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Bestimmtheitsmaß

Das Bestimmtheitsmaß gibt allerdings nur Auskunft über die Stärke des Zusammenhangs, nicht über Kausalität. Das Bestimmtheitsmaß zeigt zwar die „Qualität …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Definition
  2. 2. Quadratsummen, Wertebereich und Sonderfall Ursprung
  3. 3. Interpretation und Beispiel
  4. 4. Adjustiertes Bestimmtheitsmaß
  5. 5. Grenzen, Tests und Erweiterungen

Grundidee und Definition

Das Bestimmtheitsmaß, auch Determinationskoeffizient genannt, ist eine dimensionslose Kennzahl zur Beurteilung der globalen Anpassungsgüte eines Regressionsmodells. Es wird meist als R² („R-Quadrat“) bezeichnet. Es misst, welcher Anteil der Streuung der abhängigen Variablen durch das Regressionsmodell erklärt wird. R² ist jedoch ein reines Zusammenhangsmaß: Es weist weder einen kausalen Zusammenhang nach noch zeigt es, ob der Zusammenhang statistisch signifikant ist.

Bei n Messungen (xᵢ, yᵢ) beschreibt ŷᵢ den vom Modell geschätzten Wert und ε̂ᵢ = yᵢ − ŷᵢ das Residuum, also die Abweichung zwischen Messwert und Schätzwert. Bei der einfachen linearen Regression lautet die Regressionsfunktion ŷ = β₀ + β₁x. β₀ ist das Absolutglied, β₁ die Steigung; beide werden typischerweise mit der Kleinste-Quadrate-Methode geschätzt.

Für ein Modell mit Absolutglied gilt die Quadratsummenzerlegung SQT = SQE + SQR. Dabei ist SQT = Σ(yᵢ − ȳ)² die totale Quadratsumme, SQE = Σ(ŷᵢ − ȳ)² die erklärte Quadratsumme und SQR = Σ(yᵢ − ŷᵢ)² die Residuenquadratsumme. Die Standarddefinition lautet R² = SQE/SQT. Sie gibt den Anteil der Gesamtstreuung an, der durch das Modell erklärt wird. Äquivalent gilt bei einem linearen Modell mit geschätztem Absolutglied: R² = 1 − SQR/SQT.

In der einfachen linearen Regression entspricht R² dem Quadrat des Bravais-Pearson-Korrelationskoeffizienten: R² = rₓᵧ². In der multiplen linearen Regression mit yᵢ = β₀ + xᵢ₁β₁ + … + xᵢₖβₖ + εᵢ ist R² dagegen das Quadrat der Korrelation zwischen den beobachteten Werten yᵢ und den geschätzten Werten ŷᵢ.

Quadratsummen, Wertebereich und Sonderfall Ursprung

Die Konstruktion beruht auf der Zerlegung jeder Gesamtabweichung:

(yᵢ − ȳ) = (ŷᵢ − ȳ) + (yᵢ − ŷᵢ).

Nach dem Quadrieren und Summieren über alle Beobachtungen ergibt sich SQT = SQE + SQR. Die Kleinste-Quadrate-Schätzung nutzt dabei, dass die Residuen mit den geschätzten Werten unkorreliert sind und bei einem Modell mit Absolutglied ihre Summe null ist. Durch Division durch SQT folgt R² = SQE/SQT = 1 − SQR/SQT. Die Kleinste-Quadrate-Schätzung minimiert die Residuenquadratsumme und maximiert dadurch automatisch R².

Bei der ersten Definition gilt 0 ≤ R² ≤ 1. R² = 1 bedeutet eine perfekte Anpassung: Alle Residuen sind null und alle Beobachtungspunkte liegen auf der Regressionsgeraden. R² = 0 bedeutet, dass das Modell keine Streuung gegenüber dem Mittelwert erklärt. Die alternative Formel 1 − SQR/SQT kann dagegen Werte im Bereich −∞ < R² ≤ 1 liefern, wenn Modellannahmen verletzt sind oder kein Absolutglied verwendet wird.

