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Biodiversität der Philippinen

Die Biodiversität der Philippinen zählt zu der am stärksten ausgeprägten der Erde. Der Inselarchipel wird nach Conservation International zu den 17 …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundlagen der Artenvielfalt
  2. 2. Klima, Inselentwicklung und Klimawandel
  3. 3. Lebensräume und Arten an Land
  4. 4. Mangroven und Binnengewässer
  5. 5. Artenvielfalt der Meere
  6. 6. Schutz, Nutzung und Umweltprobleme

Bedeutung und Grundlagen der Artenvielfalt

Die Philippinen gehören laut Conservation International zu den 17 Megadiversitätsländern der Erde. Zugleich gilt der gesamte Archipel zu Land und zu Wasser als Hotspot der Biodiversität, weil seine außergewöhnliche Vielfalt stark gefährdet ist. Biodiversität bezeichnet die biologische und genetische Vielfalt aller Lebewesen, den Variantenreichtum innerhalb einzelner Arten und die Vielfalt natürlicher sowie vom Menschen veränderter Lebensräume. Eine große Vielfalt erhöht die Fähigkeit von Arten, Ökosystemen und auch der Landwirtschaft, auf Umweltveränderungen wie den Klimawandel zu reagieren.

Bis zum Jahr 2000 waren auf den Philippinen mehr als 52.177 Tier- und Pflanzenarten sowie Mikroorganismen nachgewiesen. 25 Pflanzengattungen und 49 Prozent aller nichtmarinen Arten sind endemisch, kommen also natürlicherweise nur dort vor. Jedes Jahr werden weitere Arten entdeckt. Insgesamt wurden 194 Schlüssel-Biodiversitätsgebiete identifiziert: 128 an Land und 66 im Meer.

Der Archipel besteht aus 7.107 Inseln mit 299.764 km² Landfläche. Er gliedert sich in Luzon, die Visayas, Mindanao und Palawan. 2007 lebten dort 88,57 Millionen Menschen; das jährliche Bevölkerungswachstum betrug 2,04 Prozent. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung lebten küstennah und etwa die Hälfte auf Luzon. Dadurch treffen besonders wertvolle Lebensräume auf einen hohen Nutzungsdruck.

Zur Vielfalt tragen tropische Wälder, Flüsse, Feuchtgebiete, Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffe bei. Flüsse transportieren Geröll und Schlamm und verändern ihre Mündungsgebiete fortlaufend. Vulkanausbrüche schaffen Asche-, Lava- und Schlammflächen, die erneut besiedelt werden müssen. So entstanden über Jahrmillionen immer wieder neue Lebensräume und spezialisierte Arten.

Klima, Inselentwicklung und Klimawandel

Das Klima ist überwiegend tropisch, in höheren Gebirgslagen subtropisch. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 26,5 °C. Die jährlichen Niederschläge reichen von 965 mm bei General Santos bis 4.064 mm bei Infanta. Die Corona-Klassifikation von 1921 unterscheidet vier regionale Klimatypen: Typ I besitzt eine Regenzeit von Mai bis November und eine Trockenzeit; bei Typ II fällt ganzjährig Regen, besonders von Dezember bis Februar; Typ III hat ebenfalls ganzjährigen Niederschlag, aber keine ausgeprägte Hauptregenzeit; bei Typ IV verteilen sich die Niederschläge gleichmäßig über das Jahr.

Taifune und tropische Stürme können ganzjährig auftreten. Der Norden und Osten werden besonders von Juli bis September von teils heftigen Taifunen mit mehr als 250 km/h getroffen. Durchschnittlich erreichen die Philippinen jedes Jahr zwanzig Taifune, von denen etwa neun den Archipel direkt überqueren. 2011 lagen die Philippinen laut United Nations University Institute for Environment and Human Security weltweit auf Platz drei beim Naturkatastrophenrisiko, auf Platz zehn bei klimabedingten Gefahren für Bevölkerung und Biodiversität sowie auf Platz fünf bei der Gefährdung durch den Meeresspiegelanstieg.

Biogeographisch gehören die Inseln zur Indo-Malaiisch-Philippinen-Biogeosphärenzone. Der Palawan-Busuanga-Mindoro-Archipel war bis vor 18.000 Jahren mit Borneo und den Sundainseln verbunden und ähnelt ihnen deshalb stärker. Luzon, die Visayas und Mindanao sind seit etwa 160.000 Jahren von den südostasiatischen Landmassen getrennt; diese lange eigenständige Entwicklung förderte ihre besondere Artenvielfalt.

Klimaschutz und Artenschutz können in Konflikt geraten. Genannt werden Aufforstungen mit Monokulturen, gebietsfremde oder genetisch veränderte Bäume, Biomassepflanzen und Meeresdüngung. Der Anbau von Bioethanol- und Biodieselpflanzen schuf Lebensräume für anpassungsfähige Generalisten, während spezialisierte Arten Habitate verloren. Laut Artikel verursachen solche Monokulturen außerdem mehr Treibhausgase, als in den 1990er Jahren angenommen wurde.

