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Der Club der toten Dichter

Der Club der toten Dichter (Originaltitel: Dead Poets Society) ist ein US-amerikanisches Filmdrama des Regisseurs Peter Weir, das am 2.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Film und Grundidee
  2. 2. Handlung
  3. 3. Zentraler Konflikt
  4. 4. Poesie und Leitmotive
  5. 5. Drehbuch und Produktion
  6. 6. Fassung, Auszeichnungen und Adaption

Film und Grundidee

Der Club der toten Dichter (Originaltitel: Dead Poets Society) ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Peter Weir aus dem Jahr 1989. Die Premiere war am 2. Juni 1989, der deutsche Kinostart am 25. Januar 1990. Der englischsprachige Film dauert 123 Minuten und ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben. Das Drehbuch schrieb Tom Schulman; Robin Williams spielt den Englischlehrer John Keating.

Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen den strengen Erwartungen eines traditionsbewussten Internats und dem Wunsch junger Menschen nach Selbstbestimmung. Keating bringt seinen Schülern Poesie nicht als bloßen Lernstoff nahe, sondern als Mittel, eine eigene Haltung zu entwickeln. Sein Leitgedanke ist „Carpe diem“: Die Schüler sollen den Tag nutzen, selbstständig denken und etwas aus ihrem Leben machen.

Handlung

Die Handlung beginnt im Schuljahr 1959 an der konservativen Welton Academy, einem Jungeninternat im US-Bundesstaat Vermont. Der neue Schüler Todd Anderson ist schüchtern, unsicher und steht im Schatten seines älteren Bruders, eines besonders erfolgreichen Welton-Absolventen. Ebenfalls neu ist der Englischlehrer John Keating, der selbst diese Schule besucht hat. Mit ungewöhnlichen Unterrichtsmethoden fordert er die Jungen zum freien Denken, zu eigenständigem Handeln und zur Entdeckung ihrer Individualität auf. Sie sollen Gedichte verstehen, selbst schreiben und vortragen, statt lediglich auswendig gelerntes Wissen zu wiederholen.

In einem alten Jahrbuch erfahren die Schüler, dass Keating früher dem „Club der toten Dichter“ angehörte. Dessen Mitglieder trafen sich heimlich in einer Waldhöhle, um leidenschaftliche Poesie zu würdigen. Neil Perry gründet den Club mit Todd Anderson, Knox Overstreet, Richard Cameron, Stephen Meeks, Gerard Pitts und Charlie Dalton neu. Nachts verlassen sie das Schulgelände, lesen einander Gedichte vor und erleben eine Gemeinschaft außerhalb der starren Schulordnung. Zu Beginn jedes Treffens sprechen sie gemeinsam einen Auszug aus Henry David Thoreaus Walden.

Durch Keatings Ermutigung entdeckt Neil seine Leidenschaft für das Theater. Gegen den Willen seines Vaters übernimmt er in Shakespeares Ein Sommernachtstraum die Rolle des Puck und spielt sie erfolgreich. Danach kündigt sein Vater jedoch an, ihn von Welton zu nehmen und auf eine Militärakademie zu schicken. Weil Neil erkennt, dass er weder bei seiner Ausbildung noch bei seiner späteren Berufswahl selbst entscheiden darf, nimmt er in der Nacht den Revolver seines Vaters und begeht Suizid.

Neils Vater und die Schulleitung geben Keatings Unterricht die Schuld. Cameron berichtet dem Schulleiter von den geheimen Treffen. Die übrigen Clubmitglieder werden von ihren Eltern dazu gedrängt, eine vorbereitete Erklärung mit unwahren Vorwürfen gegen Keating zu unterschreiben. Keating wird suspendiert; Charlie wird nach einem Schlag gegen Cameron von der Schule verwiesen. Als Keating seine Sachen aus dem Klassenzimmer holt, steigt Todd auf seinen Tisch und ruft ihm „O Captain! Mein Captain!“ nach. Weitere Schüler folgen ihm trotz der Befehle des Schulleiters. Keating dankt ihnen gerührt und verlässt den Raum.

Zentraler Konflikt

Die Welton Academy beruht auf den Leitideen „Tradition, Ehre, Disziplin, Leistung“ („Tradition, Honor, Discipline, Excellence“). Ein strenger Lehrplan, hohe Anforderungen, harte Strafen und die starke Einflussnahme von Eltern und Lehrern sollen die Schüler auf beruflichen Erfolg und eine Rolle in der gesellschaftlichen Elite vorbereiten. Viele Absolventen gelangen tatsächlich an Universitäten der Ivy League. Offene Kritik ist kaum möglich: Im Verborgenen verändern die Schüler die Leitideen spöttisch zu „Travestie, Ekel, Dekadenz, Lethargie“ und nennen die Schule „Hellton-Akademie“.

Keating stellt diesem System die Entwicklung selbstständig denkender Persönlichkeiten entgegen. Poesie dient dabei als Ausdruck der eigenen Individualität. Seine Schüler sollen den begrenzten Möglichkeiten des Lebens nicht nur gehorchend begegnen, sondern eigene Entscheidungen treffen. Dadurch beginnen sie, Autoritäten und ihren bisherigen Gehorsam zu hinterfragen. Der Film zeigt zugleich, welche schweren Folgen entstehen können, wenn Selbstentfaltung, elterliche Erwartungen und institutionelle Macht unversöhnlich aufeinandertreffen.

