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Die Kriegsschuldfrage: Berliner Monatshefte

Die Kriegsschuldfrage: Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung war eine historisch-propagandistische Zeitschrift, in der „prodeutschen“ …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Zweck der Zeitschrift
  2. 2. Politischer Hintergrund
  3. 3. Organisationen und Kontrolle
  4. 4. Rolle der Berliner Monatshefte
  5. 5. Inhalte und Argumentationsmuster
  6. 6. Weiterführende Hinweise

Kern und Zweck der Zeitschrift

„Die Kriegsschuldfrage: Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung“ war eine deutschsprachige historisch-propagandistische Fachzeitschrift. Sie bot „prodeutschen“ Historikern eine Plattform, um die Kriegsschuldfrage des Ersten Weltkriegs zu diskutieren. Gemeint war vor allem die Frage, ob und in welchem Maß das Deutsche Reich für den Kriegsausbruch verantwortlich war.

Die Zeitschrift erschien erstmals im Juli 1923. Herausgeber war die „Zentralstelle für die Erforschung der Kriegsursachen“. Als Fachgebiet wird Geschichte genannt, zugleich wird sie als Propagandaplattform beschrieben. Sie erschien im Eigenverlag, hatte die Sprachen Deutsch und Englisch, und ihre verkaufte Auflage lag bei 3500–4000 Exemplaren. Die ISSN der Druckausgabe lautet 0174-8262.

Der Titel änderte sich mehrfach: 1929 wurde er zu „Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung: Die Kriegsschuldfrage“, 1932 zu „Berliner Monatshefte: Zeitschrift für Vorgeschichte und Geschichte des Weltkrieges“. Mit der Ausgabe Juli/August 1944 wurde die Zeitschrift eingestellt.

Politischer Hintergrund

Im Auswärtigen Amt in Berlin entstand nach dem Ersten Weltkrieg ein eigenes Kriegsschuldreferat. Dieses Referat versuchte, durch publizistische Aktivitäten die deutsche Kriegsschuld zu widerlegen. Besonders wichtig waren dabei umfassende Quelleneditionen aus den eigenen Beständen.

Für diese Arbeit gründete das Kriegsschuldreferat 1921 den „Arbeitsausschuss Deutscher Verbände“ (ADV) und die „Zentralstelle für Erforschung der Kriegsursachen“ (ZS). Mit diesen Organisationen führte das Auswärtige Amt in den Jahren 1918–1937 eine umfangreiche Propagandaoffensive gegen den Versailler Friedensvertrag. Viele sahen diesen Vertrag als Schmach für das Deutsche Reich.

ADV und ZS sollten die Öffentlichkeit im Inland und Ausland davon überzeugen, dass dem Deutschen Reich der Krieg aufgezwungen worden sei, dass die Alliierten eine Mitschuld trügen und dass die deutsche Alleinschuld nicht zutreffe.

Organisationen und Kontrolle

Der ADV war ein äußerlich selbständiger Dachverband. Er koordinierte die Propaganda seiner Mitgliedsorganisationen und wollte durch Öffentlichkeitsarbeit breite Bevölkerungsschichten erreichen.

Die Zentralstelle sollte die These von der deutschen Unschuld wissenschaftlich stützen. Dazu veröffentlichte sie Publikationen und Schriften. Ihr Adressatenkreis war exklusiver als der des ADV: Er bestand fast ausschließlich aus bekannten in- und ausländischen Publizisten und Wissenschaftlern. Über diese Personen wollte man auch indirekt auf die öffentliche Meinung einwirken.

Das Kriegsschuldreferat wirkte zugleich wie eine Zensurbehörde. Es überwachte und beeinflusste die öffentliche Debatte über die Schuldfrage. Das Auswärtige Amt zensierte Publikationen, sodass vor allem Gutachten mit apologetischem Ton veröffentlicht wurden. „Apologetisch“ bedeutet hier: verteidigend, also auf die Rechtfertigung der deutschen Position ausgerichtet. Die Zentralstelle war finanziell vom Auswärtigen Amt abhängig und wurde von diesem beim Haushalt und bei publizistischen Tätigkeiten kontrolliert. Dennoch betonte sie nach außen stets die Objektivität und wissenschaftliche Arbeitsweise ihrer Mitarbeiter.

Rolle der Berliner Monatshefte

Die Zeitschrift war die zentrale Plattform dieser Propaganda. Sie wurde seit 1923 von der Zentralstelle herausgegeben. 1929 benannte Alfred von Wegerer, der neue Leiter der Zentralstelle und ein ehemaliger Generalstabsoffizier, „Die Kriegsschuldfrage“ in „Berliner Monatshefte“ um.

Die Zeitschrift erschien im Verlag der Zentralstelle. Dieser Verlag wurde durch eine Bürgschaft des Auswärtigen Amtes finanziert. Die Auflage stieg von 2500–3000 Exemplaren im Jahr 1925 auf 3500–4000 Exemplare im Jahr 1931. Etwa 25 % der Auflage gingen direkt an ausländische Leser, vor allem in den USA.

Die „Berliner Monatshefte“ gaben vor, ausschließlich der wissenschaftlichen Untersuchung der Kriegsschuldanklage zu dienen. In der Zwischenkriegszeit entwickelten sie sich jedoch zum zentralen Mitteilungs- und Diskussionsforum der Erforschung der Kriegsursachen mit eindeutig nationalapologetischer Tendenz.

Inhalte und Argumentationsmuster

In den Beiträgen der Zeitschrift lehnten die Autoren den Kriegsschuldvorwurf des Versailler Vertrags ab. Sie betonten die deutsche Unschuld oder bestritten zumindest die deutsche Alleinschuld. Zugleich wiesen sie den Staaten der Triple Entente eine Kriegsschuld zu. Die Triple Entente war das Bündnis beziehungsweise die enge Zusammenarbeit von Großbritannien, Frankreich und Russland vor dem Ersten Weltkrieg.

Als Ursachen auf Seiten der Gegner nannten die Forscher unter anderem englischen Handelsneid, russischen Panslawismus und französischen Revanchegedanken. Panslawismus bezeichnet eine politische Idee, die eine besondere Zusammengehörigkeit der slawischen Völker betont. Revanchegedanke meint hier den Wunsch nach Vergeltung oder Rückgewinnung früherer Verluste.

In Deutschland wurden besonders ausländische Veröffentlichungen begrüßt, wenn sie die These der deutschen Unschuld unterstützten. Vor der Veröffentlichung kam es gelegentlich zu verdeckten finanziellen Förderungen. Der Artikel betont, dass die Unschuldskampagne kaum so erfolgreich gewesen wäre, wenn nicht anerkannte ausländische Wissenschaftler die Thesen der deutschen Schuldforscher unterstützt hätten.

Weiterführende Hinweise

Als Literatur nennt der Artikel Werke von Michael Dreyer und Oliver Lembcke, Ulrich Heinemann sowie Wolfgang Jäger. Diese behandeln die deutsche Diskussion um die Kriegsschuldfrage, die politische Öffentlichkeit in der Weimarer Republik und die Debatte über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Als Weblink wird ein Beitrag von Klaus Große Kracht genannt: „Kriegsschuldfrage und zeithistorische Forschung in Deutschland. Historiografische Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges“, abrufbar über zeitgeschichte-online.de; der Abruf ist mit dem 14. Januar 2019 angegeben.

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