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Die blauen Blumen

Die blauen Blumen (französischer Originaltitel: Les Fleurs bleues) ist ein 1965 erschienener Roman von Raymond Queneau.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Roman und Grundkonstruktion
  2. 2. Bedeutung der blauen Blumen
  3. 3. Ausgaben und Übersetzungen
  4. 4. Musikalische Hommage

Roman und Grundkonstruktion

Die blauen Blumen (französischer Originaltitel: Les Fleurs bleues) ist ein 1965 erschienener Roman von Raymond Queneau. Im Mittelpunkt stehen zwei Hauptpersonen aus unterschiedlichen Zeiten: der etwas sonderbare Cidrolin, der im Jahr 1964 auf einem dauerhaft vertäuten Lastkahn lebt, und der Herzog von Auge aus dem Jahr 1264. Der Herzog bewegt sich gemeinsam mit seinem sprechenden Streitross durch die Jahrhunderte auf Cidrolin zu.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Perspektive der beiden Figuren erzählt. Am Ende eines Kapitels schläft die jeweils erzählte Hauptperson ein und beginnt, von der anderen zu träumen. Das folgende Kapitel gibt diesen Traum wieder. Dadurch werden die beiden Zeitebenen und Erzählperspektiven surreal miteinander verschränkt, ohne dass die Figuren zunächst gemeinsam auftreten. Erst im 17. Kapitel treffen sie sich: Der Herzog kommt im Jahr 1964 bei Cidrolins Lastkahn an. Im 21. und letzten Kapitel macht der Herzog den Lastkahn los und fährt mit zahlreichen anderen Figuren auf dieser „Arche“ den Fluss hinauf davon.

Als Motto steht dem Roman ein Ausspruch aus Platons Theaitetos in griechischen Buchstaben vorangestellt: „ὄναρ ἀντὶ ὀνείρατος“. Er bedeutet sinngemäß: „Im Austausch für deinen Traum, hör’ dir meinen an.“ Außerdem verweist Queneau auf den sogenannten Schmetterlingstraum des chinesischen Philosophen und Dichters Tschuang-tse. Darin träumt Tschuang-tse, er sei ein Schmetterling; zugleich stellt sich die Frage, ob vielleicht der Schmetterling träumt, er sei Tschuang-tse. Diese Traumstruktur ist ein Schlüssel zum Wechselspiel der beiden Handlungsstränge.

Der Roman enthält zahlreiche absichtliche Anachronismen, teilweise verfälschte Zitate, Anspielungen und ironische Anspielungen. Queneau verwendet außerdem Wortspiele, Archaismen, Neologismen, vermischte Sprachen und Sprachregister sowie vorsätzliche Fehlschreibungen. Wegen dieser sprachlichen und formalen Besonderheiten erschien das Werk anfangs beinahe „unübersetzbar“.

Bedeutung der blauen Blumen

Der Titel kann auf Novalis’ Romanfragment Heinrich von Ofterdingen bezogen werden. Dort erscheinen blaue Blumen als Symbol der Sehnsucht und des Erkennens. Im ersten Abschnitt, Die Erwartung, sieht Heinrich in einem Traum eine blaue Blume, die sich in ein Mädchengesicht verwandelt. Der Traum macht ihn melancholisch und wird zum Auslöser einer Reise.

Für die französische Bedeutung des Titels ist außerdem der Ausdruck „fleur bleue“ wichtig. Queneau erklärte, dass damit im Französischen ironisch oder auch abwertend romantische und idealistische Menschen bezeichnet werden, die nostalgisch einer verlorenen Reinheit nachhängen. Auf diese Bedeutung bezog sich auch Italo Calvino bei seiner italienischen Übersetzung, nachdem ihm der genaue Zusammenhang zwischen Titel und Romaninhalt zunächst unklar geblieben war.

Die blauen Blumen werden im Roman selbst nur zweimal erwähnt. Zu Beginn ruft der Herzog von Auge: „Loin! Loin! Ici la boue est faite de nos fleurs“ – „Weit weg! Weit weg! Hier ist der Schlamm aus unseren Blumen gemacht.“ Der Satz verändert mit einem einzigen Buchstaben einen Vers aus Charles Baudelaires Gedichtband Les Fleurs du mal. Bei Baudelaire lautet er: „Loin! Loin! Ici la boue est faite de nos pleurs“ – „Weit weg! Weit weg! Hier ist der Schlamm aus unseren Tränen gemacht.“ Durch den Austausch von „pleurs“ („Tränen“) gegen „fleurs“ („Blumen“) verbindet Queneau die Titelidee mit Motiven wie Sehnsucht, Melancholie und Aufbruch.

Am Ende des Romans liegt eine Schlammschicht auf der Erde. Dennoch blühen bereits hier und da kleine blaue Blumen. Dadurch kehrt das Titelmotiv am Schluss in einer konkreten, zugleich symbolisch offenen Szene wieder.

Ausgaben und Übersetzungen

Die französische Erstausgabe erschien 1965 unter dem Titel Les Fleurs bleues bei Éditions Gallimard in der „Collection blanche“, Nr. 10992. Die deutsche Übersetzung von Eugen Helmlé erschien 1966 beim Stahlberg Verlag in Karlsruhe.

Weitere aufgeführte Übersetzungen sind: Italo Calvinos italienische Fassung I fiori blu (Einaudi, Turin 1967), Barbara Wrights englische Übersetzung Between Blue and Blue: A Sort of Novel (Bodley Head, London 1967), die auch als The Blue Flowers (New Directions Publishing, New York 1973) erschien, Lars Hagströms schwedische Übersetzung Blå blommor (Bakhåll, Lund 1995), Val Panaitescus rumänische Übersetzung Florile albastre (Humanitas Fiction, Bukarest 2006), Ana Barič Moders slowenische Übersetzung Modre cvetke (Sanje, Ljubljana 2011), Marija Paprašaroskis kroatische Übersetzung Modri cvijetak (Disput, Zagreb 2014) und Manuel Serrat Crespos spanische Übersetzung Flores azules (Austral, Barcelona 2016).

Musikalische Hommage

2002 veröffentlichte das französische Label Bleu ein gleichnamiges Album von Stefano Bollani, das von Les Fleurs bleues inspiriert ist. Einige Titel beziehen sich auf Figuren des Romans, etwa „Cidrolin“ und „Il Duca“, andere auf seinen Inhalt, etwa „Rever Et Reveler“ und „Bar Biturico“.

Das Album enthält außerdem eine Einspielung des Chansons „Si tu t'imagines“ von Joseph Kosma. Dieses Lied basiert auf Queneaus gleichnamigem Gedicht. Weitere Titel sind „It Could Happen to Queneau“ und „Raymond“.

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