Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Chrysler
Chrysler ist eine US-amerikanische Marke des Automobilkonzerns Stellantis, der aus der Fusion von PSA und FCA entstand. Sie wurde von FCA in den …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick
Chrysler ist eine US-amerikanische Automarke des Automobilkonzerns Stellantis. Stellantis entstand aus der Fusion von PSA und FCA; Chrysler wurde von FCA in den neuen Konzern eingebracht. Als Chrysler Group LLC war Chrysler bis Oktober 2014 ein eigenständiges Unternehmen. Die Marke geht auf die Chrysler Motor Corporation zurück, die am 6. Juni 1925 gegründet wurde. Der Sitz befindet sich in Auburn Hills, Michigan. Als Rechtsform wird Limited Liability Company genannt. Die Leitung lag laut Infobox bei Christine Feuell als CEO.
Chrysler war historisch nicht nur eine einzelne Automarke, sondern lange Zeit auch ein großer Automobilkonzern mit mehreren Marken. Bereits Ende der 1920er-Jahre gehörten Chrysler, Dodge, Imperial, DeSoto und Plymouth zum Konzern. Durch Übernahmen, Zusammenschlüsse und Verkäufe veränderte sich die Struktur mehrfach. Besonders wichtig waren die Übernahme von Dodge Brothers Inc. im Jahr 1928, der Einstieg in Europa ab den 1950er-Jahren, die Rettung durch staatliche Bürgschaften um 1980, die Fusion mit Daimler-Benz 1998, die Insolvenz 2009 und der Einstieg von Fiat.
Entstehung und frühe Entwicklung
Walter P. Chrysler war vor der Gründung der Marke eine wichtige Führungsperson in der US-Automobilindustrie. Nachdem er 1919 als Vizechef von General Motors zurückgetreten war, wurde er geschäftsführender Vizepräsident von Willys-Overland. Dort führte er das zuvor stark defizitäre Unternehmen zurück in die Gewinnzone. 1921 wechselte er zur Maxwell Motor Company, die nach einer Fusion mit Chalmers in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte. 1923 wurde die Fertigung der Chalmers-Modelle eingestellt, 1924 wurde der erste Chrysler Six vorgestellt.
1925 wurde die Chrysler Motor Corporation gegründet und übernahm Maxwell. Ein besonders großer Schritt folgte 1928: Chrysler übernahm Dodge Brothers Inc., ein Unternehmen, das mehr als viermal so groß war wie Chrysler selbst. Dadurch wurde Chrysler zum drittgrößten Automobilbauer der USA. Zu diesem Zeitpunkt gehörten bereits die Marken Chrysler, Dodge, Imperial, DeSoto und Plymouth zum Konzern.
Ab Ende der 1950er-Jahre weitete Chrysler seinen Einflussbereich nach Europa aus. Ab 1957 erwarb Chrysler Anteile von Ford an der französischen Firma Simca; 1963 besaß Chrysler 63 Prozent an Simca. Zwischen 1964 und 1967 übernahm Chrysler schrittweise die Mehrheit an der britischen Rootes-Gruppe mit Marken wie Hillman, Sunbeam, Singer und Humber sowie den Lkw-Marken Karrier und Commer. 1967 kam die Mehrheit am spanischen Lkw-Hersteller Barreiros Diesel SA hinzu. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten musste Chrysler seine europäischen Aktivitäten 1978 an Peugeot verkaufen.
Krise und Sanierung um 1980
1979 stand Chrysler vor dem Konkurs. Am 7. September beantragte das Unternehmen 1,5 Milliarden US-Dollar in Bürgschaften von der US-Bundesregierung, um eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Gleichzeitig wurde Lee Iacocca, zuvor Vorstandsmitglied bei Ford, CEO von Chrysler. Er sanierte das Unternehmen und führte ein erfolgreiches Baukastensystem ein: die K-Cars. Ein Baukastensystem bedeutet, dass verschiedene Modelle auf gemeinsamen technischen Grundlagen aufgebaut werden, was Entwicklung und Produktion vereinfachen kann.
Der US-Kongress verabschiedete am 20. Dezember 1979 den „Chrysler Corporation Loan Guarantee Act of 1979“ (Public Law 96-185). US-Präsident Jimmy Carter unterschrieb das Gesetz am 7. Januar 1980. Es ermöglichte eine staatliche Bürgschaft, durch die Chrysler 1,5 Milliarden Dollar an Krediten aufnehmen konnte. Mitarbeiter und Vertragshändler hatten zuvor in allen Kongressbezirken Lobbyarbeit geleistet, weil sie um ihre wirtschaftliche Existenz fürchteten.
Anfang der 1980er-Jahre kehrte der Erfolg zurück. Ab 1982 machte Chrysler wieder Gewinn. 1984 begründete der Chrysler Voyager, zeitgleich mit dem Renault Espace, das Marktsegment der Minivans. 1987 erwarb Chrysler die American Motors Corporation, zu der auch Jeep gehörte. Ende 1992 schied Lee Iacocca aus; Robert Eaton wurde sein Nachfolger.
