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Bildungssystem in der Slowakei
Das Bildungssystem in der Slowakei besteht aus den Bildungsstufen der Vorschule, Grundschule, Sekundarstufe II und der Tertiärbildung.
Inhalt5 Abschnitte
Aufbau und Grundregeln
Das Bildungssystem der Slowakei umfasst Vorschule, Grundschule, Sekundarstufe II und Tertiärbildung. Es ähnelt wegen des langen Zusammenhangs mit der Tschechischen Republik stark dem tschechischen System; beide haben einen gemeinsamen Hintergrund in der Bildungsgeschichte Österreich-Ungarns. Seit 2024 läuft nach schlechten PISA-Ergebnissen eine Bildungsreform.
Die meisten Schulen und Universitäten sind staatlich. Seit der Samtenen Revolution 1990 gibt es außerdem kostenpflichtige private und kirchliche Schulen. Vor der Grundschule besuchen Kinder normalerweise Kindergarten und Vorschule, insgesamt bis zu vier Jahre. Es besteht eine 10-jährige Schulpflicht, davon ein Jahr Vorschule.
Unterricht findet von Montag bis Freitag statt. Das Schuljahr hat zwei Halbjahre: Das erste endet Ende Januar, das zweite vor den Sommerferien vom 1. Juli bis Ende August. Grund- und weiterführende Schüler haben meist etwa sechs Unterrichtsstunden täglich; eine Stunde dauert 45 Minuten. Unterricht, Lehrbücher und Unterrichtsmaterialien sind kostenlos. Die Notenskala reicht von 1 als bester bis 5 als schlechtester Note; informelle Zwischennoten sind möglich. Am Ende jedes Semesters werden Zeugnisse ausgegeben.
Grundschule und sonderpädagogische Förderung
Die meisten Kinder beginnen mit sechs Jahren die neun Jahre dauernde Grundschule; früher dauerte sie acht Jahre. Sie gliedert sich in eine erste Stufe von vier Schuljahren für Sechs- bis Zehnjährige und eine zweite, fachlich stärker gegliederte Stufe von fünf Jahren für Zehn- bis Fünfzehnjährige. Nach vier Jahren Grundschule können Schüler seit Anfang der 1990er Jahre auch ein achtjähriges Gymnasium besuchen. Die zweite Stufe kann somit in der neunjährigen Grundschule (4+5) oder im achtjährigen Gymnasium (4+4) stattfinden.
In der zweiten Stufe gehören Slowakische Sprache und Literatur, Mathematik, Geographie, Biologie, Chemie, Physik und Geschichte zu den Fächern. Mathematik und in der Regel auch Slowakisch werden täglich unterrichtet; Naturwissenschaften und Geschichte meist jeweils zwei Stunden pro Woche. Vorgesehen sind außerdem eine oder zwei Fremdsprachen, gewöhnlich Englisch sowie Deutsch, Französisch, Russisch oder Spanisch, Religion oder Ethik nach Wahl, Sport, Musik, Kunst und technische Ausbildung. Eine Stundentafelreform stärkte die Hauptfächer, während andere Fächer oft nur noch eine Wochenstunde erhalten. In Minderheitenschulen soll Slowakisch durch Ungarisch oder Ukrainisch ersetzt werden.
Daneben bestehen fakultative Kunstgrundschulen als Nachmittagsschulen, etwa für Musikinstrumente, Theater oder Malerei. Sonderschulen haben einen im regionalen Vergleich besonders hohen Anteil: 2009/2010 besuchten 4,1 Prozent aller Schüler der Primarstufe und Sekundarstufe I Sonderschulen, weitere 2,2 Prozent Sonderklassen. Von der damit verbundenen Bildungsarmut sind viele Kinder der Roma-Minderheit betroffen, die etwa 500.000 Angehörige umfasst.
