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ChatGPT

Die Grundlage von ChatGPT ist die GPT-Architektur bzw. Algorithmik und ein darauf aufbauendes englisch Large Language Model (LLM) ‚großes Sprachmodell'. Dabei …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Funktionsweise
  2. 2. Entwicklung und Versionen
  3. 3. Training, Angebote und Nutzung
  4. 4. Microsoft und Verbreitung
  5. 5. Kritik, Risiken und gesellschaftliche Folgen

Grundidee und Funktionsweise

ChatGPT ist ein Chatbot des US-amerikanischen Unternehmens OpenAI, der am 30. November 2022 vorgestellt wurde. Nutzer können mit ihm über textbasierte Nachrichten und inzwischen auch über Bilder und Sprache ähnlich wie mit einem Menschen kommunizieren. Die Grundlage ist die GPT-Architektur, also ein „Generative Pre-trained Transformer“, und ein Large Language Model, kurz LLM. Ein LLM ist ein großes Sprachmodell, das mit sehr vielen Texten trainiert wurde. Es erzeugt Antworten, indem es Schritt für Schritt vorhersagt, welches nächste Wort beziehungsweise Token aufgrund gelernter Sprachmuster wahrscheinlich passt.

ChatGPT ist kein Mensch und verfügt nicht einfach über gesichertes Wissen wie ein Lexikon. Es arbeitet mit statistischen Mustern aus Trainingsdaten und späteren Optimierungen. Deshalb können Antworten überzeugend klingen, aber trotzdem falsch, unvollständig oder erfunden sein. Solche erfundenen Inhalte werden als KI-Halluzinationen bezeichnet. Der Artikel nennt ChatGPT eine „Blackbox“, weil Entwickler die vielen Berechnungsschritte nicht vollständig nachvollziehen können; sichtbar sind von außen vor allem Eingabe und Ausgabe.

Entwicklung und Versionen

OpenAI wurde 2015 gegründet. Das erste Modell GPT-1 erschien im Juni 2018 und hatte 117 Millionen vortrainierte Parameter. Parameter sind ein wichtiger Teil eines KI-Modells und beeinflussen seine Leistungsfähigkeit. GPT-2 folgte im Februar 2019 mit 1,5 Milliarden Parametern und wurde aus Sorge vor Missbrauch erst Ende 2019 öffentlich freigegeben. GPT-3 erschien im Juni 2020 mit 175 Milliarden Parametern und konnte bereits verschiedene Aufgaben erledigen, etwa Texte schreiben, übersetzen, Programmcode erstellen und frei formulierte Fragen beantworten.

Der öffentliche Durchbruch kam mit ChatGPT auf Basis von GPT-3.5. Innerhalb von fünf Tagen nach der kostenfreien Freigabe meldeten sich weltweit eine Million Nutzer an. Im Januar 2023 waren es über 100 Millionen Nutzer. Anfangs war ChatGPT nur mit Daten bis September 2021 trainiert und konnte aktuelle Ereignisse nicht zuverlässig beantworten.

Am 14. März 2023 erschien GPT-4 mit erweiterten Fähigkeiten, darunter Bildeingabe sowie Analyse und Beschreibung von Skizzen und Fotos. Ab September 2023 kamen Sprachkonversation und weitere multimodale Funktionen hinzu; „multimodal“ bedeutet, dass verschiedene Eingabe- und Ausgabearten wie Text, Bild und Sprache kombiniert werden. Anfang November 2023 wurde die Datenbasis auf April 2023 aktualisiert, und mit dem „GPT Builder“ konnten Nutzer ohne Programmierkenntnisse eigene Chatbots erstellen. Im Januar 2024 startete der GPT Store.

Mitte Mai 2024 stellte OpenAI GPT-4o vor, wobei „o“ für „omni“ steht. Es verbesserte vor allem den Umgang mit verschiedenen Inhaltsarten und ermöglichte fast echtzeitnahe Sprachdialoge im Advanced Voice Mode. Im September 2024 folgte eine Vorabversion von o1, die laut OpenAI bessere Leistungen in Mathematik, Datenanalyse und Programmierung bot, aber langsamer antwortete. Im Oktober 2024 wurde Canvas als Arbeitsoberfläche für Texte und Programmcode veröffentlicht. Seit Juli 2025 gibt es für zahlende Nutzer den ChatGPT Agent, der Aufgaben selbstständig erledigen und sich über Connectors mit Webdiensten verbinden kann. Im August 2025 stellte OpenAI GPT-5 vor, im November 2025 GPT-5.1 und im Dezember 2025 GPT-5.2. Im Basisdatenkasten des Artikels wird als aktuelle Version GPT-6 Astra vom 3. September 2026 genannt.

