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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Bernd Mütter

Mütter wurde 1938 in Kleve am Niederrhein geboren, ging dort zur Schule und absolvierte nach dem Abitur 1958 das Studium der Geschichte und Germanistik an den …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Person und akademische Laufbahn
  2. 2. Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik
  3. 3. Historisches Reisen und zentrale Themen des Lernens
  4. 4. Wirtschaftsgeschichte und Unterrichtspraxis

Person und akademische Laufbahn

Bernd Mütter (* 28. September 1938 in Kleve; † 3. August 2023) war ein deutscher Historiker und Geschichtsdidaktiker. Geschichtsdidaktik untersucht, wie Geschichte vermittelt und gelernt wird. Mütter prägte dieses Fach durch Forschung, Hochschullehre, Lehrwerke und Arbeiten zur Erwachsenenbildung. Von 1981 bis zu seiner Emeritierung 2003 war er Professor für Didaktik der Geschichte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Nach dem Abitur 1958 studierte er Geschichte und Germanistik an den Universitäten Münster und Freiburg im Breisgau. Er legte 1963 das erste und 1968 das zweite Lehramtsexamen ab und arbeitete anschließend als Studienrat am Gymnasium Theodorianum in Paderborn. 1973 wurde er an der Universität Münster im Fach Geschichte zum Dr. phil. promoviert.

1975 wechselte Mütter mit einem Lehrauftrag für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Fachdidaktik an die Reformuniversität Bielefeld. 1979 übernahm er die Betreuung eines Lehrstuhls für Didaktik der Geschichte an der Universität Oldenburg, an die er 1981 als Professor berufen wurde. Von 1989 bis 1999 war er zudem 2. Vorsitzender der Konferenz für Geschichtsdidaktik. Er starb Anfang August 2023 im Alter von 84 Jahren.

Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik

Mütters erster Forschungsschwerpunkt lag auf Geschichte und Theorie der Geschichtswissenschaft. Seine 1973 abgeschlossene und 1980 veröffentlichte Dissertation untersuchte die Entwicklung der Geschichtswissenschaft an der Hochschule in Münster und in Westfalen im 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt stand der Übergang zwischen Aufklärung und Historismus sowie das besondere Spannungsverhältnis zwischen Historismus und Katholizismus.

Ein eng damit verbundener Schwerpunkt war die Geschichte und Theorie der Geschichtsdidaktik. Gemeinsam mit Siegfried Quandt gab Mütter 1988 „Historie – Didaktik – Kommunikation. Wissenschaftsgeschichte und aktuelle Herausforderungen“ heraus. 1995 folgte der Sammelband „Historische Zunft und historische Bildung. Beiträge zur geisteswissenschaftlichen Geschichtsdidaktik“. Seine Monographie von 2013 behandelte die Entstehung der Geschichtsdidaktik als wissenschaftliche Disziplin während der Epoche der Weltkriege und deutete sie als Beitrag zur „Kultur der Niederlage“ in Deutschland. Dabei beschäftigte er sich mit Karl Brandi, Herman Nohl und Erich Weniger.

Historisches Reisen und zentrale Themen des Lernens

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt war das geschichtsdidaktische Potenzial historischen Reisens, also die Frage, wie Geschichte auf Reisen und an historischen Orten vermittelt werden kann. Grundlage waren Mütters langjährige Erfahrungen mit Praktika in der akademischen Lehre und mit der Arbeit an Volkshochschulen. Daraus entstand 2009 die zweibändige Monographie „HisTourismus. Geschichte in der Erwachsenenbildung und auf Reisen“.

Als stellvertretender Vorsitzender der Konferenz für Geschichtsdidaktik wirkte Mütter maßgeblich an Tagungsbänden zu wichtigen Fragen historischen Lernens mit. Dazu gehörten „Emotionen und historisches Lernen“ von 1992, „Historisches Lernen im vereinten Deutschland“ von 1994, „Regionale Identität im vereinten Deutschland“ von 1996 und „Geschichtskultur. Theorie – Empirie – Pragmatik“ von 2000. Diese Arbeiten behandelten unter anderem die Bedeutung von Gefühlen, nationalen und regionalen Identitäten sowie gesellschaftlichen Formen des Umgangs mit Geschichte.

Wirtschaftsgeschichte und Unterrichtspraxis

In der Wirtschaftsgeschichte untersuchte Mütter die Agrarmodernisierung während des Industrialisierungszeitalters. Sein regionaler Schwerpunkt lag auf Nordwestdeutschland; zugleich verglich er unterschiedliche Regionen. 1990 veröffentlichte er eine Biographie über Friedrich Oetken (1850–1922), einen Pionier der oldenburgischen Landwirtschaft. Zusammen mit Robert Meyer erschien 1995 eine Untersuchung zur „Agrarmodernisierung im Herzogtum Oldenburg zwischen Reichsgründung und Erstem Weltkrieg“. Darin wurden Marsch und Geest anhand der Ämter Brake/Elsfleth und Cloppenburg miteinander verglichen.

Mütter verband seine Forschung außerdem mit der schulischen Praxis. Gemeinsam mit Jürgen Kocka erarbeitete er das Quellen- und Arbeitsbuch „Wirtschaft und Gesellschaft im Zeitalter der Industrialisierung“ für die Sekundarstufe II. Die erste Auflage erschien 1980, die zweite 1984. Für die Sekundarstufe I gab er unter anderem mit Peter Hüttenberger den vierten Band des Unterrichtswerks „Geschichtsbuch. Die Menschen und ihre Geschichte in Darstellungen und Dokumenten“ heraus; die Ausgabe erschien 1988 und wurde bis 1997 neu aufgelegt. Seine Veröffentlichungen deckten damit wissenschaftliche Grundlagen, Geschichtsunterricht, Erwachsenenbildung, historisches Reisen und regionale Wirtschafts- und Sozialgeschichte ab.

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