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Die Kornernte

Die Kornernte ist ein Gemälde in Öl auf Holz von Pieter Bruegel dem Älteren. Das 119 × 162 cm große Bild entstand 1565 als eines von sechs …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Werk und Einordnung
  2. 2. Darstellung der Erntearbeit
  3. 3. Bildwirkung und Bedeutung
  4. 4. Besitzgeschichte

Werk und Einordnung

Die Kornernte ist ein Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem Jahr 1565. Es ist in Öl auf Holz ausgeführt, misst 119 × 162 cm und befindet sich heute im Metropolitan Museum of Art in New York City. Das Bild gehört zu einem Zyklus von sechs Jahreszeitenbildern; fünf davon sind erhalten. Alle erhaltenen Bilder haben dasselbe Format und wurden wahrscheinlich für denselben Auftraggeber gemalt.

Jedes Bild des Zyklus behandelt zwei Monate. Wenn Der düstere Tag für Februar und März steht und das verlorene Frühlingsbild vorausgesetzt wird, steht Die Kornernte für die Monate August und September, also die Erntezeit.

Darstellung der Erntearbeit

Ein schlanker Birnbaum gliedert das Bild nach dem Goldenen Schnitt in einen größeren linken und einen kleineren rechten Bereich. Links erstrecken sich Kornfelder vom Vordergrund über einen leicht abfallenden Hang bis in den Mittelgrund. Im Schatten des Baumes liegt ein erschöpfter Feldarbeiter. Neben ihm liegen bereits geschnittene Garben, also Bündel von Getreidehalmen. Zwei weitere Arbeiter mähen mit Sensen.

Auf einem Pfad durch das Feld steigt ein Mann mit vollen Krügen herauf. Drei Personen gehen, teilweise mit Garben auf den Schultern, in Richtung Dorf. Auch ein mit Ernte beladener Wagen mit Zugtier fährt dorthin. An einer Kreuzung zwischen Häusern ist geschäftiges Treiben zu erkennen. Im Hintergrund liegen weitere Kornfelder, ein Küstenort und eine geschwungene Bucht mit Schiffen unter einem diesigen grauen Himmel.

Rechts sitzen acht Personen auf gebundenen Garben um ein weißes Tuch und essen im Schatten. Ihre Mahlzeit besteht aus Brei oder Suppe und Brot; eine Person trinkt aus einem Krug, eine schneidet Brot von einem Laib ab. Hinter ihnen wird weitergearbeitet: Zwei Personen binden Garben zu Bündeln und stellen sie zum Trocknen auf, ein Arbeiter schneidet Getreide. Am rechten Rand ist diese Arbeit bereits beendet. Zwei weitere Personen sammeln Fallobst in einem Korb; eine Leiter liegt bereit. Zwischen Laub sind Hügel, ein Kirchturm und Hausdächer sichtbar. Unten rechts steht die Signatur „BRVEGEL / [MD]LXV“.

Bildwirkung und Bedeutung

Die vorherrschende Farbe des Bildes ist „das Gelb des schnittreifen Getreides“. Anders als in der Heuernte fehlen „die tänzerisch schreitenden Personen“. Die Menschen in Die Kornernte ruhen sich nach schwerer Arbeit in der Sommerhitze aus oder stärken sich beim Essen. Das Motiv eines Schläfers unter einem Baum verwendete Bruegel zwei Jahre später erneut in Das Schlaraffenland.

Das Metropolitan Museum of Art bezeichnet den Jahreszeitenzyklus als „Wasserscheide in der Geschichte der westlichen Kunst“. Bruegel benötige für die Landschaftsmalerei keinen religiösen Vorwand mehr. Mit Kompositionsprinzipien der italienischen Renaissance zeige er das Landleben ungeschönt.

Birgit Kersten versteht das Bild als Spiegel des Wohlstands der von den Spaniern besetzten Niederlande vor der Rebellion unter dem harten Regime des Herzogs von Alba. Sie betont die große Bedeutung von Getreide für die Ernährung und die katastrophalen Folgen von Missernten. Die wenig individuell dargestellten, oft abgewandten Figuren zeigen nach dieser Deutung vor allem Menschen bei der Arbeit in der Natur, nicht einzelne Personen.

Besitzgeschichte

1566 gehörte Die Kornernte Nicolaes Jonghelinck in Antwerpen. Über Hane von Wijke kam sie 1594 für 1.400 Gulden an den Stadtrat von Antwerpen, der sie Erzherzog Ernst von Österreich schenkte. Im Nachlassinventar von 1595 erscheint sie mit den anderen Jahreszeitenbildern als Teil von „Sechs Taffell, von 12 Monathenn des Jars von Bruegel“.

Danach gelangte das Bild über Kaiser Rudolf II. nach Prag und nach dessen Tod 1612 zu Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich. Nach dessen Tod 1662 erhielt Kaiser Leopold I. die Bilder; sie wurden Teil der kaiserlichen Sammlung in Wien. Die Kornernte ging 1809 an den französischen Statthalter von Wien, Graf Antoine-François Andréossy, der sie nach Paris brachte. 1816 verkaufte er sie für 90 Francs und 11 Centimes an Jacques Antoine Doucet. Über Paul Jean Cels in Brüssel kam das Gemälde vor 1912 an das Metropolitan Museum of Art, das es aus Mitteln des Nachlasses von Jacob S. Rogers erwarb. Bei einer Reinigung im Jahr 1920 wurden Signatur und Teile der Datierung sichtbar.

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