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Der Schimmelreiter (1978)
Der Schimmelreiter ist eine deutsche Verfilmung der gleichnamigen Novelle Theodor Storms aus dem Jahre 1978 von Alfred Weidenmann.
Inhalt3 Abschnitte
Thema und Handlung
Der Schimmelreiter ist eine deutsche Verfilmung der gleichnamigen Novelle von Theodor Storm aus dem Jahr 1978. Regie führte Alfred Weidenmann; die Titelrolle des Deichgrafen Hauke Haien spielte der amerikanische Schauspieler John Phillip Law. Der 96 Minuten lange, deutschsprachige Film entstand in Deutschland und ist ab FSK 6 freigegeben.
Hauke Haien ist ein ehrgeiziger und entschlossener junger Mann mit großen Zielen. Er heiratet Elke, die blonde Tochter des alten Deichgrafen Tede Volkerts. Tede Volkerts baut Hauke unbeabsichtigt zu seinem Nachfolger auf. Nach dem Tod des alten Deichgrafen übernimmt Hauke dessen Amt selbstbewusst und entwickelt sofort weitreichende Pläne für den Küstenschutz.
Hauke will einen neuartigen Deich errichten, der höher und stärker als die bisherigen Anlagen sein soll. Die Menschen hinter dem Deich sollen dadurch dauerhaft vor den Fluten der Nordsee geschützt werden. Seine besondere Idee besteht darin, den Deich so zu bauen, dass er zur Seeseite weniger steil abfällt als die bisherigen Deiche.
Die Dorfbewohner stehen seinen Plänen ablehnend gegenüber. Ihre Unbeweglichkeit und Trägheit verhindern, dass sie sich für Haukes Neuerungen begeistern. Zusätzlich sind sie von Aberglauben geprägt. Weil Hauke ungewöhnliche Vorstellungen vertritt und sich einen klapprigen Schimmel kauft, den er sorgfältig pflegt und zu einem stolzen Pferd macht, vermuten die Dörfler, er stehe mit dem Teufel im Bund.
Haukes persönliche Lage verschärft sich, als Elke eine geistig behinderte Tochter zur Welt bringt. Mehrere Ereignisse, die als düstere Vorzeichen gedeutet werden, verstärken im Dorf die Angst vor einem bevorstehenden Unglück. Im Oktober zieht schließlich ein schwerer Sturm auf. Die hohen Wellen prallen heftig gegen den Deich. Hauke reitet auf seinem Schimmel zum gefährdeten Abschnitt.
Während des Sturms bricht der alte Damm. Hauke muss mit ansehen, wie seine Frau Elke und seine Tochter in den Fluten ertrinken. Danach reitet auch er mit seinem Pferd in den tosenden Tod. Die Handlung verbindet damit den Konflikt zwischen Haukes fortschrittlichen Plänen und der ablehnenden, von Aberglauben bestimmten Dorfgemeinschaft mit einer tragischen Familiengeschichte.
Entstehung und Besetzung
Der Film wurde von Alfred Weidenmann inszeniert. Das Drehbuch schrieben Georg Althammer und Alfred Weidenmann. Alf Teichs war für die Produktion verantwortlich, Hans-Martin Majewski komponierte die Musik, Heinz Hölscher führte die Kamera und Klaus Dudenhöfer übernahm den Schnitt. Produktionsunternehmen waren „Schimmelreiter“ Albis Film in Hamburg, Studio Film in Bendestorf und das ZDF in Mainz.
Die Außenaufnahmen entstanden in Schleswig-Holstein, unter anderem in Wewelsfleth, in Dithmarschen und in Ockholm in Nordfriesland. Ein Haus bei Ockholm diente als Filmkulisse. Die Atelieraufnahmen wurden in Bendestorf gedreht. Die gesamte Produktion dauerte 41 Tage, vom 20. September bis zum 5. November 1977. Die Uraufführung fand am 29. März 1978 in Husum statt.
John Phillip Law spielte Hauke Haien. Gert Fröbe verkörperte den alten Deichgrafen Tede Volkerts, Anita Ekström dessen Tochter Elke und Dirk Galuba den Großknecht Ole Peters. Weitere Rollen übernahmen unter anderem Vera Tschechowa als Vollina Harders, Reinhard Kolldehoff als Jess Harders, Lina Carstens als Trin Jans, Werner Hinz als Amtsmann aus Husum, Richard Lauffen als Jewe Manners und Volker Bogdan als Iven Johns.
Für mehrere an der Produktion Beteiligte war Der Schimmelreiter die Abschiedsvorstellung vom Kinofilm. Dazu gehörten Regisseur Alfred Weidenmann, Produzent Alf Teichs, die Darsteller Lina Carstens, Werner Hinz und Katharina Mayberg sowie der Szenenbildner Roman Weyl. Katharina Mayberg war außerdem die Ehefrau des Produzenten Alf Teichs. ZDF-Redakteur Martin Büttner übernahm für den beteiligten Sender die Redaktion.
Der Stoff war bereits 1933 verfilmt worden. Damals führten Curt Oertel und Hans Deppe Regie; die Titelrolle spielte Mathias Wieman.
Kritische Einordnung
Das Lexikon des Internationalen Films bewertete den Film als routiniert inszeniert und hob besonders die stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen hervor. Nach dieser Einschätzung tritt der gesellschaftliche Konflikt zwischen Hauke und der Dorfgemeinschaft zugunsten der tragischen Liebesgeschichte zurück. Diese Liebesgeschichte werde von Alfred Weidenmann breit ausgespielt.
Das große Personenlexikon des Films beurteilte Weidenmanns Arbeit deutlich negativer. Es bezeichnete sie als „fade[n] Literaturverfilmung“ und empfand sie außerdem als „allzu routiniert inszeniert“. Die beiden Kritiken setzen damit unterschiedliche Schwerpunkte: Die eine hebt die Landschaftsbilder und die tragische Liebesgeschichte hervor, während die andere die filmische Gestaltung insgesamt als wenig eindrucksvoll bewertet.