DaimlerChrysler und erneute Trennung
Im November 1995 wurde bekannt, dass Daimler-Benz eine Kooperation mit Chrysler anstrebte. Chrysler hatte damals über 7 Milliarden US-Dollar Rücklagen erwirtschaftet. Am 18. September 1998 beschlossen die Aktionäre beider Unternehmen den Zusammenschluss zur DaimlerChrysler AG. Die Aktionäre der Chrysler Inc., die 121.000 Mitarbeiter zählte, erhielten 42 Prozent Anteil an dem neuen Konzern. Der Zusammenschluss wurde als „Merger of Equals“, also als Zusammenschluss unter Gleichen, dargestellt.
Im ersten vollen Geschäftsjahr trug Chrysler mit über 5 Milliarden US-Dollar rund die Hälfte zum Konzerngewinn bei. Danach verschlechterte sich die Lage. Robert Eaton verließ als letzter Amerikaner den Vorstand vorzeitig. Konzernchef Jürgen Schrempp erklärte später, die Formulierung „Merger of Equals“ sei nur vorgeschoben gewesen, was zu einer Klage führte. Die Jahre 2000, 2001 und 2003 schloss Chrysler mit Verlust ab, die Jahre 2002, 2004 und 2005 mit Gewinn. Nach einem erneuten Verlust im Geschäftsjahr 2006 stellte Dieter Zetsche Chrysler am 14. Februar 2007 zur Disposition.
Am 14. Mai 2007 wurde der Teilverkauf an den Finanzinvestor Cerberus Capital Management bekannt gegeben; abgeschlossen wurde er am 3. August 2007. Aus der DaimlerChrysler AG entstanden die Chrysler LLC und die Daimler AG. Robert Nardelli wurde Geschäftsführer von Chrysler. Daimler hielt bis April 2009 noch eine Minderheitsbeteiligung von 19,9 Prozent.
Insolvenz, Fiat und Stellantis
Infolge der Finanzkrise ab 2007 brach der Umsatz von Chrysler im Jahr 2008 um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Am 18. November 2008 bat Chrysler um staatliche Gelder, um zahlungsfähig zu bleiben. Am 19. Dezember 2008 gewährte der scheidende US-Präsident George W. Bush 4 Milliarden US-Dollar, verbunden mit der Auflage, bis Ende März 2009 einen Sanierungsplan vorzulegen.
Im Januar 2009 unterzeichneten Chrysler und Fiat eine Absichtserklärung über eine Allianz. Weitere Kredite wurden von der neuen US-Regierung an Umschuldung und Lohnsenkungen geknüpft. Die United Auto Workers stimmten zu, und Daimler schied am 27. April 2009 aus der Eigentümergemeinschaft aus, verzichtete dabei auf Darlehensrückzahlungen. Verhandlungen mit Banken und Hedgefonds über rund 6,9 Milliarden US-Dollar Schulden scheiterten am 29. April endgültig. Am 30. April 2009 kündigte US-Präsident Barack Obama an, Chrysler werde nach Chapter 11 Schutz vor Gläubigern suchen; dies geschah unmittelbar danach.
Chrysler stoppte zunächst in allen 23 Werken die Produktion. Nach rechtlichen Auseinandersetzungen konnte am 10. Juni 2009 der Vertrag unterzeichnet werden, der aus der Chrysler LLC die Chrysler Group LLC machte. Fiat erhielt 20 Prozent, unter anderem gegen Technologietransfer, und Fiat-Chef Sergio Marchionne wurde auch Chef von Chrysler. Am 29. Juni lief die Produktion wieder an. 2010 beschlossen Fiat und Chrysler, die Marken Chrysler und Lancia zusammenzulegen und geografisch aufzuteilen. Im Januar 2014 gab Fiat bekannt, die übrigen Anteile der Chrysler Group LLC vom VEBA Trust gekauft zu haben; Chrysler und alle Marken waren damit zu 100 Prozent im Besitz von Fiat.
Marken und Modelle
Zu den aktuellen Fahrzeugmarken der FCA US LLC gehörten Chrysler, Dodge, Jeep und Ram Trucks. Daneben besaß Chrysler LLC weitere Marken, die nicht mehr produziert und vertrieben wurden: DeSoto bis 1961, Fargo bis 1972, Imperial bis 1983, AMC bis 1987, Eagle bis 1998, Plymouth bis 2001 sowie Trazo in den Jahren 2008 und 2009.
Die Zeitleisten zeigen, dass viele Marken durch Übernahmen oder Konzernwechsel zu Chrysler kamen oder wieder verkauft wurden. Dazu gehörten unter anderem Jeep über die American Motors Corporation, europäische Marken aus Simca und der Rootes-Gruppe sowie im Zeitraum DaimlerChrysler auch Marken des Daimler-Benz-Umfelds. Die Modellübersichten ordnen Fahrzeuge nach Marken, Fahrzeugklassen und Zeiträumen ein, etwa Chrysler-Modelle, Dodge- und Ram-Modelle, Plymouth, Eagle und Jeep.
Für die Marke Chrysler selbst nennt der Artikel viele Modelle nach Baujahr. Beispiele sind frühe Modelle wie B-70 ab 1924, Serienmodelle wie Serie 50, Serie 60 und Imperial 80 in den 1920er-Jahren, sowie später bekannte Namen wie Windsor, New Yorker, Newport, LeBaron, Voyager, PT Cruiser, Crossfire, 200, 300 und Pacifica. Von 1943 bis 1945 wird „keine Fertigung“ angegeben. In den jüngsten Einträgen bleibt der Pacifica von 2024 bis 2026 als Modell genannt. Die Marken- und Modellgeschichte wird im Walter P. Chrysler Museum dokumentiert.