le Grand, sa famille, sa cour, son gouvernement, son Académie, ses écoles, et ses amis littérateurs et philosophes“.
Leben und Berliner Zeit
Thiébault wurde von Jesuiten erzogen und arbeitete zunächst für deren Orden. 1762 verließ er den Orden und begann ein Studium der Jurisprudenz, also der Rechtswissenschaft. Danach ging er nach Paris, um als Literat tätig zu sein.
Um 1765 kam Thiébault in Kontakt mit wichtigen Denkern der französischen Aufklärung, den „philosophes des Lumières“. Auf Empfehlung von Jean-Baptiste le Rond d’Alembert, der gute Verbindungen zu Friedrich II. hatte, und Pierre-Joseph Thoulier d’Olivet wurde er vom preußischen König an die Berliner Académie militaire berufen. Dort erhielt er eine Professur für französische Grammatik. Zusätzlich gehörte es zu seinen Aufgaben, die Werke Friedrichs II. sprachlich zu korrigieren.
In Preußen begegnete Thiébault Prinzessinnen und Prinzen, Gesandten aus Frankreich, Österreich, England und Russland sowie Mitgliedern der Akademie der Wissenschaften. Besonders wichtig war sein intensiver Gedankenaustausch mit Friedrich II. Außerdem unterrichtete er Alexander Michailowitsch Belosselski, der später russischer Diplomat und Literat wurde.
1765 wurde Thiébault zum ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Nach seinem Weggang aus Preußen war er ab 1784 auswärtiges Mitglied.
Beobachter von Staat und Gesellschaft
Thiébault wird im Artikel sowohl als Wissenschaftler als auch als Literat beschrieben. Als Wissenschaftler untersuchte er den Aufbau von Staat und Verwaltung, das Auswärtige Amt, Post, Transport und Polizei. Als Literat beschrieb er die höfische Gesellschaft in Berlin und Europa genau und einfühlsam, ließ dabei aber auch Frivolität nicht aus.
1784 kehrte Thiébault nach Frankreich zurück. In den letzten Jahren des Königtums war er Archivar und Bibliothekar. Während der Französischen Revolution entkam er trotz seiner liberalen Ideen nur knapp der Guillotine. Er erlebte noch die ersten Jahre des napoleonischen Kaiserreichs und wurde Zeuge der erfolgreichen militärischen Laufbahn seines Sohnes Paul, der 1769 in Berlin geboren und teilweise dort aufgezogen worden war.
Schriften und Erinnerungen
Thiébault veröffentlichte Werke zu Sprache, Aussprache, Unterricht, Stil, Grammatik, öffentlichem Geist und politischen Fragen. Zu seinen frühen Schriften zählen „Apologie des jeunes ex-jésuites qui ont signé le serment prescript par arrêt du 6 février 1764“ von 1764 und „Discours sur la prononciation“, erschienen 1765 in Berlin.
Weitere Werke sind unter anderem „Les adieux du duc de Bourgogne et de l’abbé de Fénelon ou Dialogues sur les différentes formes de gouvernement“ von 1772, „Essai synthétique sur l’origine et la formation des langues“ von 1774, „De l’enseignement dans les écoles centrales“ von 1796, „Traité Sur L’Esprit Public“ von 1797/1798, „Traité du style“ von 1801, „Grammaire philosophique“ von 1802 und „Principes de lecture et de prononciation“ von 1802.
Sein bekanntestes Werk im Zusammenhang mit Friedrich II. sind seine Erinnerungen an den 20-jährigen Aufenthalt in Berlin. Sie erschienen in fünf Teilen und behandeln Friedrich den Großen, seine Familie, seinen Hof, ausländische Reisende und Minister, seine zivile und militärische Regierung, die Akademie, die Schulen sowie literarische und philosophische Freunde.
Überlieferung
Spätere Ausgaben und Literatur machten Thiébaults Erinnerungen weiter zugänglich. Genannt wird „Friedrich der Große und sein Hof. Erinnerungen an einen 20jährigen Aufenthalt in Berlin“, erschienen 1828 in Leipzig bei C.H.F. Hartmann. Außerdem wird eine Ausgabe von Jean-François Barrière aus dem Jahr 1860 genannt: „Souvenirs de vingt ans de séjour à Berlin par Dieudonné Thiébault“.
Ein Porträt zeigt Dieudonné Thiébault mit seinem Enkel Adolphe in den Jahren 1800–1801. Es handelt sich um eine Miniatur auf Elfenbein von Louis Marie Sicard. Zusätzlich wird ein Stich von Lembert Jeune nach einer Zeichnung von Milaire erwähnt.