Bei einer Regression durch den Ursprung wird β₀ nicht geschätzt; die Gerade lautet ŷ = β̃₁x mit β̃₁ = Σxᵢyᵢ/Σxᵢ². Die gewöhnliche zentrierte Quadratsummenzerlegung gilt dann im Allgemeinen nicht. Ein negatives R² nach der Formel 1 − SQR/SQT bedeutet in diesem Fall, dass der Mittelwert ȳ die Daten besser anpasst als die Regression durch den Ursprung. Alternativ verwendet man die nicht korrigierte Zerlegung SQT₀ = Σyᵢ² = SQE₀ + SQR und das unzentrierte Bestimmtheitsmaß R² = SQE₀/SQT₀ = 1 − SQR/SQT₀, das nichtnegativ ist.

Für hierarchisch geordnete Modelle gilt: Enthält ein Teilmodell weniger erklärende Variablen als ein vollständiges Modell, dann ist R²_full ≥ R²_sub. Das unadjustierte R² kann durch zusätzliche Variablen also nicht sinken, selbst wenn diese keinen sinnvollen Beitrag leisten.

Interpretation und Beispiel

Multipliziert man R² mit 100 %, erhält man den prozentualen Anteil der Streuung in y, der durch das lineare Modell erklärt wird. Ein Wert nahe 1 bedeutet eine hohe Anpassung an die beobachteten Daten; ein Wert nahe 0 bedeutet eine geringe lineare Erklärungskraft. Die Interpretation muss sich auf die konkrete Modellierung und die Streuung der abhängigen Variablen beziehen. Ein kleines R² macht eine Regressionsgleichung nicht automatisch nutzlos, etwa wenn ein ceteris-paribus-Zusammenhang trotzdem gut geschätzt wird.

Im Beispiel mit zehn zufällig ausgewählten Kriegsschiffen werden Länge und Breite in Metern untersucht. Die Kleinste-Quadrate-Regression ergibt b₀ = −8,6450715 und b₁ = 0,1612340, also ŷ = −8,6450715 + 0,1612340 · Länge. Der Mittelwert der Breite beträgt ȳ = 18,41 m, die totale Quadratsumme SQT = 574,8490 m² und die Residuenquadratsumme SQR = 44,7405 m². Damit gilt:

R² = 1 − 44,7405/574,8490 = 0,92217.

Rund 92 % der Streuung der Schiffsbreite werden in diesem Datensatz durch die lineare Regression der Breite auf die Länge erklärt. Das Unbestimmtheitsmaß U² = 1 − R² beträgt ungefähr 8 % und bezeichnet den nicht erklärten Anteil.

Das Bestimmtheitsmaß kann mit dem Standardfehler der Regression ergänzt werden. Im Kriegsschiffbeispiel beträgt der Standardfehler der Residuen bei Division durch n: s̃ = √(SQR/n) = 2,1152. Wegen des Verlusts von zwei Freiheitsgraden durch die Schätzung von β₀ und β₁ beträgt der erwartungstreue Standardfehler der Regression σ̂ = √(SQR/(n−2)) = 2,3649. Er beschreibt die durchschnittliche Größe der Abweichungen von der Regressionsgeraden; je größer er ist, desto schlechter beschreibt die Gerade die Messwerte.

Adjustiertes Bestimmtheitsmaß

Das unadjustierte R² steigt mit jeder zusätzlich aufgenommenen erklärenden Variablen oder bleibt gleich. Dadurch kann ein Modell scheinbar besser werden, obwohl irrelevante Variablen aufgenommen wurden; zugleich gehen Freiheitsgrade verloren und es kann zu Überanpassung kommen. Deshalb wird häufig das adjustierte, bereinigte oder korrigierte Bestimmtheitsmaß verwendet. Es wird als R̄², R²_adj. oder R²_a bezeichnet.

Bei p = k + 1 geschätzten Parametern lautet die Definition:

R̄² = 1 − (MQR/MQT) = 1 − (SQR/SQT) · (n−1)/(n−p) = 1 − (1−R²) · (n−1)/(n−p).