Poesie und Leitmotive

Die zitierten Dichter liefern Leitgedanken für Unterricht, Club und Handlung. Robert Herricks Gedicht To Virgins, to Make Much of Time verdeutlicht mit dem Bild vergänglicher Rosenknospen das Motto „Carpe diem“. William Shakespeares Ein Sommernachtstraum ist mit Neils Rolle als Puck verbunden und wird zum Ausdruck seines Befreiungsversuchs.

Henry David Thoreaus Walden prägt das Ritual des Clubs: Die Mitglieder wollen bewusst und intensiv leben, damit sie am Ende nicht erkennen müssen, nie wirklich gelebt zu haben. Thoreaus Satz „Die meisten Menschen führen ein Leben in stiller Verzweiflung“ unterstützt Keatings Forderung nach einer eigenen Sichtweise.

Mehrere wichtige Motive stammen von Walt Whitman. Keating bringt Todd mit dem „barbarischen Johoo“ aus Song of Myself dazu, sich vor der Klasse auszudrücken. Ein weiteres Gedicht erklärt, das Leben und die Persönlichkeit bestünden fort und jeder könne zu diesem „mächtigen Spiel“ einen eigenen Vers beitragen. Mit „O Captain! My Captain!“, dem Titel eines Gedichts über Abraham Lincolns Tod, dürfen die Schüler Keating ansprechen; im Schlussbild wird diese Anrede zum Zeichen ihrer Anerkennung.

Robert Frosts Der nichtgegangene Weg steht für individuelle Entscheidungen. Nachdem die Schüler beim Gehen unbewusst in Gleichschritt geraten, sollen sie ihren eigenen Rhythmus finden. E. E. Cummings verbindet in dive for dreams Mut, Liebe und Zukunftsorientierung ebenfalls mit dem Carpe-diem-Gedanken. Nicholas Vachel Lindsays General William Booth Enters Into Heaven erklingt während Neils Suizid und verbindet das Clubtreffen mit der Tragödie.

Drehbuch und Produktion

Tom Schulman ließ sich beim Drehbuch von seiner Schulzeit an der konservativen Montgomery Bell Academy inspirieren, die als Vorbild für Welton diente. Sein begeisterter Englischlehrer Sam Pickering beeinflusste die Figur John Keating. Einen Club der toten Dichter und einen Suizid gab es während Schulmans eigener Schulzeit jedoch nicht. Der Name Gerard Pitts geht auf Schulmans Mitschüler Greenfield Pitts zurück.

Der im Unterricht genannte Philologe „Dr. J. Evans Pritchard“ ist erfunden. Das ihm zugeschriebene Essay Vom Verständnis der Lyrik übernimmt fast wörtlich Text aus Sound and Sense: An Introduction to Poetry des amerikanischen Literaturprofessors Laurence Perrine (1915–1995).

Nancy H. Kleinbaum verfasste auf Grundlage des Drehbuchs den ebenfalls 1989 erschienenen Roman. Im Buch erhalten Neil und Todd ähnlich viel Aufmerksamkeit; im Film steht Neil deutlicher im Mittelpunkt. Der Roman zeigt Todds Entwicklung zum eigenständigen Menschen stärker: Dort verweigert er als Einziger die Unterschrift unter die Erklärung gegen Keating. Der Film legt dagegen nahe, dass auch er unterschrieben hat.

Ursprünglich war Liam Neeson für die Rolle Keatings vorgesehen, bevor Robin Williams besetzt wurde. Für Ethan Hawke und Robert Sean Leonard bedeutete der Film den schauspielerischen Durchbruch. Gedreht wurde unter anderem in Middletown an der St. Andrew’s School sowie in New Castle und Rockland im US-Bundesstaat Delaware. Daneben existiert ein Director’s Cut mit zusätzlichen, in der Kinofassung nicht enthaltenen Szenen.

Fassung, Auszeichnungen und Adaption

Die deutsche Synchronfassung entstand bei Magma Synchron in West-Berlin. Joachim Kunzendorf schrieb das Dialogbuch und führte Synchronregie. Peer Augustinski sprach John Keating, Benjamin Völz Neil Perry und Andreas Fröhlich Todd Anderson.

Bei der Oscarverleihung 1990 gewann Tom Schulman den Preis für das beste Originaldrehbuch; der Film war außerdem als bester Film sowie Peter Weir für die beste Regie und Robin Williams als bester Hauptdarsteller nominiert. Bei den British Academy Film Awards 1990 gewann er als bester Film und für Maurice Jarres Filmmusik. Weitere Auszeichnungen waren der Political Film Society Award für Demokratie 1989, der Publikumspreis der Warsaw Film Week 1990, der David di Donatello 1990 und der César 1991, jeweils als bester ausländischer Film. Das American Film Institute setzte das Zitat „Carpe diem. Nutzet den Tag, Jungs. Macht etwas Außergewöhnliches aus Eurem Leben.“ auf Platz 95 seiner besten Zitate der amerikanischen Filmgeschichte.

Eine unter Mitarbeit von Tom Schulman entstandene Theaterfassung wurde am 1. Juli 2021 bei den Bad Hersfelder Festspielen uraufgeführt. Joern Hinkel führte Regie; das Stück blieb bis zur Saison 2023 im Programm.

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