Training, Angebote und Nutzung

Das Training von ChatGPT verlief in mehreren Phasen. Zuerst wurde ein Sprachmodell durch selbstüberwachtes Lernen vortrainiert. Dabei nutzte OpenAI große Textmengen, unter anderem Bücher, Briefe, Wikipedia-Einträge und literarische Textsammlungen wie das Gutenberg-Projekt. Das Modell lernte sprachliche Muster, zum Beispiel dass Gedichte oft aus Versen bestehen oder Fachtexte spezielle Begriffe nutzen.

Danach folgte Fine-Tuning, also eine gezielte Anpassung an die Aufgabe, Fragen zu beantworten. Vorgefertigte Antworten wurden bereitgestellt, und Testpersonen bewerteten die vom Modell erzeugten Antworten. Im letzten Schritt wurde das Modell mit RLHF weiter optimiert. RLHF bedeutet „bestärkendes Lernen durch menschlich beeinflusste Rückkopplung“: Ein zusätzliches Reward-Model bewertet Antworten in Ranglisten, und der Proximal-Policy-Optimization-Algorithmus, kurz PPO, nutzt diese Bewertungen als Belohnungsfunktion.

ChatGPT kann für viele Aufgaben verwendet werden: Dialoge führen, Texte verfassen, Wissen zusammenfassen, Geschäfts- oder Schularbeiten formulieren, Programmcode schreiben und analysieren, Bilder beschreiben, Texte in Bildern erkennen oder per Sprache kommunizieren. Es kann nach eigener Angabe unter anderem Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Deutsch, Niederländisch, Russisch, Koreanisch und Japanisch sowie weitere Sprachen verwenden. Eine Studie des Allen Institute for Artificial Intelligence aus dem Jahr 2024 untersuchte 200.000 Konversationen, von denen 40.000 analysiert wurden. Häufige Nutzungen waren kleine Geschichten, Hausaufgabenfragen, Suchergebnisse, geschäftliche Texte, Programmcode, Bilderstellung sowie Gesundheits- und Lebensratschläge.

Die Preismodelle veränderten sich stark. Zum Start Ende 2022 war ChatGPT 3.5 kostenfrei. Anfang Februar 2023 startete in den USA eine kostenpflichtige „Professional“-Version, zunächst für 23,80 US-Dollar beziehungsweise 22 Euro pro Monat. Stand August 2025 nennt der Artikel unter anderem eine kostenlose Version mit GPT-5, ChatGPT Plus für 23 Euro pro Monat, ChatGPT Pro für 229 Euro pro Monat, ChatGPT Team ab 29 Euro pro Monat und Nutzer sowie ChatGPT Enterprise für größere Organisationen mit mindestens 150 Nutzern. Seit Anfang 2026 laufen Tests mit Werbung; ab Ende August soll Werbung auch in Deutschland möglich sein.

OpenAI veröffentlichte im Mai 2023 eine iOS-App und im Juli 2023 eine offizielle Android-App in Deutschland. Die Apps nutzen unter anderem Whisper, das Spracherkennungssystem von OpenAI. Zuvor gab es inoffizielle Apps von Drittanbietern, die eine Sicherheitsfirma als Fleeceware bezeichnete, weil sie wenig Funktionalität und aggressive Werbung boten.

Microsoft und Verbreitung

Microsoft gab im Januar 2023 eine Partnerschaft mit OpenAI Global LLC bekannt, verbunden mit Investitionen von zehn Milliarden US-Dollar. Bis Mitte 2023 investierte Microsoft insgesamt 13 Milliarden US-Dollar und besaß dadurch beinahe die Hälfte der Aktien von OpenAI Global LLC. Microsofts Cloud-Plattform Azure wird exklusiv eingesetzt, außerdem plante Microsoft die Integration in die eigene Office-Software.

Im Mai 2023 wurde die Datenbank der Suchmaschine Bing für ChatGPT nutzbar gemacht. Dadurch konnten im Unterschied zur reinen Nutzung älterer Trainingsdaten aktuelle Suchmaschinenergebnisse mit Quellenangaben eingebunden werden. Die Kombination wurde unter anderem neues Bing, Bing-Chat oder Bing AI genannt. Am 28. September 2023 gab OpenAI „Browsing with Bing“ für Internetzugriff frei, zunächst für Nutzer der Bezahlversion GPT-4.

ChatGPT wuchs außergewöhnlich schnell. Nach der Freigabe im November 2022 meldeten sich eine Million Nutzer innerhalb von fünf Tagen an. Im Januar 2023 erreichte der Dienst über 100 Millionen Nutzer. Damit übertraf ChatGPT zeitweise frühere Wachstumsrekorde von Diensten wie TikTok und Instagram, verlor den 100-Millionen-Rekord im Juli 2023 jedoch an Threads. Im zweiten Quartal 2023 flachte das Wachstum ab, und im Juni sank die Nutzerzahl erstmals auf hohem Niveau. Stand Mai 2025 gehört ChatGPT zu den fünf meistbesuchten Webseiten weltweit.

