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Dialektische Aufhebung
Die dialektische Aufhebung ist ein zentraler Begriff der Philosophie G. W. F. Hegels. Er bezeichnet den Vorgang der Überwindung eines Widerspruchs, …
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Kernbegriff der dialektischen Aufhebung
Die dialektische Aufhebung ist ein zentraler Begriff der Philosophie G. W. F. Hegels. Sie bezeichnet die Überwindung eines Widerspruchs oder einer Entwicklungsstufe. Dabei werden die positiven und zukunftsträchtigen Elemente einer bisherigen Stufe erhalten und weitergeführt, während ihre negativen Seiten entfallen. Diese erhaltenen Elemente werden in eine höhere Entwicklungsstufe integriert und erhalten dort eine neue Funktion.
Das deutsche Wort „Aufhebung“ verbindet nach Hegel gegensätzliche Bedeutungen. Es kann etwas beenden oder beseitigen, zugleich aber auch etwas bewahren und auf eine höhere Ebene bringen. In diesem Sinn beschreibt die dialektische Aufhebung keinen bloßen Verlust und auch keine unveränderte Fortsetzung, sondern eine Verbindung von Überwindung, Erhaltung und Weiterentwicklung.
Die drei Momente des Vorgangs
Hegel unterscheidet drei miteinander verbundene Momente:
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Erstens wird eine Entwicklungsstufe beendet oder überwunden. Dies ist die Negation, lateinisch „tollere“. Ein einfaches Beispiel ist die Aufhebung eines Gesetzes oder Erlasses.
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Zweitens werden die wertvollen und zukunftsträchtigen Seiten der überwundenen Stufe bewahrt. Dieses Moment bezeichnet Hegel mit „conservare“, also Aufbewahrung oder Erhalten.
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Drittens werden diese bewahrten Seiten in eine höhere Entwicklungsstufe aufgenommen. Dort erfüllen sie eine neue Funktion. Dieses Moment heißt „elevare“, also Erhöhung, wie beim Aufheben eines Gegenstands vom Boden.
Die drei Momente bilden zusammen den dialektischen Vorgang: Eine Form wird verneint, ihr sinnvoller Gehalt bleibt erhalten, und dieser Gehalt wird in einer weiterentwickelten Form verwirklicht.
Engels, Marx und die materialistische Dialektik
An Hegels Begriff der Aufhebung knüpfte Friedrich Engels mit dem Gesetz von der Negation der Negation an. Nach dieser materialistischen Auffassung verlaufen evolutionäre Entwicklungen in der Gesellschaft ähnlich wie Entwicklungen in der Natur. Das Verschwinden einer alten Qualität ist die einfache Negation. In einer neuen Qualität kann sich ein Element der alten wiederfinden; dies bezeichnet Engels als doppelte Negation.
Für Karl Marx blieb die dialektische Aufhebung von den Frühschriften bis zu den späteren Schriften von zentraler Bedeutung. In den Frühschriften verband er die Aufhebung der Philosophie mit ihrer Verwirklichung und umgekehrt die Verwirklichung der Philosophie mit ihrer Aufhebung. Auch der Aufbau von „Das Kapital“ ist von Hegels Logik inspiriert. Im Mittelpunkt steht dort die Arbeit als alles begründende Wirklichkeit. Die Aufhebung bedeutet bei Marx jedoch nicht mehr vor allem die „innere Selbstbewegung“ eines „Inhalts“, wie bei Hegel. Sie betont vielmehr die menschliche Arbeit als Formung der Welt, wie Marx dies zuerst in seinen Thesen über Feuerbach formulierte.
Ein ausdrückliches Werk von Marx über die Dialektik der Aufhebung gibt es nicht. Die Unterschiede zwischen hegelscher und materialistischer Dialektik wurden unter anderem von Louis Althusser untersucht. Ausgangspunkt ist eine seltene Stelle, an der Marx seine Methode ausdrücklich beschreibt: Hegel habe die allgemeinen Bewegungsformen der Dialektik umfassend dargestellt, sie stehe bei ihm jedoch „auf dem Kopf“; man müsse sie „umstülpen“, um den rationalen Kern in der mystischen Hülle zu erkennen. Althusser weist darauf hin, dass die Vorstellung, Marx habe die Dialektik lediglich „vom Kopf auf die Füße“ gestellt, zu Missverständnissen führen kann. Die marxsche Dialektik sei weit mehr als eine einfach umgedrehte hegelsche Dialektik.