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Berufsausbildung mit Abitur

Berufsausbildung mit Abitur (Abkürzung: BmA) war ein seit 1959 in der DDR eröffneter Bildungsweg zum gleichzeitigen Erreichen der vollen, uneingeschränkten …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Zugang und Organisation
  3. 3. Unterricht und Fächer
  4. 4. Stundenzahlen und Ausbildungsteile
  5. 5. Rhythmus und Prüfungen
  6. 6. Ähnliche Wege in DDR und Bundesrepublik

Grundidee und Bedeutung

Berufsausbildung mit Abitur, abgekürzt BmA, war ein Bildungsweg in der DDR, der seit 1959 angeboten wurde. Er verband zwei Abschlüsse: die volle, uneingeschränkte Hochschulreife, also das Abitur, und den Facharbeiterbrief, also den Abschluss einer beruflichen Facharbeiterausbildung. Die Ausbildung dauerte drei Jahre und schloss an eine zuvor sehr erfolgreich besuchte 10. Klasse der Polytechnischen Oberschule (POS) an.

Der Bildungsweg war besonders wichtig als Vorbereitung auf technische Studienrichtungen. Die Lernenden sollten in ihrer späteren Studienrichtung bereits fachlich vorgebildet werden, damit sie das Studium schneller und mit besseren Ergebnissen absolvieren und besser auf das Berufsleben vorbereitet sein konnten. Die BmA war begehrt, weil in kurzer Zeit Abitur und Facharbeiterlehre erreicht wurden. Die Zahl der Plätze war jedoch begrenzt und lag bei etwa fünf Prozent der Schüler eines Jahrgangs.

Ähnliche Modelle wurden später wieder angeboten: in Berlin seit 2003 und in Sachsen seit 2011. Dort beträgt die Ausbildungszeit vier Jahre.

Zugang und Organisation

Eingeführt wurde die Berufsausbildung mit Abitur durch das Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik vom 2. Dezember 1959. Der Zugang wurde vor allem von der jeweiligen Berufsschule beziehungsweise vom Trägerbetrieb entschieden. Der staatlich-lenkende Einfluss auf die Auswahl war dadurch geringer als beim Zugang zur Erweiterten Oberschule (EOS). Deshalb kam es laut Artikel zu deutlich weniger ideologischen Verzerrungen bei der Auswahl künftiger Abiturienten.

Die Ausbildung fand in Spezialklassen an Berufsschulen großer Betriebe statt. Viele Lehrberufe konnten nur an wenigen Betrieben erlernt werden. Deshalb kamen Lehrlinge oft aus der gesamten DDR zu einem Ausbildungsbetrieb. Häufig wurde eine Unterbringung in betriebseigenen Lehrlingsinternaten angeboten, die auch Lehrlingswohnheim oder LWH genannt wurden.

Die Anforderungen waren meist höher als in der Ausbildung an der EOS oder an üblichen Berufsschulen. In drei Jahren mussten sowohl die allgemeinbildenden Kenntnisse für das Abitur als auch die beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten für den Facharbeiterabschluss erworben werden. Die Lehrlinge erhielten ein monatliches Lehrlingsentgelt, das in den drei Schul- und Lehrjahren anstieg. Bei guten Leistungen konnten zusätzlich betriebliche Leistungsprämien gewährt werden.

Unterricht und Fächer

Die Stundentafel der BmA war im Vergleich zum Abitur an der EOS auf drei Jahre gedehnt und zugleich leicht eingeschränkt. Je nach angestrebtem Beruf gab es Klassen entweder mit Geographieunterricht oder mit Biologieunterricht. Kunsterziehung, Musikerziehung und Astronomie entfielen.

Als Gegenstück zur wissenschaftlich-praktischen Arbeit, kurz wpA, an der EOS gab es in der BmA die wissenschaftlich-praktische Tätigkeit, kurz wpT. Damit sollte sich die BmA von einer regulären Facharbeiterausbildung unterscheiden und ihre Ausrichtung auf ein späteres Hochschulstudium betonen.

Der allgemeinbildende Unterricht folgte denselben Lehrplänen wie an der EOS. Weil die Stundenzahlen reduziert waren, mussten die Lernenden stärker eigenständig im Selbststudium arbeiten. Falls ein späteres Studium einen Abiturabschluss in Biologie voraussetzte und in der eigenen Klasse kein Biologieunterricht stattfand, konnte Biologie in speziellen Kursen an der Volkshochschule nachgeholt werden.