Lebensräume und Arten an Land

Bis 2004 waren etwa 8.900 Gefäßpflanzenarten beschrieben; 52 Prozent davon sind endemisch. Dazu gehören 944 Orchideenarten, zahlreiche Wachsblumen, Medinillen, Palmen, Rattanpalmen und Rafflesien. Die extrem bedrohte Rafflesia schadenbergiana galt 112 Jahre als verschollen, bevor sie 2002 am Matutum und 2007 am Kitanglad wiedergefunden wurde. 2008 standen laut Protected Area and Wildlife Bureau 99 Pflanzenarten kurz vor dem Aussterben; die IUCN führte 187 als vom Aussterben bedroht und 176 als gefährdet.

2003 waren 24 Prozent der Landesfläche bewaldet, einschließlich Mangroven und Forstplantagen. Ende der 1990er Jahre war der Wald auf zehn Prozent seines ursprünglichen Bestands geschrumpft. Aufforstung, Einschränkungen des Holzeinschlags und das Verbot des Kaingin genannten Wanderfeldbaus verlangsamten den Verlust; zwischen 2005 und 2010 nahm der Bestand leicht zu. Seitdem bedroht unter anderem die Umwandlung in Ölpalmplantagen die Wälder. Kommerzielle Forstplantagen entlasten zwar ursprüngliche Regenwälder, bestehen aber oft nur aus einer oder wenigen Baumarten. Das Rainforestation Farming bepflanzt gerodete Flächen dagegen mit Mischungen heimischer, standortgerechter Bäume und Sträucher sowie je nach Ort mit Fruchtbäumen, Rattan, Bambus oder Faserpflanzen.

Die Landfauna besitzt viele endemische Arten. Zu den Säugetieren zählen Tamarau, Philippinenhirsch, Prinz-Alfred-Hirsch, Philippinen-Koboldmaki und Goldkronen-Flughund. Ein Zuchtprogramm erhöhte den Tamarau-Bestand von 154 Tieren im Jahr 2000 auf 314 im Jahr 2010. Hauptgefahren sind Waldrodung und die Zerstückelung von Lebensräumen.

Bis 2010 waren etwa 237 Reptilienarten bekannt, darunter zwei Krokodil-, 114 Schlangen- und 20 Giftschlangenarten. Hinzu kamen mehr als 90 Amphibienarten. Die wenig erforschte Herpetofauna wird durch Lebensraumverlust, Wasserverschmutzung, Pestizide, Bejagung und möglicherweise einen weltweit verbreiteten Pilz bedroht.

Von 535 bekannten Vogelarten waren 185 endemisch und 60 bedroht. Die Philippinen sind außerdem Rast- und Überwinterungsgebiet für Zugvögel aus China, Sibirien und Japan. Die Entomofauna umfasst mehr als 21.000 beschriebene Arten, darunter etwa 915 Schmetterlingsarten; ungefähr ein Drittel davon ist endemisch.

Mangroven und Binnengewässer

Auf den Philippinen kommen 40 Mangrovenarten aus 14 Gattungen vor, weltweit sind 54 Arten bekannt. Mangroven dienen als Kinderstube für Fische, Muscheln und andere Organismen, schützen die Küsten und vermindern Bodenerosion. Ein Hektar erzeugt schätzungsweise 3.600 kg Waldstreu pro Jahr; diese liefert Nahrung für ungefähr 1.000 kg marine Organismen. Die Mangrovenfläche sank von 450.000 Hektar im Jahr 1918 auf 120.000 Hektar 1995, stieg durch Schutz- und Pflanzprogramme aber bis 2008 auf 210.497 Hektar. Landwirtschaft, Aquakulturen, Salzgewinnung, Bebauung und wirtschaftliche Nutzung gefährden die Bestände.

Die Binnengewässer umfassen 421 Hauptflusssysteme, 211 Seen und 22 größere Feuchtgebiete. Dort leben 348 Süßwasserfischarten; 120 sind endemisch und 76 bedroht. Beispiele sind Sardinella tawilis im Taalsee und Mystichthys luzonensis im Buhi-See. Sümpfe und Feuchtgebiete sind zudem wichtige Lebensräume des vom Aussterben bedrohten Philippinen-Krokodils.

Die Wasserverschmutzung stammt laut Artikel zu 33 Prozent aus Siedlungen, zu 27 Prozent aus der Industrie und zu 29 Prozent aus Landwirtschaft und Fischfarmen. Sie begünstigt Algenblüten und Sauerstoffmangel. Weitere Gefahren sind der Klimawandel und invasive, also eingeschleppte und sich ausbreitende, Arten. Bedeutende Feuchtgebiete sind Agusan Marsh, Candaba Swamp, Ligawasan und die Kalibo-Feuchtgebiete; zu den wichtigsten Seen gehören Laguna de Bay, Lanao-See, Mainit-See und Taalsee.

Artenvielfalt der Meere

Die Meere der Philippinen werden im Artikel als artenreichstes Meeresbiotop weltweit bezeichnet. Dort leben 3.030 Fischarten, davon 121 endemische und 76 bedrohte, außerdem 164 Knorpelfischarten, mehr als 2.000 Meeresweichtierarten, über 10.000 Arten wirbelloser Meerestiere, 25 Meeressäugerarten sowie der Dugong, fünf Meeresschildkröten- und 17 Seeschlangenarten.