Kritik, Risiken und gesellschaftliche Folgen

Ein zentrales Problem ist die Zuverlässigkeit. ChatGPT kann falsche Antworten, erfundene Quellen und widersprüchliche Aussagen erzeugen. Beispiele im Artikel reichen von falschen Behauptungen über Donald Trump bis zu frei erfundenen Quellennachweisen. In Gerichtsverfahren führte dies zu Folgen: Im Mai 2023 wurde bekannt, dass zwei New Yorker Anwälte mit ChatGPT erfundene oder neu zusammengesetzte Präzedenzfälle verwendet hatten. Das Gericht wertete dies als Täuschungsversuch und verhängte eine Geldstrafe.

Weitere Kritik betrifft Haftung, Urheberrecht, Datenschutz und Sicherheit. Ende März 2023 konnten Titel und erste Nachrichten von ChatGPT-Konversationen anderer Nutzer sichtbar werden; auch Zahlungsdaten von weniger als zwei Prozent der Plus-Abonnenten waren möglicherweise betroffen. In Italien verhängte die Datenschutzbehörde Ende März 2023 ein Verbot mit Bußgeldandrohung von bis zu 20 Millionen Euro, weil unter anderem eine Rechtsgrundlage für das Sammeln und Speichern von Nutzerdaten und Jugendschutzmaßnahmen fehlten. Das Verbot wurde Ende April 2023 nach Zusagen von OpenAI aufgehoben. Im August 2026 stufte die EU-Kommission ChatGPT als „sehr große Online-Suchmaschine“ ein, weil monatlich mindestens 45 Millionen Nutzer in der EU erreicht wurden; damit steigen Anforderungen an Sicherheit und Jugendschutz bis Anfang 2027.

Auch Missbrauch ist ein Thema. Europol warnte Ende März 2023, ChatGPT könne für Betrug, Falschinformationen, Propaganda, Phishing und digitale Straftaten eingesetzt werden. Das Las Vegas Metropolitan Police Department erklärte, ein Täter habe bei der Explosion eines Cybertrucks vor dem Trump Tower am Neujahrsmorgen 2025 wichtige Auskünfte zur Tatvorbereitung über ChatGPT eingeholt.

Der Ressourcenverbrauch ist hoch. Der Stromverbrauch für das Training wurde im Januar 2023 auf fast eine Gigawattstunde in 34 Tagen geschätzt, etwa so viel wie 3000 europäische Durchschnittshaushalte im gleichen Zeitraum. Eine Analyse der Internationalen Energieagentur von Mai 2024 nannte für eine Chatbot-Anfrage bis zu zehnmal so viel Energie wie für eine Google-Suchanfrage. Für den Betrieb wurden im ersten Quartal 2023 tägliche Kosten von 100.000 bis 700.000 US-Dollar geschätzt. Zur Kühlung beim Training wurden etwa 3.700.000 Liter Wasser erwärmt; im Betrieb könne ein Austausch mit 25 bis 50 Fragen etwa einen halben Liter Wasser zur Kühlung benötigen.

In Schule und Forschung löste ChatGPT eine breite Debatte aus. Lehrkräfte und Hochschulen stellten Hausaufgaben, Referate und Hausarbeiten als Prüfungsformen infrage, weil KI-generierte Texte schwer zu erkennen sind. Einige Fachleute halten Verbote nicht für sinnvoll und fordern stattdessen einen bewussten, kritischen Umgang mit KI. In der Wissenschaft wird diskutiert, dass ChatGPT wissenschaftlich klingende, aber möglicherweise falsche Texte erzeugen kann. Nature akzeptiert ChatGPT nicht als Autor, weil die KI nicht für Inhalte verantwortlich gemacht werden kann.

Im März 2023 veröffentlichte das Future of Life Institute einen offenen Brief, der eine mindestens sechsmonatige Pause beim Training von KI-Systemen forderte, die leistungsfähiger als GPT-4 sind. Innerhalb von zehn Tagen unterschrieben fast 1800 Personen, darunter Yuval Noah Harari, Elon Musk, Stuart Jonathan Russell und Steve Wozniak. Kritiker hielten eine solche Pause teils für unrealistisch oder für die falsche Maßnahme. Diskutiert wurden außerdem Konzernabhängigkeit, Auswirkungen auf Finanzmärkte, politische Verzerrungen und die Übernahme typischer ChatGPT-Ausdrucksweisen in die menschliche Sprache.

Lernvideos zu ChatGPT

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