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Die Ehe des Herrn Mississippi (Komödie)
Die Ehe des Herrn Mississippi ist eine Komödie in zwei Teilen des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt. Sie wurde am 26. März 1952 an den Münchner …
Inhalt5 Abschnitte
Werk und Grundkonflikt
Die Ehe des Herrn Mississippi ist eine deutschsprachige Komödie in zwei Teilen von Friedrich Dürrenmatt. Sie erschien 1952 und wurde am 26. März 1952 unter der Regie von Hans Schweikart an den Münchner Kammerspielen in München uraufgeführt. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche, radikale Vorstellungen davon, wie Gerechtigkeit erreicht werden soll: Florestan Mississippi vertritt die „Gerechtigkeit des Himmels“ nach den Gesetzen Moses, Frédéric René Saint-Claude die irdische Gerechtigkeit im Sinn von Marx, während andere Figuren Anpassung oder Liebe verkörpern. Die Handlung spielt wohl 1947 oder 1948 ohne Szenenwechsel in einem vornehm eingerichteten Salon mit Biedermeier-Möbeln.
Mord, Ehe und politische Gegensätze
Zu Beginn besucht Generalstaatsanwalt Florestan Mississippi die frisch verwitwete Anastasia. Sie gesteht, ihren Ehemann getötet zu haben. Mississippi klagt sie jedoch nicht an, sondern macht ihr einen Heiratsantrag. Als sie ablehnt, gesteht auch er einen Mord: Er habe seine Frau Madeleine vergiftet, weil sie mit Anastasias Mann Ehebruch begangen haben soll. Beide sollen die Ehe als Strafe und Sühne für ihre Taten erleben.
Justizminister Diego soll Mississippi im Auftrag des Ministerpräsidenten zum Rücktritt bewegen. Mississippi hat wegen seiner Radikalität zunehmend Todesurteile verhängt; in der damaligen Weltlage sei jedoch Mäßigung nötig. Mississippi lehnt ab, weil er weiter für die „Gerechtigkeit des Himmels“ kämpfen will.
Sein Jugendfreund Saint-Claude möchte ihn für die Reorganisation der kommunistischen Partei gewinnen. Beide stammen als Söhne von Prostituierten aus ähnlichen Verhältnissen und betrieben früher gemeinsam ein Bordell. Mississippi wurde durch die Bibel und besonders die Gesetze Moses geprägt, Saint-Claude durch Marx’ Das Kapital. Saint-Claude droht mit einem Volksaufstand, als Mississippi sich nicht anschließt. Schließlich wird deutlich, dass Anastasia ihren Mann töten ließ, um ihre Jugendliebe, Graf Bodo von Übelohe-Zabernsee, heiraten zu können. Der Graf will Mississippi dies gestehen.
Zusammenbruch der Pläne
Als Mississippi, vom Volk verfolgt, wieder das Haus betritt, leugnet Anastasia den Ehebruch. Während des Volksaufstands lässt Diego sich vom Parlament zum Ministerpräsidenten ernennen. Er schlägt die von Saint-Claude begonnene Revolution nieder, enthebt Saint-Claude und Mississippi ihrer Ämter und lässt Mississippi in eine Irrenanstalt bringen.
Saint-Claude will mit Anastasia von Portugal aus eine neue Weltrevolution planen. Dafür will er sie wieder in ein Bordell geben oder eines für sie bauen, da dies ihre einzige Einsatzmöglichkeit für „das Wohl der Welt“ sei. Anastasia vergiftet seinen Kaffee, doch Saint-Claude bemerkt dies. Der aus der Irrenanstalt geflohene Mississippi sucht im Salon Zuflucht und vergiftet in Anastasias Abwesenheit auch die andere Kaffeetasse. Beide wissen anschließend, dass die Tasse des jeweils anderen tödlich ist, kennen aber die Gefahr der eigenen Tasse nicht.
Mississippi will prüfen, ob Anastasia sich verändert hat und nach dem Gesetz Moses lebt. Selbst angesichts des Todes lügt sie ihn an und schwört ihm Treue. Anastasia und Mississippi sterben an dem Gift. Mississippi hält bis zuletzt daran fest, dass drastische Strafen Menschen verändern können. Saint-Claude berichtet der sterbende Mississippi von Plänen für eine neue Revolution. Saint-Claude zerbricht die Tassen und lässt sich kurz darauf ohne Widerstand von einem für ihn bestimmten Mordkommando erschießen. Am Ende treten fast alle Figuren auf und ziehen Bilanz.
Deutungen und komische Gestaltung
Elisabeth Brock-Sulzer deutet die Figuren als Verkörperungen verschiedener Haltungen: Anastasia steht für den Menschen der Gegenwart, Mississippi für den Menschen des Gesetzes, Saint-Claude für den Menschen der irdischen Gerechtigkeit, Diego für den anpassungsbereiten Realpolitiker und Übelohe für jemanden, der durch Liebe verändern möchte. Das Stück zeigt nach dieser Deutung, was geschieht, wenn diese Bestrebungen aufeinanderprallen.
Dürrenmatt macht Handlung und Figuren durch eine gestochen-vornehme, parodistisch überhöhte Sprache, das Verhalten der Personen und Regiebemerkungen wie „totenblaß“, „tödlich“, „erschrocken“, „schaudernd“ und „jubelnd“ lächerlich. Das schlichte, unveränderte Bühnenbild ist weniger wichtig als die Aussagen der Figuren. Typisch für die Dürrenmatt-Komödie ist das groteske Ende: Nicht alle Radikalisten sterben; Anastasia sowie Mississippi und Saint-Claude sterben, während Diego als Vertreter der Anpassung und Übelohe als Vertreter der Liebe überleben.
Bedeutung für Dürrenmatt und Verfilmung
Dürrenmatt schrieb das Werk um 1950 und hatte zunächst Schwierigkeiten, ein Theater für die Uraufführung zu finden. Ernst Ginsberg riet ihm sogar, das Manuskript zu verbrennen. Ende 1951 erkannte der Bühnenbildner Teo Otto den Wert des Stücks und überzeugte Hans Schweikart von einer Aufführung. Das Drama brachte Dürrenmatt erstmals größeren Presse- und Publikumserfolg sowie überregionale Bekanntheit, löste aber die wirtschaftliche Krise seiner Familie nicht sofort.
1961 kam eine deutsch-schweizerische Verfilmung mit demselben Titel in die Kinos. Regie führte Kurt Hoffmann.