Die 19 Seegrasarten entsprechen 55 Prozent der in Südostasien vorkommenden Arten. Seegraswiesen stabilisieren Sand, Schlick und Kies, halten nährstoffreiche Feinsedimente fest, produzieren Sauerstoff und Biomasse und dienen als Kinderstuben für Fische. 2008 bedeckten sie 27.282 km², hatten aber in den vorausgegangenen 60 Jahren 30 bis 40 Prozent ihrer ursprünglichen Ausdehnung verloren. Ursachen sind unter anderem verschmutzte Flüsse, Küstenbau, Schiffsverkehr, Bodenerosion, Treibnetzfischerei und Überdüngung.

Korallenriffe bedecken 2,7 Millionen Hektar, entsprechend 9,5 Prozent der weltweit bekannten tropischen Korallenriffe. Erfasst wurden 488 Steinkorallen- und 1.727 Rifffischarten. Riffe sind Kinderstuben, Küstenschutz und sehr produktive Ökosysteme. Nur 4 bis 5 Prozent galten als sehr gut, 20 Prozent als gut, 35 Prozent als befriedigend und 40 Prozent als unbefriedigend. Bedrohungen sind Dynamit-, Cyanid- und Treibnetzfischerei, Klimawandel, Verschmutzung, Bodenerosion, unkontrollierter Tourismus und Meeresversauerung. Bis 2008 waren mehr als 985 örtliche Meeresschutzgebiete eingerichtet, deren Überwachung jedoch lückenhaft blieb.

Alle fünf vorkommenden Meeresschildkrötenarten stehen unter Schutz. 2011 wurden auf den Turtle Islands 14.220 Gelege der Suppenschildkröte mit über 1,44 Millionen Eiern registriert; 2004 waren es nur etwas mehr als 4.000 Gelege. Unter den Knorpelfischen sind Walhai und Riesenmanta gesetzlich geschützt; für den Walhai wurde ein Bestand von 50 bis 100 Tieren angenommen. Zu den Meeressäugern gehören Pottwal, Buckelwal, Irawadidelfin und Dugong. Fischerei, Beifang, Verschmutzung, Überfischung, Walfang, Klimawandel und Versauerung gefährden diese Tiere.

Schutz, Nutzung und Umweltprobleme

Seit den 1980er Jahren reagierten die Philippinen auf Raubbau und Umweltverschlechterung mit umfassenderen Gesetzen. Das Republik-Gesetz 7586 schuf das National Integrated Protected Area System (NIPAS). Rund 35.000 km² wurden danach als Schutzgebiete ausgewiesen: etwa 21.300 km² an Land und 13.700 km² im Meer. Die Kategorien reichen von strengen Naturreservaten und Naturparks bis zu Schutzlandschaften, Meeresschutzgebieten, Pufferzonen und Gebieten indigener Gemeinschaften. Weitere Grundlagen sind der National Biodiversity Strategy and Action Plan von 1997, der Indigenous Peoples Rights Act von 1997, die nationale Seegras-Schutzstrategie und der Wildlife Resources Conservation and Protection Act von 2001.

Ancestral Domains sind halbautonome Gebiete unter der Verwaltung indigener Gemeinschaften. Ihre enge Beziehung zu Wäldern und Bergen soll sowohl Biodiversität als auch kulturelle Identität bewahren. Ein weiterer Ansatz ist der Ökotourismus. Nach dem National Ecotourism Congress von 1992 wurde 2002 die National Ecotourism Strategy beschlossen. Sie soll Natur- und Kulturerbe schützen und die lokale Bevölkerung an Einnahmen beteiligen. 15 Schutzgebiete nahmen allein im Dezember 2008 jeweils mehr als eine Million philippinische Peso an Eintrittsgeldern ein; das Gilutongan Marine Sanctuary erzielte 2008 mehr als drei Millionen Peso.

Große Defizite bestehen bei der Abfallentsorgung. Der Ecological Solid Waste Management Act von 2000 verpflichtet Städte und Gemeinden zu Sammlung, Trennung, Wiederverwertung und umweltgerechter Lagerung. Bis 2010 konnten jedoch nur drei Prozent der Kommunen das Gesetz umsetzen, vor allem wegen fehlender rechtlicher, finanzieller, organisatorischer und technischer Voraussetzungen. Unterstützte Pilotprojekte ermöglichten einzelnen Gemeinden geregelte Entsorgung, Recycling und Kompostierung.

Bei den Treibhausgasen zählen die Philippinen zu den kleineren Emittenten. Ohne Montanindustrien wie Agro- und Waldwirtschaft beliefen sich die Emissionen 2005 auf etwa 142 Millionen Tonnen. Die Kohlendioxidemissionen erreichten zwischen 1997 und 2005 ihren Höchststand und sanken danach trotz durchschnittlich vier Prozent Wirtschaftswachstum deutlich. 2007 lagen sie ungefähr auf dem Niveau der frühen 1980er Jahre.

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