Dabei sind MQR = SQR/(n−p) das mittlere Residuenquadrat und MQT = SQT/(n−1) das mittlere Gesamtabweichungsquadrat. Äquivalent gilt R̄² = R² − (1−R²) · k/(n−p). Das adjustierte Bestimmtheitsmaß berücksichtigt damit die Modellkomplexität. Es steigt nur, wenn R² ausreichend zunimmt, kann sinken und kann negative Werte annehmen. Es gilt R̄² ≤ R²; Gleichheit besteht insbesondere bei R² = 1. Bei wachsendem Stichprobenumfang n nähert sich R̄² dem unadjustierten R².

Das adjustierte R² ist als Modellvergleichsmaß nützlicher als R², aber zur Modellselektion nicht immer ausreichend streng: Es steigt bereits, wenn eine zusätzliche Variable einen t-Wert größer als Eins besitzt. Deshalb werden auch Informationskriterien wie das Akaike-Informationskriterium und das bayessche Informationskriterium verwendet. Als alternativer Schätzer des Bestimmtheitsmaßes in der Grundgesamtheit ρ² wird besonders der Olkin-Pratt-Schätzer genannt; er ist ein unverzerrter und gleichmäßig bester unverzerrter Schätzer.

Grenzen, Tests und Erweiterungen

Ein hohes R² beweist weder, dass der wahre Zusammenhang linear ist, noch dass die Regressionsgerade überall eine gute Approximation darstellt. Ein R² nahe null schließt einen nichtlinearen oder deterministischen Zusammenhang nicht aus. Im Artikel werden dafür unter anderem f(x) = −4/3|x−0,9| + 1,4 und g(x) = 1,1x² − 1,1 genannt. Auch Scheinkorrelationen, ausgelassene Variablen, Trends, Transformationen und Multikollinearität werden durch R² nicht zuverlässig beurteilt. R² sagt außerdem nichts über statistische Signifikanz, Verzerrungen durch ausgelassene Variablen oder die richtige Modellspezifikation aus. Für Signifikanztests sind Stichprobengröße und geeignete Tests erforderlich.

Der globale F-Test prüft H₀: β₁ = β₂ = … = βₖ = 0 gegen die Alternative, dass mindestens ein Steigungsparameter ungleich null ist. Mit p = k + 1 lautet die Teststatistik F = [R²/(1−R²)] · [(n−p)/k], die unter H₀ F-verteilt mit k und n−p Freiheitsgraden ist. Im Mittel gilt unter H₀ E(R²) = k/(n−1); bei n = k + 1 kann daher allein wegen der kleinen Stichprobe E(R²) = 1 sein. Für Restriktionen lässt sich die F-Statistik über die R²-Werte des unrestringierten und restringierten Modells schreiben: F = [(R² − R²_H₀)/q] / [(1−R²)/(n−p)]. Bei q = 1 gilt t² = F.

Für heteroskedastische Fehler und verallgemeinerte Kleinste-Quadrate-Schätzung gibt es ein gewichtetes Maß R²_GSQ = 1 − GSQR/GSQT, wobei GSQR die gewichtete Residuenquadratsumme und GSQT die gewichtete totale Quadratsumme ist. Bei nominaler oder ordinaler abhängiger Variable existiert keine gewöhnliche Varianz; deshalb werden Pseudo-Bestimmtheitsmaße verwendet, etwa McFaddens R² = 1 − ln L₁/ln L₀. Ein universelles Pseudo-Bestimmtheitsmaß gibt es nicht.

Das Prognose-Bestimmtheitsmaß bewertet nicht nur die Anpassung, sondern die Vorhersage auf einem externen Testdatensatz. Zuerst wird PRESS = Σ(yᵢ,test − ŷᵢ,test)² berechnet, anschließend R²_prog. = 1 − PRESS/Σ(yᵢ,test − ȳ)². Es ist im Allgemeinen kleiner als das gewöhnliche R². Für Mehrgleichungsmodelle und andere Zielfunktionen existieren weitere verallgemeinerte Definitionen.

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