Stundenzahlen und Ausbildungsteile

Der allgemeinbildende Unterricht umfasste in der Regel 1917 Stunden. Dazu gehörten Deutsche Sprache und Literatur mit 198 Stunden, Russisch mit 234 Stunden, eine 2. Fremdsprache mit 198 Stunden oder 288 Stunden, falls Schüler ohne nötige Vorkenntnisse besondere Förderung brauchten, Mathematik mit 324 Stunden, Physik mit 198 Stunden, Chemie mit 162 Stunden, Biologie oder Geographie mit 63 Stunden, Staatsbürgerkunde mit 99 Stunden, Geschichte mit 108 Stunden und Sport mit 198 Stunden.

Der berufstheoretische Unterricht umfasste je nach Unterrichtsprofil 648 beziehungsweise 576 Stunden, abhängig davon, ob Geographie oder Biologie erteilt wurde. Berufstheoretischer Unterricht bedeutet Unterricht über die fachlichen Grundlagen des jeweiligen Berufs. Die berufspraktische Ausbildung fand an ungefähr 260 Tagen im Jahr statt. Hinzu kamen vormilitärische Ausbildung und Sanitätsausbildung über die Gesellschaft für Sport und Technik.

In Klassen mit Geographieunterricht betrug die Wochenstundenzahl im 1. Lehrjahr 28, im 2. Lehrjahr 28 und im 3. Lehrjahr 19. Geographie wurde nur im 2. und 3. Lehrjahr mit je einer Wochenstunde unterrichtet; Biologie entfiel. In Klassen mit Biologieunterricht betrug die Wochenstundenzahl ebenfalls 28, 28 und 19. Biologie wurde dort im 1. Lehrjahr mit 1 Wochenstunde, im 2. Lehrjahr mit 2 Wochenstunden und im 3. Lehrjahr mit 1 Wochenstunde unterrichtet; Geographie entfiel.

Rhythmus und Prüfungen

Anders als in der allgemeinbildenden Einheitsschule der DDR war der Sonnabend in der BmA kein Unterrichtstag. Die Schulferien der POS und EOS galten nicht. In den sonst schulfreien Zeiten wurde, abgesehen vom gesetzlichen Urlaubsanspruch von 24 Tagen, durchgehend im Betrieb gearbeitet.

Üblicherweise fand im ersten und zweiten Lehrjahr der allgemeinbildende und berufstheoretische Unterricht an vier Tagen pro Woche statt. Der berufspraktische Unterricht beanspruchte einen Tag pro Woche. Im dritten Lehrjahr waren drei Tage für theoretischen Unterricht vorgesehen und zwei Tage für die praktische Ausbildung. Das Ministerium für Volksbildung erlaubte auch größere Blöcke, zum Beispiel acht Tage zu zwei Tage.

Nach dem zweiten Lehrjahr wurde die umfangreiche Facharbeiterprüfung abgelegt. Nach dem dritten Lehrjahr folgte die Reifeprüfung. Die zentralen schriftlichen Abschlussprüfungen der BmA waren identisch mit der Reifeprüfung der zweijährigen EOS und mit der Facharbeiterprüfung der in der Regel zweijährigen Berufsschule. Die berufspraktische Ausbildung war verkürzt. In einem anschließenden Studium konnte die vorherige Berufsausbildung häufig die Studiendauer verkürzen, weil studiumsrelevante Praktika wegen der bereits vorhandenen Berufsausbildung reduziert abgeleistet werden mussten.

Ähnliche Wege in DDR und Bundesrepublik

In den 1960er Jahren gab es an den Erweiterten Oberschulen der DDR ebenfalls eine Verbindung von Abiturvorbereitung und Berufsausbildung. Zunächst waren dafür zwei Tage pro Woche im Ausbildungsbetrieb vorgesehen. Weil dies organisatorisch zu aufwendig war, wurde ab 1963 auf einen Rhythmus von drei Wochen Schule und einer Woche Betrieb umgestellt.

Ende der 1960er Jahre wurde das Schulsystem geändert. Der Eintritt in die EOS war nun neben der 9. Klasse auch für besonders gute Schüler der POS ab der 11. Klasse möglich. Dadurch blieb kein Raum mehr für die Berufsausbildung im Rahmen der EOS.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde seit 2000 in Modellversuchen einiger Bundesländer versucht, wieder Möglichkeiten zu schaffen, eine Berufsausbildung mit dem Erwerb des Abiturs zu verbinden. In Berlin wurde ein solcher Modellversuch nach positiven Erfahrungen der Deutschen Telekom am Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik in Berlin-Neukölln dauerhaft etabliert. Außerdem bieten Oberstufenzentren in verschiedenen Berufen Möglichkeiten an, parallel zur Berufsausbildung die Fachhochschulreife, auch „Fachabitur“ genannt, zu erwerben.

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