Weiterführende Schulen und Maturita
Für weiterführende Schulen gibt es bei mehr Bewerbern als Plätzen Aufnahmeprüfungen; dies gilt auch für das achtjährige Gymnasium ab der 5. Klasse. Die Sekundarstufe II dauert normalerweise vier Jahre, etwa vom 16. bis 19. Lebensjahr. Ein Gymnasium kann acht Jahre dauern, wenn es nach der 4. Grundschulklasse beginnt.
Es gibt das allgemeinbildende gymnázium, also das Gymnasium, sowie drei berufliche Formen: stredná odborná škola, eine weiterführende Berufsschule, stredné odborné učilište, eine berufsbildende weiterführende Schule, und selten die združená stredná škola als „gruppierte“ weiterführende Schule. Gymnasien bereiten auf Hochschulbildung vor und verlangen mindestens zwei Fremdsprachen. Sie gelten als selektiv und renommiert; manche bieten Spezialklassen etwa für Sprachen, zweisprachigen Unterricht, Mathematik oder Informatik an.
Den Abschluss bildet in der Regel die Reifeprüfung maturita, die Voraussetzung für den Hochschulbesuch ist. Seit 2005 gehören dazu landesweit einheitliche schriftliche Prüfungen in Sprachen und Mathematik sowie stark standardisierte weitere Prüfungen. Es gibt die Stufen A als einfachste, B und C als schwierigste, letztere nur für Sprachen. Am Gymnasium werden Slowakisch einschließlich Literatur und eine Fremdsprache jeweils schriftlich und mündlich geprüft; hinzu kommen ein naturwissenschaftliches Fach und zwei Wahlfächer.
Hochschulwesen
Das Hochschulgesetz von 2002 unterscheidet öffentliche, staatliche und private Hochschulen. Öffentliche Hochschulen sind gesetzlich geregelt. Staatliche Hochschulen umfassen Militär-, Polizei- und Medizinhochschulen und werden durch die zuständigen Ministerien gegründet und finanziert. Private Einrichtungen werden von nichtstaatlichen Institutionen gegründet und finanziert, benötigen aber die Genehmigung des Bildungsministeriums und sind noch selten.
Wenn es mehr Bewerber als Studienplätze gibt, sind Aufnahmeprüfungen nötig; ihre Form unterscheidet sich je nach Hochschule. Zunehmend studieren Slowaken im Ausland, besonders in der Tschechischen Republik. Als Gründe nennt der Artikel die geringe Sprachbarriere, die etwas bessere Wirtschaftslage und Berufsaussichten dort sowie die Ähnlichkeit beider Bildungssysteme. Dadurch stieg der Anteil der Slowaken mit höherer Bildung im letzten Jahrzehnt erheblich.
Historische Entwicklung
In Oberungarn, dem damaligen Gebiet der Slowakei im Königreich Ungarn, entstanden bereits im 15. Jahrhundert Kirchschulen. Das heutige Gamča in Bratislava wurde 1626 als Jesuitengymnasium Collegium Posoniense gegründet. Im 19. Jahrhundert war das evangelische Lyzeum in Bratislava ein Zentrum der slowakischen Nationalbewegung; 1850 entstand dort die erste Realschule. In der Zwischenkriegszeit nahm das Schulwesen an der progressiven Bildungspolitik der Tschechoslowakei teil. Nach 1948 führte die sozialistische Zeit eine neunjährige Gesamtschule ein und schaffte Religionsunterricht ab. Bis 1990 galten für Roma Arbeits- und Schulpflicht; viele ihrer Kinder besuchten jedoch Sonderschulen. Ab 1990 wandelte sich das System von marxistischer Ideologisierung zu differenzierteren sowie privaten Schulen.
Die erste Universität auf dem Gebiet der Slowakei war die Universitas Istropolitana, die von 1465 bis 1490 bestand. Jesuitenuniversitäten entstanden 1635 in Tyrnau und 1657 in Kaschau. Die wichtigste und größte heutige Universität ist die 1919 gegründete Comenius-Universität in Bratislava. Weitere wichtige Einrichtungen sind die 1937 gegründete Slowakische Technische Universität sowie die 1949 gegründeten Hochschulen für Musische Künste und für Bildende Künste.