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Coram-Relation
Coram-Relation ist ein von dem Theologen Gerhard Ebeling gefundener und geprägter Begriff, der damit Martin Luthers Denken von Grund auf charakterisieren …
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Grundidee der Coram-Relation
Die Coram-Relation ist ein von Gerhard Ebeling geprägter Begriff, mit dem er Martin Luthers Denken grundlegend charakterisieren will. Gemeint ist die Situation des Menschen „angesichts“ Gottes und zugleich angesichts der Welt. Der Ausdruck bildet einen relational-ontologischen Gegenentwurf zur Substanzontologie: Nicht ein Mensch oder Ding als für sich bestehende Substanz steht im Mittelpunkt, sondern sein Verhältnis zu anderen.
Für Ebeling passt deshalb eine Präposition besser als ein Substantiv: Als Verhältniswort ist sie die „geeignete grammatische Form“, um eine relationale Ontologie auszudrücken. Für die Substanzontologie sei dagegen die Form des Substantivs maßgebend.
Bedeutung von coram und die Beziehungen des Menschen
Die lateinische Präposition coram setzt sich aus con („in“) und ōs („Gesicht“) zusammen und wird mit „angesichts“ übersetzt. Sie bezeichnet eine „Relation der Nähe“. Vergleichbare Ausdrücke sind griechisch ἐναντίον und ἐνώπιος sowie hebräisch בעיני al-pene und לפני liphne. Im Hebräischen ist das „Sein im Angesicht von“ stärker in der Sprache verwurzelt als im Griechischen und Lateinischen. Coram kann sowohl „im Angesicht von“ als auch „in Gegenwart von“ bedeuten und hat damit einen räumlichen und einen zeitlichen Charakter.
Ebeling begründet seine Wahl mit der besonderen Verwendung von coram in der biblischen Tradition und damit, dass die Präposition nur auf personale Wechselbeziehungen anwendbar sei. Kennzeichnend sind Sehen und Gesehenwerden sowie Erkennen und Erkanntwerden. Der Mensch ist dadurch einem Urteil ausgesetzt; in dieser Beziehung geschieht Wahrheit.
Als Beispiele verweist Ebeling auf Luther: Ein Mensch ist nicht schon deshalb Sünder, weil er in Sünde ist, sondern wird zum Sünder, wenn er sich selbst als Sünder erkennt. Ebenso kann nur derjenige, der das eheliche Leben erkennt, darin ohne Mühe leben; ehelich zu sein allein genügt nicht.
Ebeling unterscheidet vier Coram-Relationen: coram deo („vor Gott“), coram meipso („vor mir selbst“), coram hominibus („vor den Menschen“) und coram mundo („vor der Welt“). Coram mundo ist nahezu identisch mit coram hominibus. Die Coram-Relation ist außerdem zentral für das Verständnis der Zwei-Reiche-Lehre.